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Langjährige Presse-Kolumnistin Walterskirchen wegen politisch unliebsamer Meinungen abgesetzt

19. April 2022 in Österreich, 10 Lesermeinungen
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Die „Querschreiberin“ hatte zuletzt den amtierenden Bundespräsidenten in ein schiefes Licht gerückt, aber sich auch politisch unbequem zur Covid-Impfpflicht sowie zum Russland-Ukraine-Krieg geäußert.


Wien (kath.net/mk) Die Historikerin und wöchentliche Presse-Kolumnistin Gudula Walterskirchen veröffentlichte Anfang der Karwoche ihren – wie sie selbst ankündigte – letzten Kommentar unter der Rubrik „Quergeschrieben“. Vordergründig forderte Walterskirchen in ihrem Abschluss-Artikel eine Rückbesinnung auf die journalistischen Grundregeln, nämlich eine wertneutrale und differenzierte Berichterstattung statt „Erziehungs- und Haltungsjournalismus“. Sie sei der festen Überzeugung, dass es in einer Demokratie die Vielfalt der Meinungen brauche. „Auch wenn mir vor wenigen Tagen, nach meinen kritischen Reflexionen über den Bundespräsidenten und seine Umgebung, der Chefredakteur der ‚Presse‘ überraschend mitgeteilt hat, dass mein Platz als Querschreiberin künftig von jemand anders eingenommen wird“, wie Walterskirchen lapidar bemerkte.


Über die Hintergründe dieses Rauswurfs kann nur gemutmaßt werden. Zwei Wochen zuvor hatte Walterskirchen in ihrer Kolumne eingemahnt, dass das Amt des Bundespräsidenten nicht beschädigt werden dürfe, und dabei den Amtsinhaber Alexander van der Bellen wegen „Kompetenzüberschreitungen und fragwürdigen Aktivitäten seines Umfelds“ in ein schiefes Licht gerückt. Auch dessen Rolle als Oberbefehlshaber des Bundesheers war Thema, im Zusammenhang mit dem nun vielfach geforderten EU-Heer, mit dem van der Bellen kein Problem habe. War es diese „Majestätsbeleidigung“, die der langjährigen und gerade wegen ihrer kritischen Haltung Anklang findenden Querschreiberin und einstigen Presse-Redakteurin zum Verhängnis wurde?

Wenn man sich ihre Kommentare der letzten Monate durchsieht, kann man zu dem Schluss kommen, dass ihr unbequemer Artikel über den Bundespräsidenten nur der letzte Auslöser war, und dass Walterskirchen auch in anderen Themenbereichen zu unliebsame Meinungen geäußert hatte. Während ihr Eintreten vor Jahren gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, Sexualerziehung in Kindergärten und Volksschulen sowie die Fristenlösung offenbar noch „salonfähig“ war, ging sie der „Presse“ mit ihrem vehementen Einsatz gegen die Covid-Impfpflicht Anfang des Jahres wohl einen Schritt zu weit. So ortete Walterskirchen „autoritäre Tendenzen“ in der (Regierungs-)Politik, die mit den Covid-Maßnahmen die Grundregeln der Demokratie missachte und damit zunehmendes Misstrauen und Entfremdung bei den Bürgern schaffe. Österreich sei mit seiner allgemeinen Impfpflicht ein international abschreckendes Beispiel geworden und in eine „fragwürdige Liga“ mit wenigen Ländern wie Tadschikistan und Turkmenistan abgestiegen, schrieb die Kolumnistin kurz nach dem Parlamentsbeschluss.


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