Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  4. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  5. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  6. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  13. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Der 11. September und die Notwendigkeit eines kämpferischen Christentums

Ukraine-Krieg: Ohne Waffen leider kein Friede möglich

14. Juni 2022 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Langjährigen ORF-Moskau-Korrespondentin Susanne Scholl und Ostkirchenexperten Prof. Thomas Nemeth analysierten in "Langer Nacht der Kirchen" den Ukraine-Krieg und die Rollen der orthodoxen Kirchen


Wien (kath.net/KAP) Mit unbedingtem Pazifismus stößt man leider beim Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine an unüberwindbare Grenzen. Im Moment könne man Wladimir Putins Krieg nur mit Waffen stoppen. Das war eine der Kernaussagen bei einer Podiumsdiskussion mit der langjährigen ORF-Moskau-Korrespondentin Susanne Scholl und dem Ostkirchenexperten Prof. Thomas Nemeth im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" im Wiener Dominikanerkloster. Beide warnten vor den Folgen, wenn es nicht gelinge, Putin zu stoppen, der längst in einer irrationalen Parallelwelt lebe, wie es Scholl formulierte. Nemeth sprach u.a. von der ethischen Pflicht, die sich verteidigende Ukraine auch mit Waffen zu unterstützen.

Mit Putin zu verhandeln sei derzeit völlig sinnlos, befand Scholl. Hier könnte auch der Papst nichts ausrichten, zeigte sie sich überzeugt. Prof. Nemeth bekräftigte in diesem Zusammenhang seinen kritischen Blick auf die vatikanische Diplomatie bzw. auch die Position des Papstes. Es werde zu wenig zwischen Opfern und Tätern unterschieden. Das "Kreuz des Täters" und das "Kreuz des Opfers" ließen sich nicht so leicht zusammenführen. Versöhnung sei nötig, doch der Zeitpunkt sei dafür noch nicht gekommen. Zuallererst müsse die Gewalt enden. "Wenn es um Gewalt geht, muss die Opferperspektive im Fokus stehen", mahnte Nemeth . Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf entsprechende Aussagen von Swjatoslaw Schewtschuk, Großerzbischof der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, in der Nemeth selbst auch Priester ist. Auch Papst Franziskus sollte deutlicher Position gegen das Unrecht beziehen, befand er.


Wie Susanne Scholl weiter sagte, habe Putin große Angst vor der ukrainischen Demokratiebewegung und einem Überschwappen derselbigen auf Russland. Schließlich habe Putin schon vor 20 Jahren den Zerfall der Sowjetunion als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Ein Großrussland mit Präsident Putin in der Nachfolge von Zar Peter dem Großen sei ohne die Ukraine nicht denkbar.

"Hirngespinste" Kyrills

Kein gutes Haar ließen Scholl und Nemeth am Moskauer Patriarchen Kyrill, der den Krieg Putins ideologisch rechtfertige. Dessen "Hirngespinste" hätten freilich mit dem Evangelium überhaupt nichts zu tun, so Nemeth. Letztlich sei die Nähe bzw. Kollaboration der russisch-orthodoxen Kirchenspitze mit der Staatsmacht auch nichts Neues, ergänzte Scholl. Das habe es auch schon zu Sowjetzeiten gegeben und habe sich danach vor allem auch in der Person Kyrills fortgesetzt. Schließlich habe dieser auch für den Geheimdienst gearbeitet und sich persönlich sehr bereichert. Von der obersten Kirchenhierarchie unterscheiden müsse man freilich die vielen einfachen Priester, so Scholl.

Dass Metropolit Hilarion (Alfejew), die bisherige Nummer zwei im Moskauer Patriarchat und Leiter des kirchlichen Außenamts dieser Tage seinen Posten verlor und nach Budapest versetzt wurde, müsse man ihm fast schon positiv anrechnen, mutmaßte Scholl über einen Richtungsstreit im Moskauer Patriarchat. Hilarion hatte sich zwar nie offen gegen den Krieg ausgesprochen, war aber stets sehr zurückhaltend geblieben und gehöre sicher nicht zur Fraktion der Kriegstreiber im Patriarchat, so Scholl.

Möglicherweise habe Hilarion sogar noch Glück gehabt, "dass er nicht im Gefängnis landet", sagte die Journalistin. In Russland werde man inzwischen auch für den leisesten Protest gegen den Krieg bereits verhaftet. Eine Freundin vor Ort habe ihr die Situation so beschrieben: "Wir leben alle in einem großen Gefängnis."

Viele Menschen in Russland hätten auch keine anderen Informationen als jene der staatlichen Medien und wollten vor allem ihre Ruhe. Sie wünschten, mit dem Krieg, der ja nicht einmal als solcher bezeichnet werden darf, nichts zu tun zu haben.
Wie es mit der Orthodoxen Kirche in der Ukraine weitergehen wird, wagte Prof. Nemeth nicht zu prognostizieren. Nachdem sich die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK) von der russischen Mutterkirche vor wenigen Tagen losgesagt hat, sei deren Status unklar. Eine große moskauhörige orthodoxe Kirche werde es in der Ukraine künftig aber wohl nicht mehr geben. Ob es auf der anderen Seite aber zu einer Vereinigung der UOK mit der selbstständigen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) kommen könnte, sei derzeit völlig ungewiss.

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  2. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  3. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  4. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  5. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  6. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  7. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  8. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  9. Papst-Vigil in Paris mit Jesus zugeschriebener "Heiliger Tunika"
  10. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  11. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  12. Leo XIV. besucht als erster Papst die wiederaufgebaute Notre-Dame
  13. Die Güte Gottes und die Freude am Glauben
  14. Zum Abschied einer Pastoralraumleiterin
  15. Der 11. September und die Notwendigkeit eines kämpferischen Christentums

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz