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„Eucharistische Kongresse sind ein wesentlicher Bestandteil der Ortskirchen und der Weltkirche“

30. Juni 2022 in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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„Ein Mangel an Glauben ist nicht nur ein Problem in der Welt. Es berührt auch die Jünger Christi, also kann es jeden von uns berühren.“ Predigt beim Eucharistischen Kongress in der polnischen Diözese Sandomierz. Von Kardinal Gerhard Müller


Sandomierz-Vatikan (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Predigt des emeritierten Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard L. Müller, anlässlich des 4. Eucharistischen Kongresses des Bistums Sandomierz (Polen) am 26. Juni 2022 in voller Länge in eigener Übersetzung (aus dem polnischen Original, siehe Link) und dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Publikation in voller Länge – Übersetzung © kath.net – Johannes 6: 26-59

„Das ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,51)

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Es ist mir eine große Freude, in Ihre Diözese Sandomierz zu kommen und mit Ihnen Gott für das Geschenk des Eucharistischen Kongresses zu danken.

Herzlich begrüße ich Ihren Hirten, Bischof Krzysztof Nitkiewicz, und danke ihm für die Einladung und die Organisation dieser Veranstaltung. Ich begrüße die Priester, die Ordensleute, die liturgischen Dienste und alle Gläubigen.

Nur wenige wissen, dass die Tradition der Eucharistischen Kongresse auf der Intuition, Frömmigkeit und Großzügigkeit einer weiblichen Laiin beruht: Marie-Marthe-Baptistine Tamisier. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als extreme jansenistische Ideen die Kirche von innen verwundeten und sie von außen vom militanten Atheismus angegriffen wurde, erkannte Tamisier, wie nötig es ist, die Anbetung der Eucharistie zu vertiefen. Mit der Unterstützung des Bischofs der Diözese Belley, François-Marie-Benjamin Richard de la Vergne, später Kardinal und Erzbischof von Paris, begann Marie-Marthe-Baptistine Tamisier, Wallfahrten zu Pilgerstätten zu organisieren, die mit dem Zeugnis der eucharistischen Wunder verbunden sind. Auf diese Weise entstand innerhalb weniger Jahre das Werk der Eucharistischen Kongresse, das Bischöfe, Priester und Laien zusammenführte. So wurde 1881 der erste Eucharistische Kongress in Lille organisiert.

Seitdem sind eucharistische Kongresse zu einem wesentlichen Bestandteil des Lebens der Ortskirchen und der Weltkirche geworden. Es ist das vierte derartige Ereignis in der Geschichte Ihrer Diözese. Soweit ich weiß, wurde der erste Kongress dieser Art vor genau neunzig Jahren gelebt. Das ist eine großartige Gelegenheit, sich die Wahrheit über die reale Gegenwart Christi in der Eucharistie näher zu bringen, den eucharistischen Anbetung in den Pfarrgemeinden zu erneuern und vor allem unseren persönlichen Glauben zu vertiefen, dessen wesentliches Element immer die Begegnung mit Christus und seiner Gnade durch die Pflege des sakramentalen Lebens sein muss.

Das Motto Ihres Kongresses sind die Worte Christi vom lebendigen Brot, die uns der Evangelist Johannes gegeben hat: „Das ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Diese Worte sind Teil der in der Synagoge von Kapernaum gehaltenen Brot-des-Lebens-Rede, die eigentlich ein Gespräch mit den in der Synagoge anwesenden Juden ist. Betrachten wir für einen Moment den breiteren Kontext der Worte Christi.

Der Auslöser für die Rede ist die Reaktion des Volkes auf das vorige Wunder der Brotvermehrung. Nichts ist grundlegender als das menschliche Bedürfnis, den Hunger zu stillen. Christus weiß das und zeigt deutlich, was die wahren Beweggründe der Menge sind: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ Hier beginnt der theologische Diskurs, zunächst mit der Ermahnung: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird!“.

Wir wissen wohl, von welcher Speise Christus spricht: von seinem Fleisch „für das Leben der Welt“. Um es jedoch zu akzeptieren, müssen Sie zuerst glauben, dass Jesus Christus Gottes gesalbter Retter ist. Eine sorgfältige Lektüre der eucharistischen Rede zeigt deutlich, dass der Aspekt des Glaubens eines der dominierenden Elemente ist. Dies ist die erste Säule der Lehre Jesu in der Synagoge von Kapernaum, in der er wiederholt die Notwendigkeit des Glaubens beschwört:

„Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. (…) wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt gesehen und doch glaubt ihr nicht. (…) Denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben hat und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag. (…) Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. (…) Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten.“

Das zweite wichtige Element der Rede Jesu ist die Frage nach der „wahren Speise“. Körperlicher Hunger und Durst sind Ausdruck des biologischen Bedürfnisses des Körpers, seine Vitalfunktionen zu unterstützen. Christus weist jedoch auf die Speise hin, die ewiges Leben bringt. In Anlehnung an die jüdische Homiletik wird die gegensätzliche Parallelität zwischen dem Manna und dem Himmelsbrot verwendet:

„Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. (…) Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6, 32-33.35).

So ist zu erkennen, dass über dem Symbol des Mannas, das ein Zeichen der Fürsorge Gottes für die Menschen ist, die durch die Wüste wandern, das „Brot des Lebens“ steht: Christus, der Herr! Darüber hinaus weist diese Passage auf die verwandelnde und „vergöttlichende“ Kraft des „Brot des Lebens“ hin, das der Same der Auferstehung des Menschen ist:

„Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben hat und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag. … Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag (…)So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. (…)Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ (siehe Joh 6, 39-40, 44, 50-51, 54).

Wir kehren also zum Motto Ihres Kongresses zurück: „Dies ist mein Fleisch für das Leben der Welt“. Es ist erwähnenswert, dass einige Bibelwissenschaftler diesen Ausdruck als die semitischste und „ursprünglichste“ Formel der eucharistischen Wandlung betrachten, die von den Kirchen Kleinasiens verwendet wird und mit der Johannes-Tradition verwandt ist. Diese Formel wäre also eine Spur der Erinnerung an das Letzte Abendmahl.

Das letzte Element, das mir wichtig erscheint, ist die doppelte Reaktion auf die Rede Jesu. Einerseits sehen wir das Verhalten der Juden in einem Wort mit eindeutiger Symbolbedeutung: „sie murrten“. Dieses Wort erinnert uns an die Erfahrung eines Mangels an Glauben und Vertrauen in Gott, der sein Volk nach seiner Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft in die Wüste führt. Wie die Vorfahren Israels gegen den Diener des Herrn Moses murrten, so wenden sich jetzt ihre Nachkommen gegen den Diener Jahwes, den von Gott gesalbten Messias. Sie sind empört über seine Menschlichkeit, was bedeutet, dass sie über das Geheimnis der Menschwerdung empört sind, weil mangelnder Glaube sie daran hindert, Jesus als „den Sohn Gottes“ zu sehen.

Andererseits verheimlichte Johannes den Skandal einiger Jünger nicht, die wie andere „murrten“: „Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören? … Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.“(Joh 6, 60.66). Damit weist der Evangelist auf das Problem des fehlenden Glaubens hin, das auch jene nicht ausspart, die Jesus am nächsten zu sein scheinen.

So lehrt uns das heutige Evangelium, dass der Glaube die erste und grundlegende Voraussetzung ist, ohne die der Mensch weder in Jesus den Messias, den Sohn Gottes und Erlöser, noch seine wirkliche Gegenwart im eucharistischen Brot erkennen kann. Zweitens betont es die enge Beziehung zwischen der Eucharistie und dem ewigen Leben der Gläubigen. Drittens macht es uns klar, dass ein Mangel an Glauben nicht nur ein Problem in der Welt ist. Es berührt auch die Jünger Christi, also kann es jeden von uns berühren.

Deshalb ist die Sorge um den Glauben und sein Wachstum eine große Herausforderung für jeden Christen. Und der Glaube entsteht, wie Paulus später sagen wird, aus dem Gehörten (Röm 10,17). Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium erinnert uns daran: „Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.“ (Joh 6,45). Dieses Hören auf Gott beschränkt sich nicht auf das Lesen der Heiligen Schrift, obwohl es zweifellos notwendig ist. Hören und Lernen ist Pflege des sakramentalen Lebens, es ist auch Kommen zu dem im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Christus, damit er in der Anbetung selbst zu uns in der Vertrautheit unseres Herzens spricht, es ist Treue zum individuellen und gemeinschaftlichen Gebet, es ist Sorge um der Stand der Gnade in uns.

Ich wünsche Ihnen allen, dass das Geheimnis der Menschwerdung und das Geheimnis des Kreuzes niemals zu einer Versuchung des Anstoßes werden, sondern dass sie in Ihnen eine Kraft sind, die die „murrende“ menschliche Weisheit überwindet. Möge Christus, der in der Eucharistie verborgen ist, Sie ständig segnen. Amen!

Link zu einem Artikel über diese Messfeier auf der Website des Bistums Sanomierz - Große Fotostrecke!

Foto Kardinal Müller während dieser Predigt (c) Bistum Sandomierz

FOTO - Kardinal Gerhard L. Müller bei der Eucharistischen Prozession beim Eucharistischen Kongress des Bistums Sandomierz/Polen

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Lesermeinungen

 bücherwurm 30. Juni 2022 

Ich war 2013 beim Eucharistischen Kongress in Köln gewesen,

und ich war hin und weg davon! Bis heute denke ich supergerne daran zurück! Leider ist seither deutschlandweit nichts entsprechendes mehr bei mir vorbeigekommen... leider auch kein Eucharistischer Kongress auf Diözesanebene, schaaaade! Wir verpulvern in der deutsch-katholischen Kirche all unsere Energie in fruchtlose Katholikentage, statt dass wir uns auf das Eigentliche konzentrieren.


2
 
 Einfach 30. Juni 2022 
 

Die authentische Lehre

Würden in Deutschland Sonntag für Sonntag Predigten mit dem Inhalt der wahren Lehre, nach dem Vorbild unseres Kardinals Gerhard Müller, verkündet, wo groß könnte der Glaube in Deutschland doch sein und werden ! Und wie voll könnte die Kirche sein ! Wie viele Menschen könnten gerettet werden !


3
 
 Ginsterbusch 30. Juni 2022 

Es gibt noch Hirten aus Deutschland

die völlig klar die Lehre verkünden.


3
 

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