Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wie Papst Franziskus mit den deutschen Bischöfen umgegangen ist, war eine Meisterleistung“
  2. Homosexualität: Gott-gewollt oder Darwinischer Irrtum?
  3. Zitat: „Explizit wie nie zuvor wird Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen als Bereicherung anerkannt
  4. Callboys, Nutten und Drogenjunkies - Wie wärs mit einem (Neben-)Job in der ‚deutschen Kirche‘?
  5. "Maßgebliche Kritiker sprechen offen von einem latenten Schisma"!
  6. Deutsche Bischöfe kehren angeschlagen aus Rom zurück
  7. Der verunglückte Rombesuch der deutschen Bischöfe
  8. Daniel Deckers wittert einen Eklat: Der Papst habe die deutschen Bischöfe „düpiert“
  9. Papst an Theologen: Kreative Treue zu Tradition bei Gender-Thema
  10. Roma locuta causa finita
  11. Bitte unterstützen Sie kath.net (nicht nur vor Weihnachten) via AmazonSmile-Programm
  12. Italien: "Singende Nonne" Suor Cristina ist aus ihrem Orden ausgetreten
  13. Nach dem Ad-limina-Besuch – Deutsche Bischöfe sitzen in der selbstgestellten Falle
  14. "Bei den einen ist das todesmutig, bei den anderen ganz und gar nicht"
  15. Hat Kardinal Marx dem Papst erneut den Rücktritt angeboten?

Polen: Katholische Universität Lublin eröffnet ein Studienzentrum in Untersuchungshaftanstalt

27. Oktober 2022 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Erfolgreiche Resozialisierung: bis zu 80% der Absolventen werden nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nicht mehr kriminell.


Lublin (kath.net/Polnische Bischofskonferenz) Die Katholische Universität Lublin Johannes Paul II. (KUL) hat ein Studienzentrum bei der Untersuchungshaftanstalt in Lublin feierlich eröffnet. - Dieses Zentrum kann allen Justizvollzugsanstalten auf der ganzen Welt als Vorbild dienen - betonte der Rektor der Katholischen Universität Lublin, Pfarrer Prof. Mirosław Kalinowski. - Das Wichtigste für uns ist es, an dem Ort, in dem wir gelandet sind, keine Zeit zu verlieren - unterstreichen die Inhaftierten - neue Studenten der Universität.

Die Eröffnung des akademischen Jahres in der Untersuchungshaft in Lublin begann mit einem Gottesdienst in der Kapelle der Haftanstalt. Danach folgte die Eröffnungsfeier des Studienzentrums von KUL. Diese wichtige Initiative der KUL soll den Strafgefangenen - wie in der zuvor mit dem Zentralvorstand des Strafvollzugsdienstes unterzeichneten Absichtserklärung festgehalten - eine Hochschulausbildung ermöglichen und ihnen wichtige ethische und humanistische Werte vermitteln.
- Das Studienzentrum der KUL wird nicht nur zu einem führenden Zentrum in Polen, sondern kann auch allen Justizvollzugsanstalten auf der ganzen Welt als Vorbild dienen. Hier werden Bildungsprojekte organisiert und Postgraduiertenstudien angeboten - sagte der Rektor der Katholischen Universität Lublin, Pfarrer Prof. Mirosław Kalinowski. Er fügte auch hinzu, dass der Erfolg dieses Vorhabens darin bestehe, dass KUL für die akademischen Prozeduren zuständig ist und der Strafvollzugsdienst für die Sicherheit des ganzen Verfahrens sorgt.

Briefe an die Teilnehmer der Feierlichkeiten richteten der päpstliche Almosenier Kardinal Konrad Krajewski und der Bildungs- und Wissenschaftsminister Przemysław Czarnek. Ersterer erinnerte an die Worte von Papst Franziskus, dass in Vollzugsanstalten "die bloße Schulderlösung nicht ausreicht, sondern es ist notwendig, den Strafgefangenen wirklich zu resozialisieren". - Fehlt die Resozialisierung, wird die Verbüßung einer Strafe lediglich auf ein Instrument der Züchtigung und der sozialen Vergeltung reduziert. Dies wiederum schadet sowohl der jeweiligen Person als auch der Gesellschaft - schrieb Kardinal Krajewski. Der Bildungsminister äußerte die Hoffnung, dass die kommenden Monate eine "Zeit der wissenschaftlichen Entwicklung des Zentrums und seiner außergewöhnlichen Leistungen" sein werden.

Die Eröffnung des Studienzentrums der KUL wurde auch von Vertretern des Strafvollzugsdienstes begrüßt. - Die Teilnehmer "stehen vor einer großen Chance. Alle unter Ihnen, die über die Zukunft nachdenken, jene unter Ihnen, die ihre Zukunft zum Besseren verändern wollen, jene unter Ihnen, die über bestimmte Ressourcen und Potenzial verfügen und vernünftig denken, bekommen eine große Chance. Ich appelliere an Sie, diese Chance zu ergreifen", sagte in seiner Ansprache an die Gefangenen Oberst Krzysztof Stefanowski, stellvertretender Generaldirektor des Strafvollzugsdienstes.

Der Staatssekretär im Ministerium für Staatsvermögen Jan Kanthak wies darauf hin, dass "Arbeit und Bildung die besten Mittel sind, um sich nach der Verbüßung der Strafe in einer neuen Realität gut zurechtzufinden". - Denn die Realität ändert sich jeden Tag, und wenn man diesen Ort verlässt, muss man sich anpassen, muss man diese Realität erkennen. Und diesem Ziel dienen Bildung und Arbeit am besten - argumentierte der Vizeminister und beglückwünschte die Inhaftierten zu ihrer Entscheidung, ein Studium an der Katholischen Universität Lublin aufzunehmen.

Während der Eröffnungsfeier des Studienzentrums der KUL in der Untersuchungshaftanstalt in Lublin, an der auch Bischof Adam Bap von der Erzdiözese Lublin und Frau Professor Susannah Heschel, die Tochter des Patrons des Heschel-Zentrums der KUL, teilnahmen, wurden die Studenten immatrikuliert. Das Studienzentrum der KUL konnte u.a. dank der Unterstützung des Justizministeriums, des Ministeriums für Staatsvermögen und des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft errichtet werden.
Unter den neuen Studenten der Katholischen Universität Lublin befanden sich mehrere Gefangene, die für das erste Jahr des in diesem Jahr eröffneten Studiengangs des zweiten Grades an der Fakultät Familienwissenschaften (Spezialisierung Soziokulturelle Animation) aufgenommen wurden. Diese Spezialisierung entspricht nicht nur den sozialwirtschaftlichen Bedürfnissen (am Arbeitsmarkt), sondern berücksichtigt auch die formalrechtliche Lage der Gefangenen. Eine weitere Spezialisierung, die sich einer großen Beliebtheit unter den Inhaftierten erfreut, ist die Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderungen.

- Für mich ist die Persönlichkeitsentwicklung sehr wichtig, denn ich möchte keine Zeit verschwenden an dem Ort, an dem ich bin. Ich möchte mich weiterentwickeln, und dies ist bereits mein drittes Studium, denn ich habe schon Jura sowie Wirtschaft und Management gelernt - sagte den Journalisten Maciej, der erzählte, dass die ersten Seminare in Familienwissenschaften denen in Freiheit ähneln. - Wir verwenden Unterrichtsmaterial, das uns von Dozenten, auch von Externen, zur Verfügung gestellt wird, und wir haben auch Zugang zur Bibliothek - sagte er.

- Das wird eine wichtige Erfahrung für mich sein, ich möchte etwas Neues in meinem Leben, wenn ich schon im Gefängnis bin. Ich möchte nicht, dass meine Zeit hier vergeudet wird - fügte Piotr hinzu, der in der Vergangenheit studiert hat, allerdings schon vor 30 Jahren.

Den Eröffnungsvortrag "Warum nach den tragischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts heute im Osten Europas wieder ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen ist" hielt Pfarrer Prof. Marcin Składanowski vom Institut für Theologische Wissenschaften. Für die musikalische Umrahmung der Feierlichkeiten sorgte der Chor der Katholischen Universität Lublin.

***

Seit 2013 haben fast 30 Personen, die eine Freiheitsstrafe in der Untersuchungshaft in Lublin verbüßen, ihr Studium an der KUL abgeschlossen. Dies ist ein einzigartiges Unterfangen, das mit seinen Resozialisierungsergebnissen bestätigt wird - bis zu 80% der Absolventen werden nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nicht mehr kriminell.

Die Vorbereitungen für die Eröffnung des Studienzentrums von KUL in der Untersuchungshaftanstalt in Lublin begannen im April dieses Jahres.

Die Aufnahme eines Studiums durch Personen, die eine Freiheitsstrafe verbüßen, wirkt sich - wie wissenschaftliche Untersuchungen und die Erfahrungen aus der Durchführung der akademischen Ausbildung in Haftanstalten und Gefängnissen zeigen - positiv auf die Häftlinge aus. Das Studieren stärkt ihr Würde- und Selbstwertgefühl, gibt ihnen das Gefühl, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, und vertieft ihr Wissen und ihre Kompetenzen, die sie nach dem Ende ihrer Strafe nutzen können. Das Lernen unter Leitung von Dozenten lehrt auch Einfühlungsvermögen, Kooperation und Verantwortung und fördert die Bereitschaft, begangene Straftaten wiedergutzumachen.

Foto: In einer Graduierungsfeier der Untersuchungshaftanstalt (c) Katholische Universität Lublin


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Hängematte 27. Oktober 2022 
 

Wunderbar.

Das ist wahre Resozialisierung.
Den Menschen wieder einen Sinn im Leben geben.
Dieses Beispiel sollte in vielen Ländern nachgeahmt werden.


1
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Warum Sie am 2. April 2023 am Abend in Krakau sein sollten!
  2. „Wie Papst Franziskus mit den deutschen Bischöfen umgegangen ist, war eine Meisterleistung“
  3. Bitte unterstützen Sie kath.net (nicht nur vor Weihnachten) via AmazonSmile-Programm
  4. Daniel Deckers wittert einen Eklat: Der Papst habe die deutschen Bischöfe „düpiert“
  5. Eine einmalige kath.net-Reise ans Ende der Welt - NORDKAP + LOFOTEN
  6. Deutsche Bischöfe kehren angeschlagen aus Rom zurück
  7. "Maßgebliche Kritiker sprechen offen von einem latenten Schisma"!
  8. Homosexualität: Gott-gewollt oder Darwinischer Irrtum?
  9. Italien: "Singende Nonne" Suor Cristina ist aus ihrem Orden ausgetreten
  10. Der verunglückte Rombesuch der deutschen Bischöfe
  11. Callboys, Nutten und Drogenjunkies - Wie wärs mit einem (Neben-)Job in der ‚deutschen Kirche‘?
  12. Nach dem Ad-limina-Besuch – Deutsche Bischöfe sitzen in der selbstgestellten Falle
  13. Roma locuta causa finita
  14. "Gott bewahre mich vor jemand, der nur EIN Büchlein gelesen hat" (Thomas von Aquin)
  15. Zitat: „Explizit wie nie zuvor wird Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen als Bereicherung anerkannt

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz