Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  2. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  3. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  4. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  7. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  8. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  9. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  10. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  11. Die Stunde der Heuchler
  12. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  13. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  14. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  15. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich

Papstworte an russische Jugendliche ziehen internationale Kritik nach sich

29. August 2023 in Weltkirche, 32 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Papst an katholische Jugendliche: „Sie sind die Erben des großen Russlands: des großen Russlands der Heiligen,... des großen Russlands von Peter I., Katharina II., … Sie sind die Erben der großen Mutter Russland, machen Sie weiter damit“ - UPDATES


Vatikan (kath.net) „Vergesst niemals das Erbe. Sie sind die Erben des großen Russlands: des großen Russlands der Heiligen, der Herrscher, des großen Russlands von Peter I., Katharina II., diesem Reich – groß, aufgeklärt, [einem Land] mit großer Kultur und großer Menschlichkeit. Geben Sie dieses Erbe niemals auf, Sie sind die Erben der großen Mutter Russland, machen Sie weiter damit. Und danke – danke für Ihre Art zu sein, für Ihre Art, Russen zu sein.“ Das sagte Papst Franziskus vor einigen Tagen auf italienisch in freier Rede am Schluss seiner Video-Telefonkonferenz mit russischen katholischen Jugendlichen (Teilnehmervideo siehe unten). Der päpstliche Videocall erfolgte im Rahmen eines Russischen Jugendtreffens in Sankt Petersburg, das eine Weiterführung des diesjährigen Weltjugendtags in Lissabon ist. Sowohl der Vatikan, sowie Vatican News in der russischen Ausgabe und das Erzbistum St. Petersburg veröffentlichten zwar den Wortlaut der vorgesehenen Ansprache des Papstes (siehe Link zum Vatikan; siehe Link zur Vatikan News in russischer Sprache;  siehe Link zur Website des Erzbistums St. Petersburg) - doch bei beiden Veröffentlichungen fehlen diese Schlussbemerkungen. Es scheint sich bei diesen Worten um freie, spontane Worte des Papstes zu handeln. Aus den Papstworten ragt das vielfach benutzte Wort "grande" [groß] heraus, das der Papst mit offenkundiger Betonung und Dringlichkeit verwendete. Der kurze Videoschwenk ins Publikum zeigt, dass dem Papst Applaus nicht nur von anwesenden Jugendlichen in der St. Petersburger Kirche gegeben wurde, sondern man sieht auch mehrere der anwesenden Bischöfe ihre Hände zum Beifallklatschen bewegen.

Diese Worte des Papstes stoßen allerdings international auch auf Kritik. „t-online“ zitiert den aus der Ukraine stammenden Journalisten Jaroslaw Trofimow (Pulitzerpreisträger) mit seinen Tweets auf dem Kurznachrichtendienst X (früher: Twitter): „Mitten in Russlands imperialem Krieg gegen die Ukraine rät Papst Franziskus den Russen, sich vom Erbe des 'großen Russlands von Peter I. und Katharina II.' inspirieren zu lassen“. Doch ausgerechnet „Peter I. hat die ukrainische Selbstbestimmung beschnitten, Katharina II. hat sie dann ganz abgeschafft und Millionen von freien Ukrainern zu Leibeigenen gemacht, gerade als die Leibeigenschaft woanders in Europa abgeschafft wurde. Katharina II. hat die Russifizierung vorangetrieben, indem sie die ukrainische Sprache und den Buchdruck verbot.“ Der Vatikan habe sich bisher nicht zu den Worten von Papst Franziskus geäußert, so „t-online“.


Gemäß der internationalen Nachrichtenagentur „Reuters“ habe die Ukraine diese Kommentare des Papstes inzwischen als „zutiefst bedauerlich“ bezeichnet. Der Sprecher des ukrainischen Aussenministeriums, Oleg Nikolenko, kommentierte auf seinem Facebookauftritt: „Durch solche imperialistische Propaganda, ‚spirituelle Grundnahrungsmittel‘ und ‚die Notwendigkeit, die große Mutter Russlands‘ zu retten, rechtfertigt der Kreml die Tötung tausenden von Ukrainerinnen und ukrainischer Frauen und die Zerstörung Hunderter ukrainischer Städte und Dörfer“. Weiter schrieb er, dass es „sehr bedauernswert“ sei, „dass russische Großstaatsideen, die tatsächlich die Ursache für die chronische Aggression Russlands sind, wissentlich oder unbewusst, aus dem Mund des Papstes kommen, dessen Mission es nach unserem Verständnis eigentlich wäre, der russischen Jugend die Augen für den katastrophalen Verlauf der aktuellen russischen Führung zu öffnen“.

Außerdem zitierte Reuters aus einer Erklärung des griechisch-katholischen ukrainischen Großerzbischofs Swjatoslaw Schewtschuk (Kiew). Der Großerzbischof hatte erläutert, dass die Worte des Papstes „großen Schmerz und große Sorge“ verursacht hätten. Er befürchte, diese Bemerkungen könnten „die neokolonialen Ambitionen des Aggressorlandes beflügeln“. Schewtschuk habe den Vatikan um eine Erklärung gebeten.

UPDATE: Stellungnahme des griechisch-katholischen ukrainischen Großerzbischofs Swjatoslaw Schewtschuk (Kiew) in voller Länge - Übersetzung (c) kath.net

ERKLÄRUNG SEINER SELIGKEIT SVIATOSLAV SHEVCHUK ZU DEN WORTEN DES RÖMISCHEN PONTIFEX WÄHREND DES TREFFENS MIT DER RUSSISCHEN JUGEND
Mit großem Bedauern und großer Sorge haben wir von den Worten erfahren, die der Heilige Vater Franziskus während des telematischen Treffens mit der russischen katholischen Jugend, das am 25. August per Videokonferenz in St. Petersburg stattfand, gesagt haben soll.

Wir gehen davon aus, dass die Worte Seiner Heiligkeit spontan gesprochen wurden, ohne den Anschein einer historischen Bewertung zu erwecken und ohne die Absicht, Russlands imperialistische Ambitionen zu unterstützen. Dennoch teilen wir die große Sorge, die seine Äußerungen bei Bischöfen, Klerikern, Mönchen und Gläubigen nicht nur unserer Kirche, sondern auch anderer christlicher Konfessionen sowie bei Vertretern anderer religiöser Konfessionen hervorgerufen haben. Gleichzeitig teilen wir auch die große Enttäuschung der ukrainischen Zivilgesellschaft nach diesen Worten.

Die Worte über das "große Russland Peters I., Katharinas II., jenes großen und aufgeklärten Reiches von großer Kultur und großer Menschlichkeit" verweisen auf das schlimmste Beispiel für Imperialismus und extremen russischen Nationalismus.

Wir befürchten, dass diese Worte von einigen als Ermutigung für genau diesen Nationalismus und Imperialismus verstanden werden, der die eigentliche Ursache für den Krieg in der Ukraine ist. Ein Krieg, der jeden Tag Tod und Zerstörung über unser Volk bringt.

Die von Seiner Heiligkeit angeführten Beispiele entsprechen eigentlich nicht seinem Lehramt über den Frieden. Stattdessen hat der Heilige Vater immer alle Arten von Imperialismus in der heutigen Welt angeprangert und vor der Gefahr des extremen Nationalismus gewarnt, indem er darauf hinwies, dass sie die eigentliche Ursache für den "dritten Weltkrieg in Stücken" sind.

Als Kirche möchten wir darauf hinweisen, dass im Zusammenhang mit der russischen Aggression gegen die Ukraine solche Äußerungen die neokolonialen Ambitionen des Aggressorlandes beflügeln, anstatt diese Art des "Russisch-Seins" anzuprangern und zu verurteilen.

Damit die Worte und Absichten des Heiligen Vaters nicht manipuliert werden, warten wir auf eine Erklärung des Heiligen Stuhls.

Die ukrainische griechisch-katholische Kirche verurteilt gemeinsam mit der gesamten Zivilgesellschaft in der Ukraine die Ideologie der "russischen Welt" und die gesamte kriminelle Art des "Russisch-Seins". Wir hoffen, dass unsere Stimme beim Heiligen Vater Gehör finden wird.

In wenigen Tagen werden die Bischöfe unserer Kirche in Rom zusammenkommen, um die jährliche Synode der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche zu feiern. Wir werden auch die Gelegenheit haben, Seine Heiligkeit zu treffen und ihm persönlich die Zweifel und den Schmerz des ukrainischen Volkes vorzutragen, im Vertrauen auf seine väterliche Sorge für unser Volk”.

UPDATE: Reaktion des Vatikanischen Presseamtes - Übersetzung (c) kath.net

Auf Fragen von Journalisten antwortete der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, wie folgt: "In seinen Grußworten, die er in den letzten Tagen an einige junge russische Katholiken gerichtet hat, wollte der Papst, wie aus dem Kontext, in dem er sie gesprochen hat, klar hervorgeht, die jungen Menschen dazu ermutigen, das Positive des großen kulturellen und geistigen Erbes Russlands zu bewahren und zu fördern, und sicherlich nicht, um imperialistische Logiken und Regierungspersönlichkeiten zu verherrlichen, die zitiert werden, um auf bestimmte historische Bezugsepochen hinzuweisen."

Ein Teilnehmervideo belegt die spontanen Worte des Papstes an junge russische Katholiken:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  11. Die Stunde der Heuchler
  12. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  13. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  14. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  15. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz