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R.I.P. Alexej Nawalny – ein Kämpfer für die Freiheit

19. Februar 2024 in Kommentar, 24 Lesermeinungen
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"Gebt nicht auf. Erinnert euch daran, dass wir eine unglaubliche Kraft haben. Alles, was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist die Untätigkeit der guten Menschen." - Die letzte Botschaft von Alexej Nawalny. Von Roland Noé.


Linz (kath.net/rn)
Es war ein öffentlicher Mord auf Raten: Alexej Nawalny, der wichtigste Regime-Gegner in Russland, wurde vergangenen Freitag in einem Gulag-Gefängnis in Sibirien ermordet. Die Lügen von Putin und Behauptungen, er habe bei einem „Spaziergang“ plötzlich sein Bewusstsein verloren und nicht mehr gerettet werden können, glaubt kein Mensch - außer ein paar Verwirrte von Links- und Rechtsaußen, die Putin weiterhin anhimmeln.

Bereits 2020 wollte Putin ihn ermorden lassen, doch Nawalny überlebte einen Giftanschlag und wurde in Berlin durch deutsche Mediziner gerettet. Was dann geschah, zeigte den großen Charakter des lebensfrohen und lustigen Mannes, vor dem Putin soviel Angst hatte. Nawalny lächelte oft, auch in größter Bedrängnis.

Gegenüber BILD-Reporter Filipp Piatov sagte er 2020, er habe nun etwas Gutes an der Korruption in Russland entdeckt: Denn wahrscheinlich habe er den Anschlag nur überlebt, weil die korrupten Kreml-Agenten den tödlichen Nowitschok-Giftstoff zuerst verdünnt und auf dem Schwarzmarkt vertickt hätten.

Was nach dem ersten Mordversuch passierte, grenzte an eine unfassbare Heldentat. Nawalny wollte wieder nach Russland und dort für die Freiheit kämpfen. So flog er mit seiner Frau zurück und wurde sofort verhaftet. Seine Kinder ließ Nawalny übrigens in Sicherheit in Deutschland - soviel zu den Verwirrten, die keinen Unterschied zwischen einer schlechten Regierung und einer Diktatur erkennen wollen. Alexej wollte nur gehen, weil seine Frau Julia, die er unendlich liebte, dem zustimmte. Beide wussten, dass dies seine Gefangenschaft und einen weiteren Mordversuch bedeuten konnte, denn Nawalny war für Putin gefährlich und auch bei den Russen sehr beliebt.


Dass Nawalny ermordet werden sollte, stand seit Jahren fest. Doch nach 2020 war es für Putin nicht mehr so einfach möglich, dies öffentlich durchzuführen. Jetzt sollte der Mord auf Raten kommen. Die Haftbedingungen im Gefängnis zeigen, was Putin vorhatte. Nawalny wurde vom Wärter achtmal pro Nacht geweckt und war seit 2022 in einem zwei mal drei Meter großen Betonzwinger. Die anderen Gefangenen durften mit ihm nicht reden. Kurz vor Weihnachten 2023 wurde er in das „Todeslager“ rund 1.900 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt verlegt, wo es im Winter bis zu minus vierzig Grad hat und man draußen binnen weniger Minuten sterben kann. Man wollte ihn umbringen.

Doch sein Willen zum Leben war bis zum Schluss voll da. Noch vergangenen Valentinstag schrieb er eine Botschaft an seine Frau Julia. „Ich fühle, dass du jede Sekunde in meiner Nähe bist, und ich liebe dich mehr und mehr.“

Sein Tod wurde öffentlich bekannt, als seine Frau bei der Münchner Sicherheitskonferenz reden sollte. Unter Tränen sagte sie: „Wenn es die Wahrheit ist, dass er tot ist, dann will ich, dass Putin und jeder aus seinem Stab dafür bestraft wird. Der Tag wird bald kommen, ich richte meine Worte an alle Menschen auf der Welt: Wir müssen zusammenkommen und gegen diese Leute kämpfen. Wir müssen gegen dieses Regime kämpfen. Putin persönlich muss verantwortlich gemacht werden für all die Verbrechen, die er in unseren Ländern begangen hat.“

Einer der Freunde von Nawalny war übrigens Kaiser-Enkel Karl Habsburg, der bei der Ausforschung der Hintermänner nach Nawalnsy Vergiftung mitgeholfen hat. „Für Putin war Nawalny ein Schreckgespenst“, erzählt Habsburg gegenüber „heute“, und bezeichnet die kommende Präsidentschaftswahl in Moskau nur als eine „Absegnung von Putins weiterer Tyrannei“.  Für Habsburg ist klar: „Wenn es Russland nicht gelingt, in einem großen Ausmaß Territorium der Ukraine zu annektieren, ist es eine politische Niederlage für Putin. Wenn wir in Russland was bewirken wollen, müssen wir jetzt die Ukraine unterstützen.“

Auf Europa sieht Habsburg düstere Zeichen zukommen, denn jeder, der Moskau genau zuhört, sieht, dass es Putin nicht nur um die Ostukraine oder die Krim sondern um die gesamte Ukraine geht. Auch den baltischen Staaten und der Republik Moldau drohe Gefahr.

In seiner letzten Doku vor der Verurteilung bei seinem Pseudoprozess sagte Nawalny damals laut „Bild“ im Zusammenhang mit seinem möglichen Tod: „Hört zu, ich muss euch etwas klarmachen. Ihr dürft nicht aufgeben. Wenn sie mich töten, heißt das, dass wir in diesem Moment ungewöhnlich stark sind. Wir müssen diese Stärke nutzen. Gebt nicht auf. Erinnert euch daran, dass wir eine unglaubliche Kraft haben. Alles, was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist die Untätigkeit der guten Menschen. Es gibt also keinen Grund zur Untätigkeit.“

Nawalny, ein ehemaliger Atheist, war übrigens gläubiger Christ und ist vielleicht ein zukünftiger Heiliger. Bei seiner Gerichtsverhandlung in Moskau zitierte er aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums: „Selig sind, die hungert und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden“.  Der Glaube helfe ihm in seiner Tätigkeit, „weil alles viel, viel einfacher wird“. „Ich grüble weniger, ich habe weniger Dilemmas in meinem Leben – denn es gibt da so ein Buch, das mehr oder weniger genau beschreibt, was man in welcher Situation zu tun hat“, wird er im „Spiegel“ zitiert. Nach seiner Verurteilung sagte Nawalny: „Viel besser ist es, ein freier Mann Gottes zu sein, als ein Putin-Kriecher, den die Teufel in der Hölle braten werden.“


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