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„In der Wüste wirst du du selbst – Von der Versuchung zur Verwandlung“

vor 2 Stunden in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Am Beginn der Fastenzeit führt uns die Kirche nicht in Jubel und Festlichkeit, sondern in die Stille der Wüste.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net) Predigt zum 1. Fastensonntag (Mt 4,1–11/ Lk 4,1–13)

Liebe Schwestern und Brüder, 
am Beginn der Fastenzeit führt uns die Kirche nicht in Jubel und Festlichkeit, sondern in die Stille der Wüste. Das Evangelium sagt mit schlichter Klarheit: „Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt.“

Das ist bemerkenswert. Nicht ein Irrtum. Nicht ein Ausrutscher des Schicksals. Der Geist selbst führt ihn dorthin.

Und darin liegt ein tiefer Trost: Es gibt Wüstenzeiten im Leben, die keine Strafe sind. Zeiten der Trockenheit, der inneren Leere, der Unsicherheit. Zeiten, in denen wir meinen, Gott sei fern – und doch ist er uns gerade dort näher, als wir denken. Gott führt nicht in die Wüste, um uns zu quälen, sondern um etwas zu klären. Um uns zu befreien.

In der Heiligen Schrift ist die Wüste nie nur ein Ort des Mangels. Sie ist ein Ort der Freiheit, der Entscheidung, des Neuanfangs. Israel lernte dort das Vertrauen. Und Jesus beginnt genau dort seinen öffentlichen Weg. Die Wüste ist der Ort, an dem sich entscheidet: Wovon lebe ich wirklich?

1. Die Frage nach der Identität
Dreimal wird Jesus versucht. Und dreimal beginnt es mit demselben Satz: „Wenn du Gottes Sohn bist …“ - Es geht nicht zuerst um Brot. Nicht zuerst um Macht. Nicht zuerst um ein spektakuläres Wunder. - Es geht um Identität. Wer bist du?

Und das ist auch unsere Frage: Bin ich nur das, was ich leiste? Bin ich nur so viel wert wie mein Erfolg? Bin ich nur dann geliebt, wenn ich funktioniere?

Die Versuchung beginnt dort, wo unser Vertrauen angegriffen wird. Wo eine leise Stimme sagt: „Du bist nicht genug.“

2. Brot aus Steinen – Du bist dein Hunger?
Die erste Versuchung lautet: „Sag, dass diese Steine zu Brot werden.“ Die alte Lüge dahinter ist schlicht: Du bist dein Bedürfnis. Du bist dein Hunger. Du bist das, was du konsumierst.

Jesus antwortet mit der Schrift: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Er lebt aus einer tieferen Quelle. Er lebt aus der Beziehung zum Vater.

Der heilige Augustinus von Hippo weiß aus eigener Erfahrung, wenn von unserem unruhigen, hungrigen und durstigen Herzen schreibt, das erst in Gott zur Ruhe kommt.

Das ist die Wahrheit über uns: Wir hungern – ja. Aber wir hungern tiefer als nach Brot. Wir hungern nach Sinn, nach Liebe, nach Gott.

Wie befreiend ist das! Wir sind mehr als unsere Mängel. Mehr als unsere Schwächen. Mehr als das, was uns fehlt.


3. Der Sprung vom Tempel – Du bist, was du beweisen kannst?
Die zweite Versuchung ist subtiler: „Stürz dich hinab! Gott wird dich retten.“ Die Lüge lautet: Du bist, was du beweisen kannst. Mach Eindruck. Sei spektakulär. Auch im Glauben ist diese Versuchung real. Wir wünschen uns sichtbare Zeichen. Eindeutige Sicherheiten. Gott soll sich zeigen – am besten sofort.

Doch Jesus antwortet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Glaube ist kein Experiment. Glaube ist Vertrauen – auch im Dunkeln.

Der heilige Johannes Chrysostomos sagt über diese Szene: „Christus besiegt den Versucher nicht durch Wunder, sondern durch Geduld und Gehorsam.“ Nicht das Spektakuläre ist stark. Sondern die Treue.

4. Die Reiche der Welt – Du bist, was du besitzt?
Die dritte Versuchung: „All das gebe ich dir.“ Die Lüge ist: Du bist, was du besitzt. Du bist, was du kontrollierst. Du bist, was du beherrschst. Wie modern klingt das! Erfolg, Einfluss, Reichweite – das scheint Bedeutung zu verleihen.

Jesus aber wählt nicht den schnellen Weg der Macht. Er sagt: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“

Nicht Besitz macht uns lebendig. Sondern Beziehung. Nicht Macht erfüllt uns. Sondern Gott.

5. Christus – der neue Adam
Die Kirche hat von Anfang an verstanden: Hier geschieht mehr als ein persönlicher Kampf.

Wo Adam im Paradies dem Misstrauen nachgab, bleibt Christus in der Wüste dem Vater treu. Wo der erste Mensch zugreifen wollte, vertraut der neue Adam. - In Christus wird das Menschsein neu.

Und das betrifft uns unmittelbar. Unsere Wüsten sind real: Krankheit. Überforderung. Zweifel. Leise Selbstanklagen: „Du müsstest mehr aus dir machen.“ „Du bist nicht ausreichend.“ „Du bist nicht liebenswert genug.“

Doch erinnern wir uns: Noch bevor Jesus ein Wunder wirkt, hört er bei seiner Taufe:
„Du bist mein geliebter Sohn.“ Aus dieser Zusage lebt er. Nicht aus Applaus. Nicht aus Erfolg. Sondern aus der Liebe des Vaters. - Und diese Zusage gilt auch uns. In der Taufe wurde auch über uns gesprochen: Du bist mein geliebtes Kind.

6. Das Wort ist dir nahe
Auffällig ist: Jesus diskutiert nicht lange. Er verhandelt nicht mit der Versuchung. Er antwortet mit dem Wort Gottes. Dieses „Wort“ ist kein kalter Buchstabe. Es ist Halt. Es ist Licht. Es ist Kraft. Paulus sagt: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen“ (Röm 10,8).

Vielleicht ist diese Fastenzeit eine Einladung für uns alle, ein solches Wort neu ins Herz zu nehmen.
Ein Wort gegen die Angst. Ein Wort gegen den Zweifel. Ein Wort, das uns erinnert, wer wir sind: 
„Fürchte dich nicht, du bist mein“ (Jes 43,1). „Niemand wird dich meiner Hand entreißen“ (Joh 10,28).

7. Von der Versuchung zur Verwandlung
Am Ende heißt es: „Der Teufel ließ für eine gewisse Zeit von ihm ab“ (Lk 4,13). Der Kampf ist nicht endgültig vorbei. Aber die Richtung ist entschieden.

Jesus geht seinen Weg für uns – nicht als Übermensch, sondern als treuer Sohn.

Und darin liegt unsere Hoffnung:  Wir müssen keine Helden sein. Wir müssen nicht perfekt sein. Wir dürfen lernen zu vertrauen.

Der heilige Antonius der Große sagte einmal: „Niemand wird ohne Versuchung in das Himmelreich eingehen. Nimm die Versuchung weg – und niemand wird gerettet.“ Nicht weil Gott die Versuchung will – sondern weil im Durchstehen der Versuchung unser Herz gereinigt wird. In der Wüste wird das Unwahre abgelegt. Das Wahre tritt hervor.

Die Wüste ist kein Ort des Scheiterns. Sie ist ein Ort der Neu-Ausrichtung. Ein Ort der Wahrheit.
Ein Ort der leise-wachsenden Freude.

Fastenzeit bedeutet nicht: Ich mache mich besser. - Fastenzeit bedeutet: Ich lasse mich tiefer lieben.
Und wenn die Stimme flüstert: „Du bist nicht genug“, dann antworten wir mit Christus:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Gott allein will ich dienen. Sein Wort ist mir nahe.

So wird aus der Versuchung Verwandlung. Aus der Wüste ein Weg. Und aus dem Kampf eine stille, tragende, österliche Freude. Amen.


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