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Papst: „Das Christentum wird nicht attraktiv durch Verwässern oder Abschwächen seiner Forderungen“

29. Mai 2026 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Leo betont, dass Menschen „in stetig wachsender Zahl um die Taufe bitten“ – Das starke Verlangen nach Spiritualität, zunehmend insbesondere „unter jungen Menschen“, verdient Aufmerksamkeit – Der Papsttext in voller Länge übersetzt!


Vatikan (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Ansprache von Papst Leo an die Teilnehmer der Vollversammlung des Dikasteriums für die Evangelisierung (Abteilung für Grundfragen der Evangelisierung in der Welt) in voller Länge in eigener Übersetzung: 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
der Friede sei mit euch!

Eure Eminenzen, Eure Exzellenzen,
liebe Brüder und Schwestern!

Es ist mir eine Freude, euch am Abschluss der Vollversammlung des Dikasteriums für die Evangelisierung – Sektion für Grundfragen der Evangelisierung in der Welt – zu begegnen. Dieser Anlass bietet mir die Gelegenheit, einige Gedanken zum Leben der Kirche zu teilen, insbesondere im Hinblick auf die vor uns liegenden Jahre.

Zunächst jedoch möchte ich meinen tiefsten Dank für die großartige Arbeit aussprechen, die das Dikasterium während des Jubiläumsjahres geleistet hat. Wir haben eine Zeit der Gnade erlebt, in der Millionen von Pilgern nach Rom strömten. Wie lautete die endgültige Zahl? Man spricht von 30 Millionen… [die Zahl wird genannt] Über 33 Millionen! Dieses Ereignis erforderte einen enormen organisatorischen Einsatz; dieser spiegelte sich wider in einem herzlichen Empfang auf verschiedensten Ebenen und vor allem in der Aufmerksamkeit, die der geistlichen Dimension gewidmet wurde – angesichts der Fülle an Gaben, die der Herr über die Gläubigen ausgegossen hat.

Die Tatsache, dass die Heilige Pforte auf die vier Papstbasiliken beschränkt war, hinderte die Ortskirchen keineswegs daran, das Heilige Jahr mit großer Intensität zu erleben. In der ganzen Welt wurde die Hoffnung zum zentralen Thema des christlichen Lebens. Die Betonung, die auf die „jüngste Schwester“ gelegt wurde – die, fast unbemerkt, die beiden älteren Schwestern, Glaube und Liebe, mit sich zieht –, muss weiterhin mit Intensität und Überzeugung verkündet und gelebt werden. Die Welt dürstet mehr denn je nach Hoffnung. Sie sehnt sich danach, in Frieden zu leben und in der Gewissheit, dass das Engagement für den Aufbau einer Stadt, die der Kinder Gottes würdig ist, nicht nur möglich, sondern real ist – weil es von einer Hoffnung durchdrungen ist, die wahre, keine illusorischen Ziele bietet. Lassen wir daher in dieser Verkündigung nicht nach – getragen von der Verheißung des Herrn Jesus, stets bei uns zu bleiben; diese Verheißung wird sichtbar im Zeugnis, das wir als seinem Wort treue Jünger abzulegen berufen sind (vgl. Mt 28,18–20).

Die Evangelisierung muss das grundlegende Motiv hinter jedem Handeln der Weltkirche wie auch der Ortsgemeinschaften bleiben; nur auf diese Weise wird der Glaube selbst in all seiner Schönheit immer wieder neu entdeckt und kann seine Glaubwürdigkeit vollumfänglich zum Ausdruck bringen. Die Verkündigung des Evangeliums, die Hoffnung schenkt, ist kein utopischer Entwurf; sie ist vielmehr ein Zeugnis, das Menschen anzieht, weil es die Berufung zur Liebe und zur Wahrheit offenbart.


Wir dürfen die Tatsache nicht unterschätzen, dass – insbesondere in den westlichen Ländern – die Glaubenskrise, zusammen mit anderen soziokulturellen Faktoren, zu einer weitverbreiteten religiösen Gleichgültigkeit geführt hat. Vielen erscheint der Glaube für ihr Leben nicht mehr relevant. Die dahinterliegende Gefahr – deren Tragweite nicht immer wahrgenommen wird – besteht darin, dass das eigentliche Wesen dessen, was den Menschen am tiefsten ausmacht – nämlich die Suche nach Sinn –, verloren gehen könnte. Die großen existenziellen Fragen bleiben unbeantwortet, während sich eine technologische Kultur ausbreitet, die angeblich jedes Bedürfnis stillen soll.

Selbst in diesem Kontext vermag die Begegnung mit Christus dem Leben der Menschen wieder vollen Sinn und Wert zu verleihen; und die Kirche entdeckt dabei die bleibende Relevanz jenes Auftrags neu, den sie vom auferstandenen Herrn empfangen hat. Niemand kann ihren Platz in dieser Sendung einnehmen – einer Sendung, die ebenso dringend wie notwendig ist, um ein verlässliches Fundament für die Zukunft der Menschheit zu sichern, damit diese eine Zukunft des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Geschwisterlichkeit sein möge.

Wie während des Konsistoriums im vergangenen Januar deutlich wurde, bleibt das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium von Papst Franziskus „ein bedeutender Bezugspunkt. Es führt nicht nur neue Inhalte ein, sondern rückt auch alles wieder auf das Kerygma als das Herzstück unserer christlichen und kirchlichen Identität hin aus“ (Brief an die Kardinäle, 22. April 2026). Ich lade Sie daher ein, sich im Rahmen Ihrer Arbeit auf allen Ebenen erneut mit Evangelii gaudium zu befassen, um eine Sendung zu fördern, die „christuszentriert und kerygmatisch ist ... und aus einer Begegnung mit Christus erwächst, die das Leben zu verwandeln vermag“ (ebd.).

Das starke Verlangen nach Spiritualität – das insbesondere unter jungen Menschen zunehmend an Boden gewinnt und während des Jugendjubiläums deutlich zutage trat – verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Die neue Generation verschließt sich dem Evangelium keineswegs; im Gegenteil: Viele möchten es – sobald sie es neu für sich entdeckt haben – näher kennenlernen, da sie spüren, dass in ihm das Geheimnis wahren Glücks verborgen liegt. Ich bin zuversichtlich, dass Ihr Dikasterium dieser Frage, die unsere Zeitgenossen mit wachsender Dringlichkeit stellen, besondere Beachtung schenkt – einer Frage, die nach einer glaubwürdigen und stimmigen Antwort verlangt. Die Evangelisierung gründet weder auf der Effizienz von Strukturen noch auf gesellschaftlicher Relevanz – und auch nicht auf der Zustimmung, die ihr womöglich zu einem bestimmten Zeitpunkt zuteilwird. Was vielmehr wesentlich bleibt, ist das Vertrauen auf die Führung des Heiligen Geistes sowie das Beschreiten jener Wege, die Er weist, um viele Menschen zu Christus zu führen – zu Seinem Wort, das rettet, und zu Seiner Liebe, die das Leben erneuert.

Heute muss sich die Evangelisierung insbesondere auch mit den veränderten Bedingungen und Dynamiken rund um die Weitergabe des Glaubens von einer Generation an die nächste auseinandersetzen. In einigen Teilen der Welt ist diese Weitergabe nahezu zum Erliegen gekommen; dies erfordert die Fähigkeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Die Ursachen für diese Situation sind wohlbekannt und vielfältig; das Ergebnis jedoch ist eine geistliche „Armut“ unter den jüngeren Generationen – ein Mangel an Motivation sowie an den Mitteln, um in völliger Freiheit jenes Engagement für den Glauben zu entwickeln, das dem Leben Sinn verleiht. Gott sei Dank gibt es weltweit zahlreiche und vielfältige Initiativen, durch die christliche Gemeinschaften, Verbände, Bewegungen und kirchliche Gruppen jungen Menschen begegnen, ihnen zuhören und den Dialog mit ihnen suchen. Das vorherrschende kulturelle Klima in mediengesättigten und konsumorientierten Gesellschaften schwächt die Fähigkeit, mit Geduld zu lernen und mit Einsatz, Beharrlichkeit sowie kritischem Verstand eine persönliche Suche nach der Wahrheit zu unternehmen. Jede Botschaft läuft Gefahr, lediglich als eine Meinung unter vielen wahrgenommen zu werden.

Die Weitergabe des Glaubens beinhaltet in diesem Kontext notwendigerweise die Begegnung mit Menschen und Gemeinschaften, die die Freude des christlichen Glaubens und die Stimmigkeit einer vom Evangelium inspirierten Lebensweise bezeugen. Sicherlich lässt sich das Christentum nicht dadurch attraktiv machen, dass man seine Inhalte verwässert oder seine Anforderungen abschwächt; vielmehr geschieht dies durch das demütige und mutige Zeugnis für „den Weg, die Wahrheit und das Leben“, das so viele Menschen bekehrt und geheiligt hat. Wie Benedikt XVI. feststellte: „Was wir in diesem Augenblick der Geschichte brauchen, sind Menschen, die durch einen erleuchteten und gelebten Glauben Gott in dieser Welt glaubwürdig machen. […] Wir brauchen Menschen, die ihren Blick fest auf Gott gerichtet halten und von Ihm wahre Menschlichkeit lernen. Wir brauchen Menschen, deren Verstand vom Licht Gottes erleuchtet ist und deren Herzen Gott öffnet, damit ihr Verstand zum Verstand anderer sprechen und ihre Herzen die Herzen anderer öffnen können. Nur durch Menschen, die von Gott berührt sind, kann Gott zu den Menschen zurückkehren“ (Benedikt: Europa in der Krise der Kulturen, Siena 2005, 63–64). Die Heiligkeit des Lebens bleibt daher der überzeugendste Ausdruck der Schönheit des christlichen Glaubens – einer Schönheit, die die Zeiten überdauert und jede Kultur anspricht.

Gerne möchte ich auch noch ein Wort an Sie richten, was die Katechese betrifft; ihr kommt im Leben der Kirche durch ihr Engagement für die Bildung und die Weitergabe des Glaubens eine entscheidende Rolle zu. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei den Katechumenen, die in stetig wachsender Zahl um die Taufe bitten. Der freudige Dienst der Gemeinschaft bei der Aufnahme und Begleitung von Katechumenen darf nicht mit der Feier des Sakraments enden. Die darauf folgende Aufgabe erfordert nicht weniger Verantwortung: nämlich die Schaffung eines Umfelds, in dem sich jene Erwartungen erfüllen, die sie dazu bewogen haben, sich Christus und seiner Kirche zuzuwenden. Die Pflicht, die durch die Taufe getroffene Glaubensentscheidung lebendig zu erhalten, bringt – insbesondere für die Pfarrgemeinden – die Notwendigkeit mit sich, beständig nach dem hohen Anspruch christlichen Lebens zu streben (vgl. Hl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 31); dies dient dazu sicherzustellen, dass die Neugetauften einen Raum für ein stimmiges Wachstum vorfinden – als Frucht zwischenmenschlicher Beziehungen, die in Liebe und gegenseitigem Dienst gelebt werden.

Eine ähnliche Fürsorge muss jenen Jungen und Mädchen zuteilwerden, die das Sakrament der Firmung empfangen. Ich ermutige all jene zahlreichen Initiativen, die sie auf ihrem weiteren Glaubensweg begleiten und ihr menschliches sowie christliches Wachstum fördern. Solche Initiativen erweisen sich dann als wahrhaft wirksam, wenn jedem Einzelnen von ihnen persönliche Aufmerksamkeit geschenkt wird – als Spiegelbild der einzigartigen und persönlichen Liebe des Herrn.

Liebe Freunde, ich danke euch für euren Dienst an meinem Amt und an der gesamten Kirche; indem ich euch der Jungfrau Maria – der vollkommenen Jüngerin und Missionarin des Evangeliums – anvertraue, begleite ich euch mit meinem Segen. Habt Dank!

Archivfoto: Papst Leo mit Jugendlichen (c) Vatican Media

 


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Lesermeinungen

 Versusdeum 31. Mai 2026 
 

Papst Leo ünernimmt 1:1 die Kritik von Pius:

"Sicherlich lässt sich das Christentum nicht dadurch attraktiv machen, dass man seine Inhalte verwässert oder seine Anforderungen abschwächt". Aber das ist doch genau die Entwicklung der letzten etwa 60 Jahre, die im faktischen Glaubensabfall ganzer regionaler Zweige der Kirche gipfelt, die schon lange vor sich hinverdorren und sich jetzt sogar selbst aktiv von der Kirche zu trennen drohen (häretische bis sogar offen schismatische / Exkommunikation belegte ultimative Forderungen an Gott im SyndWeg und durch die DBK / Bischofskonferenz)


1
 
 girsberg74 29. Mai 2026 
 

An die Adresse des Synodalen Wegs:

„Das Christentum wird nicht attraktiv durch Verwässern oder Abschwächen seiner Forderungen“

Besser kann es nicht gesagt werden !


6
 

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