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‚Mundus reconciliatus Ecclesia‘ – Die Sendung der Kirche in der Welt

vor 29 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV.: Das Leben zwischen Evangelium, Geschichte, sozialer Verantwortung und persönlicher Heiligkeit. Die Kirche teilt die Geschichte und die Verwundbarkeit der Menschen, ohne ihren Auftrag aus dem Evangelium aufzugeben. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,13-16).

Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz setzte Papst Leo XIV. seine Betrachtung über die Pastoralkonstitution Gaudium et spes fort und wandte sich dem vierten Kapitel des ersten Teils zu, das der Sendung der Kirche in der Welt von heute gewidmet ist. Ausgangspunkt war die Frage nach dem Verhältnis der Kirche zur Welt. Das Konzil erinnere zunächst daran, dass die Kirche nicht „über“ oder „neben“ der Welt stehe, sondern gleichsam in sie eingepflanzt sei. Leo XIV. griff dafür ein Wort des heiligen Augustinus auf: „Mundus reconciliatus Ecclesia“. Die Kirche sei eine mit Gott bereits versöhnte Welt. Als Pilger auf Erden teile sie mit der Welt sowohl deren Zerbrechlichkeit als auch deren Schönheit.

Wie der Sohn Gottes Mensch geworden sei, um der Welt das Leben zu geben und sie mit dem Vater zu versöhnen, so lebe die Kirche in der Welt als Zeichen der Menschwerdung Gottes. Sie solle dessen Plan sichtbar machen, alle Menschen zu seinen Kindern in einer einzigen großen Menschheitsfamilie zu machen. Deshalb gehe die Kirche ihren Weg durch die Geschichte mitten unter den Völkern und Kulturen. Gerade diese Verflechtung des Lebens mit den Völkern lasse sie nach den Worten Leos XIV. immer stärker erkennen, dass ihre Sendung eine geschichtliche Reichweite habe und eine Verantwortung dafür einschließe, „wie die sozialen Beziehungen geknüpft werden“. Damit griff der Papst zugleich eine Formulierung aus seiner Enzyklika Magnifica humanitas auf: „Diese lebendige Verbindung mit den Völkern lässt sie immer mehr erkennen, dass ihre Mission historische Tragweite hat und eine Verantwortung dafür beinhaltet, wie soziale Beziehungen gestaltet werden“.


Die erste Sendung der Kirche bestehe darin, den Menschen zu helfen, auf die tiefen Fragen des Lebens aufmerksam zu werden. Dazu gehörten die Fragen nach Ursprung und Ziel des Menschen ebenso wie die Fragen nach dem Sinn von Liebe und Leid. Dem stellte Leo XIV. die Gefahren einer auf Konsum ausgerichteten Lebensweise gegenüber. Die Logik des Profits um jeden Preis und die Manipulation von Informationen könnten einen unzulässigen Druck ausüben, damit Menschen sich einer Lebensform anpassten, die auf den Konsum materieller Güter ausgerichtet sei. Dem setzte der Papst ein Bild entgegen: „Unser Herz ist dafür geschaffen, nach oben zu schauen.“

Aus Gaudium et spes leitete Leo XIV. zugleich eine Verantwortung der Kirche für die Gestaltung der irdischen Stadt ab. Ihre Methoden und ihr Ziel seien jedoch nicht primär politischer Natur. Ihre Aufgabe bestehe vielmehr im Zeugnis des Glaubens und der Liebe sowie im Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit. Wer Christus anbete, den Gerechten, der für die Ungerechten gestorben sei, könne die Unterdrückung der Kleinen und Armen nicht hinnehmen. Ebenso wenig könne er jene ungerechten Strukturen akzeptieren, die Abhängigkeit und Ungerechtigkeit fortbestehen ließen. Die Soziallehre der Kirche gebe den Christen Orientierung für ihr Handeln. Dabei arbeiteten sie mit allen Menschen guten Willens am Gemeinwohl zusammen. Leo XIV. verwies auf die ausdrückliche Aussage des Konzils: „Die Kirche hat keinen dringlicheren Wunsch, als sich selbst im Dienst des Wohles aller frei entfalten zu können unter jeglicher Regierungsform, die die Grundrechte der Person und der Familie und die Erfordernisse des Gemeinwohls anerkennt“ (GS 42). Damit stellte der Papst die kirchliche Sendung nicht unter ein bestimmtes politisches System, sondern knüpfte ihre gesellschaftliche Tätigkeit an die Achtung der grundlegenden Rechte des Menschen und der Familie sowie an das Gemeinwohl.

Für die Wirksamkeit der dem Evangelium entsprechenden Sendung sei zugleich die persönliche Mitwirkung jedes Getauften erforderlich. Jeder Christ müsse mit der Gnade des Heiligen Geistes zusammenwirken, damit sein Glaube lebendig sei und sich in einem entsprechenden Lebenswandel ausdrücke. Gerade hier sah Leo XIV. einen Punkt, den das Konzil mit Nachdruck benannt habe: „Diese Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit“ (GS 43).

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Papst anschließend der Sendung der Laiengläubigen. Gaudium et spes weise auf ihre besondere Aufgabe hin. Kraft der Taufe seien die Laiengläubigen berufen, die Welt mit dem christlichen Geist und der Sicht des Evangeliums zu erfüllen. Die wichtigsten Orte dieses Handelns seien zweifellos die Familie und die Arbeit, doch erstrecke sich diese Aufgabe auf jeden Lebensbereich. Diese Tätigkeit könne nach der von Leo XIV. aufgegriffenen Perspektive des Konzils auch als priesterlich bezeichnet werden.

Die Kirche müsse zugleich aufmerksam verfolgen, was in der Gesellschaft geschehe und sich entwickle. Aufgabe des gesamten Volkes Gottes, besonders aber der Hirten und Theologen, sei es, in den Kulturen der Gegenwart zu unterscheiden, was Beachtung verdiene. Maßstab dieser Unterscheidung müssten immer das Wort Gottes und die Tradition der Kirche sein. Dafür bedürfe es eines ausgeglichenen Geistes, der von kulturellen Moden frei sei, die Welt positiv betrachten könne und zugleich fest darin bleibe, die Botschaft des Evangeliums in ihrer Ganzheit zu bewahren. In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an eine Aussage, die er bereits im Mai 2026 vor dem Dikasterium für die Evangelisierung getroffen hatte: „Das Christentum wird sicherlich nicht dadurch anziehend, dass man Inhalte verwässert und Anforderungen abschwächt, sondern indem man mit Mut und Demut ‚den Weg, die Wahrheit und das Leben‘ bezeugt, denn so viele Menschen hat dies bekehrt und geheiligt“ (an die Mitglieder des Dikasteriums für die Evangelisierung – Sektion für die grundlegenden Fragen der Evangelisierung in der Welt, 28. Mai 2026). Die kirchliche Auseinandersetzung mit der Welt könne demnach nicht darin bestehen, den Inhalt des Glaubens an wechselnde kulturelle Erwartungen anzupassen. Unterscheidung bedeute vielmehr, die Welt wahrzunehmen und zugleich am Maßstab des Wortes Gottes und der Tradition festzuhalten.

Zum Abschluss führte Leo XIV. die Sendung der Kirche auf ihr eigentliches Ziel zurück. Während sie ihren Weg durch die Geschichte gehe, habe sie nach Gaudium et spes „nur ein einziges Ziel: dass das Reich Gottes komme und das Heil der ganzen Menschheit verwirklicht werde“. Dieses Ziel strebe die Kirche vor allem durch persönliche Heiligkeit und brüderliche Liebe an. Dazu verwies der Papst auf Paul VI., der in Evangelii nuntiandi geschrieben habe: „Ohne diese Zeichen der Heiligkeit gelangt unser Wort nur schwer in die Herzen der Menschen unserer Zeit. Es läuft Gefahr, hohl und unfruchtbar zu sein“ (76). Die Verkündigung des Evangeliums könne deshalb nicht von der Heiligkeit derer getrennt werden, die es verkündeten und lebten.

Leo XIV. beendete seine Katechese mit dem Aufruf, sich dem Wirken des Heiligen Geistes fügsam zu zeigen, damit dieser helfe, in Heiligkeit und Liebe zu leben. So könne die Welt „glauben und hoffen“. Damit führte die Katechese die verschiedenen Dimensionen der kirchlichen Sendung auf einen gemeinsamen Mittelpunkt zurück: Die Kirche sei in der Geschichte gegenwärtig, teile das Leben der Menschen und wirke am Gemeinwohl mit; ihr eigentliches Ziel bleibe jedoch das Kommen des Reiches Gottes und das Heil der Menschheit.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Herzlich begrüße ich die Pilger deutscher Sprache, besonders die jungen Männer aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft, die an der Informationswoche der Päpstlichen Schweizergarde teilnehmen. Allen wünsche ich einen guten Aufenthalt hier in Rom. Möge der Herr euch segnen und euch immer beschützen.

Foto (c) Vatican Media

 


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