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Noch lange nicht zu Ende

3. Februar 2005 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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In Rom endet heute die Weihnachtszeit. Johannes Paul II. bleibt. So wie die Tauben, die ihn am Sonntag gar nicht mehr verlassen wollten. Ein Bericht von Paul Badde / Die Welt.


Rom (www.kath.net / welt)Maria und Josef wollten „ihr Opfer darbringen, wie das Gesetz des Herrn es vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“, hieß es am Mittwoch in allen katholischen Kirchen. Nach der Einlieferung des Papstes in die Gemelli-Klinik fühlten sich viele italienische Kollegen deshalb gleich an den Sonntag erinnert, als zwei junge Tauben Johannes Paul II. mittags beim Angelus-Gebet offensichtlich gar nicht mehr verlassen wollten und statt über den Petersplatz wieder zurück zu ihm in den Papstpalast flatterten. War das nicht ein Zeichen?

Lag ihr Rückflug vielleicht doch nicht nur an der klirrenden Kälte, die Rom so sehr im Griff hat, dass viele Römer und Römerinnen böse husten und krächzen. Waren die weißen Friedensvögel nicht Boten vom Ende des seit Jahren schwer kranken Mannes? Denn am Mittwoch ging das Evangelium nach den ersten Zeilen ja noch mit dem klassischen Sterbegesang der Kirche weiter, mit dem großen „Nunc Dimittis“, wo der greise Seher Simeon im Jerusalemer Tempel ruft: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel!“ War nun also nicht „der“ Tag gekommen?

Vom frühen Mittwochmorgen an bauten sich jedenfalls erste frierende Kamerateams aus aller Welt vor dem Petersdom auf; vor der Gemelli-Klinik sah es nicht anders aus. In der Klinik selbst hatte zu der Zeit der Papst jedoch schon wieder inzwischen mit Monsignore Stanislaus Dziwisz, seinem Privatsekretär, die Messe gefeiert – mit eben diesem Evangelium. Was er dazu sagte, wurde nicht überliefert. Das war anders über die Stunden davor.

Am Abend vorher wollte er nicht ins Krankenhaus, hieß es, auch als die Atembeschwerden nach dem Abendessen immer größer geworden waren. Einige Male hatte er „nein“ zu dem Vorschlag gesagt. Zu keiner Zeit war er selbst über sich beunruhigt. „Betet und bleibt ruhig“, habe er noch wiederholt, als kurz vor elf die Fenster der obersten Etage des Petersplatzes plötzlich wieder alarmierend hell aufleuchteten, wo mittlerweile sonst um diese Zeit die Lampen erlöschen. Ob nun eher die Ärzte oder die Prälaten um ihn herum der therapeutischen Wirkung der Gebete nicht so trauen wie er selbst, wird nicht zu erfahren sein.

„Der grippale Infekt, an dem der Heilige Vater seit drei Tagen leidet, hat sich an diesem Abend durch eine akute Luftröhrenentzündung und eine Kehlkopfverengung kompliziert“, hieß es nur knapp in einem ersten Kommuniqué, das der Vatikan noch in der Nacht heraus gegeben hatte. „Aus diesem Grund wurde eine Noteinlieferung in die Poliklinik Agostino Gemelli beschlossen. Sie erfolgte am 1. Februar um 22.50 Uhr.“

Der Heilige Vater sei in „sein“ Zimmer im zehnten Stock der Klinik aufgenommen worden (das seit dem auf ihn 1981 verübten Attentat dort für ihn reserviert ist) und nicht auf der Intensivstation, präzisierte Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls mit der professionellen Gelassenheit des studierten Mediziners. Zu keiner Zeit habe der Pontifex das Bewusstsein verloren.

Die medizinische Versorgung erfolge unter Leitung des renommierten Professors Proietti. In der Nacht habe der Papst schon wieder einige Stunden schlafen können. Am Morgen waren die Herz-, Lungen- und Stoffwechselwerte von Johannes Paul II. „im Normalbereich“, hieß es in einem zweiten Kommuniqué. Die Erklärung wurde gefolgt von einem anderen gut siebenmal so langen „Bollettino“ desselben Tages über fünf neue Ernennungen und Rücktritte von Bischöfen der Weltkirche. Business as usual.

Der Papst werde einige Tage in der Klinik bleiben und dann zurück in den Vatikan kommen, ließ der Sprecher noch wissen. Es gebe weder Grund zum Alarm, noch für Abänderungen seiner Vorhaben. Unter dem Fenster der Klinik sang ein Chor australischer Jugendlicher dem Papst ein Lied der Popgruppe „Oasis“. Präsident Ciampi übermittelte schon am Morgen dem Rekonvaleszenten am Telefon die Genesungswünsche der Italiener. Indessen glitzert und leuchtet der Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz wie nie zuvor in der eiskalten Wintersonne. Morgen wird er umgelegt, und die große Krippe endlich eingepackt. Die Weihnachtszeit ist heute in Rom zu Ende; der Papst noch lange nicht.

Foto: (c) Agenzia SIR



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