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Brasilien: 2. Weltsozialforum (Fòrum Social Mundial) eröffnet

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Bischof von P. Alegre: "Lösungen, nicht bloß Proteste gefragt"


Porto Alegre (kath.net/Fides)
Das Forum wird bis zum kommenden 5. Februar tagen. Die enorme Anzahl von Teilnehmern (es werden 50.000 Personen erwartet) stellt den Erfolg dieser Veranstaltung unter Beweis, die als „Gegenveranstaltung zu Davos", dem schweizer Skiort, in dem sich die Vertreter der Industrieländer zu einem Wirtschaftsgipfel versammelten, entstanden war. Letztes Jahr hatten rund 16.000 Personen am ersten Fòrum Social Mundial teilgenommen.

Dr. Vanessa Munhoz, die bereits im letzten Jahr als Delegierte eines Kulturvereins mit Sitz in Sao Paolo teilgenommen hatte, erklärt gegenüber Fides: „Letztes Jahr haben die Teilnehmer erste Kontakte untereinander aufgenommen und versucht, gemeinsame Projekte in die Wege zu leiten. Mit dieser neuen Ausgabe werden sich die Beziehungen festigen können."

Die Organisatoren wollen mit dem Motto „Eine andere Welt ist möglich" Wünsche und Sorgen zum Ausdruck bringen, die besonders in jüngster Zeit entstanden sind: vom G8-Gipfel von Genua im Juli 2001 über die anhaltenden Proteste der argentinischen Bevölkerung bis hin zum militärischen Konflikt im Nahen Osten. Damit „eine neue Welt entstehen kann", sollen Debatten zu umfassenden Themen stattfinden: die Themenbereiche reichen vom Problem der genetisch manipulierten Lebensmittel bis hin zu Konferenzen zum Sozialismus als "Alternative der Hoffnung".

Bemerkenswert sind die Zahlen zum Forum: 20.000 Delegierte wurden angemeldet; 3.500 Personen aus Gewerkschaften, Universitäten, Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt (Kenia, Philippinen, Indien, Peru, Italien, Mexiko, Vereinigte Staaten, Frankreich, Belgien, … waren an der Organisation beteiligt. Die Tagungsarbeiten sind nach „Themenbereichen" aufgeteilt, mit denen man sich im Rahmen von Kursen, Konferenzen, Diskussionsrunden und Vorträgen befaßt. Allein die Nichtregierungsorganisationen werden 600 Kurse veranstalten. Auf dem Programm stehen auch mehrere Protestveranstaltungen, für die bereits Datum, Zeit, Ort und Ziele festgelegt wurden.

Es soll auch ein Weltsozialforum für Kinder geben, an dem 2.000 Kinder teilnehmen werden. Auf dem Programm stehen Theater- und Zirkusaufführungen und andere Veranstaltungen. Die für die Veranstaltungen für die kleinen Teilnehmer verantwortliche Valéria Viana, erklärt: „Wenn wir an eine andere Welt für die Zukunft denken, dürfen wir die Kinder nicht ausschließen".

Auch die Zahl der jugendlichen Teilnehmer, die im vergangenen Jahr bei 3.500 lag, ist in diesem Jahr auf 10.000 angestiegen. Für sie steht ein Jugendzeltlager in der Praça da Harmonia im Zentrum von Porto Alegre zur Verfügung . Hier werden parallel zum Forum Veranstaltungen stattfinden, die sich mit der Rolle der Jugendlichen beim Aufbau einer „neuen Welt" befassen.

Erzbischof Dadeus Grings von Porto Alegre ist gleichsam optimistisch und besorgt. Wie er gegenüber Fides erklärt ist das Forum seiner Ansicht nach ein „Ort des Dialogs über aktuelle Probleme", weshalb er es für seine Erzdiözese als Privileg betrachtet „Ort der Öffnung für neue Ideen zu sein". Doch Erzbischof Grings hob auch die Notwendigkeit einer „Globalisierung der Solidarität", wie diese auch vom Papst gewünscht wird. Er wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass viel das Forum nur als Gelegenheit zum Protest betrachten und betonte, dass das Forum „über die ‚no-global‘-Bewegung hinausgehe". „Es sind Lösungen gefragt, nicht Probleme", so der Erzbischof, „auch wenn dieses Ereignis starken ideologischen Charakter hat, da der Dialog nicht unterbrochen werden. Wir brauchen Geduld".

In einer Botschaft an die Einwohner von Porto Alegre bereitete der Erzbischof die Gläubigen auf das Ereignis vor: „Das Forum", so heißt es in der Botschaft, „wird versuchen, gute Lösungen für die heutigen Probleme zu finden. Es verdient deshalb unsere gemeinsame Unterstützung und Anstrengung". In diesem Sinn gebe es keinen Anlaß zu „Sorge oder Vorurteilen", weshalb man sich auch „auf die Soziallehre der Kirche als Betrag zur Suche nach neuen Perspektiven für unsere Zeit berufen sollte. Diese stellt die Person in den Mittelpunkt aller Interessen. Und macht aus der gegenseitigen Hilfe das Schlüsselprinzip für die Lösung sozialer Probleme."

Der Erzbischof erinnert auch daran, dass „das menschliche Leben sich weder auf die wirtschaftliche noch auf die soziale Dimension" reduzieren lasse. „Das menschliche Wesen zeichnet sich durch eine unveräußerliche persönliche Würde aus. Es kann nicht auf einen Zahnrad im sozialen Getriebe reduziert werden", so Erzbischof Grings. Deshalb müsse auch die spirituelle Dimension berücksichtigt werden, damit „der Mensch nicht auf eine weltliche Dimension beschränkt und somit mit anderen Lebewesen gleichgestellt wird, denen die Vernunft fehlt. Ohne Gott fühlt sich der Mensch verlassen und entfremdet".

Die katholische Kirche nimmt mit einer Gruppe von 10 Delegierten der Brasilianischen Bischofskonferenz offiziell am Forum teil. Die aus Bischöfen und Beratern bestehende Gruppe wird vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Jayme Chemello geleitet. Es sind bereits offizielle Ansprachen zu sozialen und wirtschaftlichen Fragen, zum interreligiösen Dialog und zur Rolle der Kirche bei der Friedensarbeit vorgesehen. Auch der brasilianische Caritasverband wird mit 18 Delegierten beim Forum vertreten sein und Debatten zu drei verschiedenen Themen anbieten: nämlich solidarische Volkswirtschaft, Auslandsverschuldung und Sozialpolitik. Die Caritas Sao Paolo wird ein Projekt mit dem Namen „Der Luxus des Abfalls" vorstellen, dass die Beteiligung armer Bevölkerungsteile an Recycling-Programmen für Abfallprodukte (Papier, Glas, usw.) vorsieht.

Am Forum werden zahlreiche rennomierte Persönlichkeiten teilnehmen: Perez Esquivel (Argentinien), Friedensnobelpreisträger 1980; Dita Sari (Indonesien) Menschenrechtskämpferin; José Saramago (Portugal) Schriftsteller; Noam Chomsky (USA) Professor am MIT; Rigoberta Menchu (Guatemala), Friedensnobelpreisträgerin 1992; Tariq Ali (Pakistan), in Pakistan tätiger Journalist und Bürgerrechtler.



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