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Orthodoxes Konzil berät über Autonomie von Kirchen

23. Juni 2016 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Pressesprecher des Patriarchats von Konstantinopel erläutert vor Journalisten auch Problem der Diaspora - Einrichtung von Bischofskonferenzen wichtiger Zwischenschritt zu einer endgültigen kirchenrechtlichen Regelung


Athen (kath.net/KAP) Am dritten Arbeitstag des orthodoxen Konzils auf Kreta steht eine Beschlussvorlage zur Autonomie einer Landeskirche und den Methoden ihrer Erklärung auf der Tagesordnung. Bei der "Autonomie" geht es um die begrenzte Eigenständigkeit einer Kirche innerhalb ihrer Mutterkirche. So sind etwa die Kirchen von Estland und Finnland "autonome" Kirchen innerhalb des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das brisantere Thema der "Autokephalie", also der vollständigen Eigenständigkeit einer Kirche, steht dagegen nicht auf der Tagesordnung des Konzils, weil dies u.a. den Kirchenkonflikt in der Ukraine betreffen würde.

Über eine entsprechende Vorlage konnte während der Vorbereitung kein Konsens erzielt werden. Während dabei über das Verfahren als solches weitgehendes Einvernehmen herrschte, konnte noch keine Einigung über den Modus der Unterzeichnung einer Autokephalie-Erklärung erreicht werden. In der Ukraine, wo es drei orthodoxe Kirchen gibt, wird bisher nur die zum Moskauer Patriarchat gehörende von den 14 orthodoxen Kirchen anerkannt. Diese Kirche ist autonom, aber nicht autokephal.

Am Dienstag hatten drei Arbeitssitzungen des Konzils stattgefunden. Dabei ging es hauptsächlich um die Ordnung der Zuständigkeiten in der sogenannten Diaspora in Westeuropa, Nordamerika und Australien. Der Beschlussentwurf enthält zur offiziellen Festschreibung die bereits 2009 von den Vorstehern der 14 orthodoxen Kirchen getroffene Regelung, die unter anderem regionale orthodoxe Bischofskonferenzen einrichtete - wie etwa in Österreich - und zunächst nur vorläufigen Charakter hat. Diese hat sich nach verbreiteter Einschätzung bewährt.

Der Pressesprecher des Patriarchats von Konstantinopel, Erzdiakon John Chryssavgis, erläuterte vor Journalisten in Kolymbari, die Einrichtung von Bischofskonferenzen sei ein wichtiger Zwischenschritt zu einer endgültigen kirchenrechtlichen Regelung. Eigentlich sei es eine "anomale Situation", dass in einer Region oder Stadt Diözesen oder Gemeinden mehrerer orthodoxer Kirchen existierten, obwohl sich die Orthodoxie als eine gemeinsame Kirche verstehe.


Der Pressesprecher des Konzils, Erzbischof Job von Telmessos, erklärte, die Diskussion über das Thema sei sehr lebhaft gewesen. Es sei noch nicht abgeschlossen. Wie aus Teilnehmerkreisen weiter zu erfahren war, meinten die einen Redner, dass sich die Bischofskonferenzen gut bewährt hätten. Andere wollen allerdings wie bisher für jede Mutterkirche in der Diaspora eigenständige, für ihre Leute allein zuständige Bischöfe. Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel will seine prinzipielle Alleinzuständigkeit für die Diaspora auch künftig nicht aufgeben.

Erzbischof Chrysostomos von Zypern forderte mehr Gemeinsamkeit in der orthodoxen Diaspora. Gerade dort müssten die anderen Christen sehen, dass die Orthodoxen in erster Linie orthodox und dann erst Griechen, Russen oder Araber seien. Die Serben schlugen vor, das Thema auf die nächste Session des Konzils zu vertagen, da die beiden großen russischen und arabisch-orthodoxen Diaspora-Kirchen diesmal nicht vertreten seien. Auch Anastasios von Albanien riet zu Behutsamkeit.

Chryssavgis und Vertreter anderer Kirchen hoben den Stellenwert des ersten beratenen Dokuments über "Die Mission der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt" hervor. Es betone, dass sich die orthodoxe Kirche zu anstehenden weltweiten Problemen wie Armut, Klimawandel, Diskriminierung und Menschenrechten zu Wort melden und dabei neue Antworten finden müsse, anstatt immer nur die alten zu wiederholen. Erforderlich seien "prophetische, inspirierende, aber auch tröstende Worte", so der Sprecher.

Der Text besteht aus fünf kurzen Abschnitten mit den Überschriften "Die Würde der menschlichen Person", "Freiheit und Verantwortung", "Frieden und Gerechtigkeit", "Frieden und Ablehnung des Krieges" sowie "Die Haltung der Kirche gegenüber Diskriminierung".

Mehr als 320 Journalisten akkreditiert

Wie das Konzilssekretariat am Mittwoch mitteilte, sind mehr als 320 Journalisten von 138 Medien aus 25 Ländern akkreditiert. Wie aus den mittlerweile vollständig veröffentlichten Listen der Delegationen hervorgeht, werden die zehn teilnehmenden orthodoxen Kirchen durch ihre Vorsteher und 156 weitere Bischöfe vertreten. Die großen Kirchen haben maximal 25 Vertreter, die kleineren sind mit allen ihren Bischöfen anwesend.

Kleinste Delegation ist die der orthodoxen Kirche der "Tschechischen Länder und der Slowakei". Sie ist mit drei Delegierten vertreten, Metropolit Erzbischof Rastislav Gont von Presov und zwei weiteren Bischöfen.

Auf der Tagesordnung des Konzils stehen nicht nur die sechs vorbereiteten Entwürfe für konziliare Dokumente, sondern auch eine "Botschaft an die Welt". Diese Botschaft war von einer eigenen Kommission, die ab 13. Juni unter dem Vorsitz des Pariser Metropoliten Emmanuel Adamakis auf Kreta tagte, entworfen worden. Der Entwurf wurde bereits am vergangenen Freitag bei der "Kleinen Synaxis" diskutiert.

Neue Konzils-Zählung angestrebt

Nach Angaben der orthodoxen Website "Pravoslavje" werden in dem Entwurf Fragen der sakramentalen Einheit der orthodoxen Kirche, die Bedeutung der Synodalität, aber auch die Tradition der Theologie der Kirchenväter (Patristik), die Probleme der wiederverheirateten Geschiedenen und der Eheschließungen mit nichtorthodoxen Christen behandelt.

Der vor allem von griechischen und serbischen Theologen erstellte Entwurf enthält laut "Pravoslavje" aber auch bemerkenswerte Feststellungen: So werde das derzeitige Konzil als eine "vorbereitende Versammlung" für weitere Konzilien bezeichnet, die Fragen, die einzelne Kirchen jetzt an der Teilnahme gehindert hätten, müssten gelöst werden, bevor das nächste Konzil angekündigt werde.

Der Entwurf trage aber auch den Bedenken vieler orthodoxer Bischöfe und Theologen insofern Rechnung, als auch das Photianische Konzil von 879/880 (bei dem die Einfügung des "Filioque" - des Bekenntnisses zum Ausgang des Heiligen Geistes auch vom Sohn - durch die lateinische Kirche verurteilt wurde), die Konzilien des 14. Jahrhunderts in Konstantinopels (bei denen es um diffizile theologische Fragen in Abgrenzung zur scholastischen Theologie des Westens ging), das Konzil von Iasi von 1642 (bei dem katholische und protestantische theologische Denkmodelle zurückgewiesen wurden) und das Konzil von Jerusalem 1672 (mit seiner Verurteilung des Calvinismus und des "Filioque") als "Heilige und Große Konzile" anerkannt werden sollen.

Euronews - Panorthodoxes Konzil auf Kreta


SRF: Krise statt Aufbruch: Konzil der Orthodoxen - Interview mit einem griechisch-orthodoxen Theologen (Sternstunde Religion 19.06.2016)


Copyright 2016 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 SCHLEGL 24. Juni 2016 
 

@ Smaragdos

Natürlich ist es so, wie Sie sagen, es fehlt ein Beistrich nach lateinischer Kirche.
Übrigens wurden bereits unter Papst Pius XII für die katholischen Byzantiner ein Messbuch herausgegeben, in dem das "filioque" eingeklammert ist.Pius XII ließ im Petersdom eine byzantinische Liturgie zelebrieren, bei der das filioque im Credo ausgelassen wurde, um zu zeigen, dass dies eine klärende Einschub, aber keine Veränderung des Textes sein dürfe.
Gut, dass das orthodoxe Problem der Nationalkirchen angesprochen wird, in Wien gibt es einen griechischen, serbischen und russischen Bischof! Das wäre so, als hätten die Polen, Kroaten und Filipinos einen eigenen katholische Bischof in Wien! So etwas ist unvorstellbar.Msgr. Franz Schlegl


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 Smaragdos 23. Juni 2016 
 

Beim Photianischen Konzil wurde die Einfügung des Filioque wohl kaum von der lateinischen Kirche verurteilt, sondern von der orthodoxen.


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