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'Genozid an Christen': Nahost-Patriarchen rufen Papst um Hilfe

15. August 2017 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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"Osservatore Romano" verbreitet "Hilferuf" nach Patriarchenversammlung im Libanon: Exodus der orientalischen Christen bedeute "Genozid", der eine "menschliche Katastrophe" und eine "Beleidigung der ganzen Menschheit" darstellt


Rom-Beirut (kath.net/KAP) Einen Hilferuf an Papst Franziskus haben die katholischen Patriarchen des Orients formuliert. Nur der Papst könne die Mächtigen der Welt dazu bewegen, der Situation der Christen im Nahen Osten Aufmerksamkeit zu widmen, heißt es in der von der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" am Montag verbreiteten Abschlusserklärung zur jüngsten Versammlung des Rates der unierten Patriarchen des Orients (CPCO) im Libanon. Die Patriarchen prangern darin den erzwungenen Exodus der Christen an, dem die internationale Gemeinschaft tatenlos zusehe. Es handle sich um einen "Genozid", der eine "menschliche Katastrophe" und eine "Beleidigung der ganzen Menschheit" darstelle.

Mitglieder des Rates sind unter anderen der syrisch-katholische Patriarch Mar Ignatius Joseph III. Younan, der melkitische Patriarch Yousef I. Absi und der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako. Bei den Beratungen am 10./11. August am Sommersitz des maronitischen Patriarchen im libanesischen Dimane war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Gabriele Caccia, anwesend. Eine Begegnung gab es zudem mit den nichtkatholischen Patriarchen Youhanna X. (antiochenisch-orthodoxe Kirche), Mar Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodoxe Kirche) und Aram I. (armenisch-apostolische Kirche), die die Sorge ihrer katholischen Amtsbrüder teilen.


Die Patriarchen erinnern daran, an wie vielen Tagungen, Seminaren, Begegnungen aller Art sie teilgenommen haben, um der Welt die Schändlichkeit des Schicksals begreiflich zu machen, das den Christen auferlegt wurde: "Aber wir sind keine 'Nation' mit weitgespannten Grenzen, die die Aufmerksamkeit der Giganten der Finanzwelt auf sich zieht; wir sind nur eine friedfertige 'kleine Herde'". Die orientalischen Kirchen hätten im Nahen Osten seit den Tagen der Apostel geblüht, aber jetzt sei ihre Existenz "akut in Gefahr".

Es sei Zeit, einen "prophetischen Appell" zu formulieren: "Wir bleiben unserer orientalischen Identität und unserer Mission treu. In der Sorge um unsere klein gewordene Herde sind wir betrübt angesichts des Ausblutens unserer christlichen Gemeinschaften, die ihre Heimat im Nahen Osten verlassen. Die Unterdrücker, die in voller Absicht handeln, die Toren, die unsere Friedfertigkeit missbrauchen, sollen sich bewusst sein, dass die Gerechtigkeit Gottes das letzte Wort haben wird." Die Christen seien jetzt gleichsam der Sauerteig, das Licht einer Welt, die sich nach dem "lebenspendenden Geist" sehnt: "Wir bleiben dem Land der Väter und der Vorfahren treu, gegen alle Hoffnung hoffen wir auf eine Zukunft, in der wir - als Teil eines authentischen Erbes - als Quelle des Reichtums für unsere Gesellschaften und für die universale Kirche in Ost und West verstanden werden".

Es sei Aufgabe der Christen, die Wahrheit in Liebe zu verkünden, mit Mut für die Legitimität der Trennung zwischen Staat und Religion in den Verfassungen der nahöstlichen Staaten einzutreten "und für die Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf Rechte und Pflichten, ohne Unterschied der religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit". Vor allem dieser Punkt sei eine unverzichtbare Bedingung für die Sicherheit der Christen.

"Schandfleck für das 21. Jahrhundert"

Ausdrücklich wenden sich die Patriarchen auch direkt an die internationale Gemeinschaft, an die Vereinten Nationen und an die direkt in "Syrien, Irak, Palästina" involvierten Regierungen mit dem dringenden Appell, die Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen zu stoppen. Das Ziel dieser Kriege sei nur allzu klar, es gehe darum, zu zerstören, zu töten, zum Exodus zu zwingen, den Geist der Intoleranz zwischen Religionen und Kulturen zu verbreiten. Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Das Fortdauern dieser Situation und die Unfähigkeit, in der Region einen gerechten, umfassenden und dauerhaften Frieden herzustellen, der den Vertriebenen die Rückkehr an den heimatlichen Herd in Würde und Gerechtigkeit ermöglicht, wird für das ganze 21. Jahrhundert ein Schandfleck bleiben".

Libanon als Vorbild

Gewürdigt wird in der Erklärung die Vorbildfunktion des Libanon, mit dessen Präsidenten Michel Aoun die Patriarchen im Zuge ihrer Versammlung ebenfalls zusammentrafen. Der Libanon sei ein demokratisches Modell, das die arabischen Länder nachahmen sollten, "vor allem im Hinblick darauf, dass es im Libanon keine Staatsreligion gibt". Allerdings könne der Libanon die Belastung durch die große Zahl von syrischen und palästinensischen Flüchtlingen nicht mehr weiter tragen, die politische, wirtschaftliche und soziale Sicherheit des Landes sei bedroht.

Nuntius Caccia versicherte den Patriarchen die Aufmerksamkeit des Papstes "und der ganzen Weltkirche" für die Situation der orientalischen Christen. Das habe sich u.a. in der Sonderbischofssynode von 2010 gezeigt. Der päpstliche Vertreter betonte seine Hoffnung, dass es durch die Unterstützung "von Seiten Russlands und der Vereinigten Staaten" im Syrien-Konflikt zu einer politischen Lösung kommt, die "zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Stabilität" führt.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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