Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  2. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  3. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  4. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  5. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  6. George Weigel an Kardinal Hollerich: Hat die Kirche Christus zweitausend Jahre lang missverstanden?
  7. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  8. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  9. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  10. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  11. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  12. Viel Lärm um nichts?
  13. Kardinal Koch betont den zutiefst christozentrischen Charakter des Pontifikats von Papst Leo XIV.
  14. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  15. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger

Ein Plädoyer für den Religionsunterricht

26. November 2018 in Österreich, 11 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Eine unheilige Allianz aus SPÖ, Grünen und Neos sprach sich vergangene Woche im Wiener Landtag für die Abschaffung des verpflichtenden Religionsunterrichts zugunsten eines Ethikunterrichts aus - Von Caroline Hungerländer


Wien (kath.net)
In ihrem Beschlussantrag fordern SPÖ, Grüne und Neos, dass das „Unterrichtsfach Ethik an allen Schulen in Österreich verpflichtend für alle Schüler_innen (sic!) ab dem ersten Schuljahr eingeführt wird“. Im Antragstext wird dazu ergänzt: „Der konfessionelle Religionsunterricht kann weiterhin zusätzlich angeboten werden“.

Defacto wird damit die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts zugunsten eines verpflichtenden Ethikunterrichts gefordert.
Als Anlass werden Integrationsprobleme mit jungen Muslimen an Wiener Schulen verwendet. Die Idee: die trennende Vermittlung unterschiedlicher religiöser Vorstellungen wird zugunsten eines einigenden Ethikunterrichts aufgegeben. Hier wird eine falsche Fährte gelegt: den Antragstellern geht es nicht um die Aushebelung des islamischen Religionsunterrichts sondern, einem links-liberalen Weltbild folgend, um das Zurückdrängen aller Religion aus der Öffentlichkeit.

Integrationsprobleme an Wiener Schulen sind kein neues Problem, tatsächlich hat die Bildung von Parallelgesellschaften in Wien bereits vor Jahrzehnten begonnen. Die Verbannung aller Religionen aus den Wiener Klassenzimmern ist eine völlig undifferenzierte Reaktion auf eine Problemstellung, die ihre Wurzeln nicht zuletzt in der bewussten Verneinung der eigenen, christlichen Religion hat. Trifft postmoderner Relativismus auf die klare Dualität einer Religion, ist nachvollziehbar, dass die Halt gebenden Vorgaben der Religion eine grössere Anziehungskraft auf junge Menschen ausübt. Anstelle eines Glaubens möchten die Antragsteller jungen Muslimen „Werte“ anbieten, die sich aber eben nicht originär aus dem Islam, sondern aus der christlichen Religion entwickelt haben. Dass diese Rechnung aufgeht, kann bezweifelt werden.


Als zweites Argument wird die religiöse, weltanschauliche und ethnische Diversität unserer Gesellschaft bemüht, deren kleinster gemeinsamer Nenner demokratische, humanitär-aufgeklärte Grundvorstellungen sind. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass Religionen von grundlegender Bedeutung für moralisches, ethisches Handeln sind. Wenn auch die humanitären Werte Recht und Sittlichkeit ohne Glauben an Gott lebbar sind, ist dies praktisch schwieriger und theoretisch fehlt die Letztbegründung. Denn jeder Mensch macht Grunderfahrungen wie Freude über die Schöpfung oder Vertrauen in ein Du oder Erleben von Sinn oder Sinnlosigkeit. Wenn er bereit ist, über diese Erfahrungen nachzudenken, wird er zum religiösen Bereich, zu Gott hingeführt. Ganz besonders führt dazu die Frage nach einem letzten Grund der kategorischen sittlichen Forderung, grundsätzlich so zu handeln, wie jeder Mensch handeln müsste: dieser Grund muss die menschliche Ebene überschreiten hin auf einen Transzendenzbereich, der als normgebend und personhaft erscheint - Religion ist also nicht die Begründung, aber die Letztsinngebung von Recht und Ethos.

Nicht anders verhält es sich im Übrigen mit der Moral, wie Alexander Grau in seinem kompakten Buch „Hypermoral“ nachzeichnet: eines Grundes für moralisches Handeln beraubt, wird Moral zum Selbstzweck und damit willkürlich. Mehr noch, Grau beschreibt die Tendenz, moralische Ansprüche auf die abstrakte Ebene der Gesellschaft zu verlagern, während für die eigenen Handlungen eine „lebe dein Leben“ Philosophie gilt. Auch diese Entwicklung ist ohne religiöse Begründung für Moral vorgezeichnet.

Abschließend können wir die Frage stellen, ob Glaube als der Inhalt eines Religionsunterrichts „lernbar“ ist. In jedem Fall kann Religionsunterricht aber den Weg zum Glauben bereiten. Dies allein ist ein wertvolles Geschenk für junge Menschen auf ihrem Lebensweg.

Caroline Hungerländer ist ÖVP-Abgeordnete zum Wiener Gemeinderat und Landtag und nahm am vergangenen Samstag am "Marsch für das Leben" in Wien teil.

Foto: (c) Privat / twitter


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Religionsunterricht

  1. Lehrermangel – Ende des römisch-katholischen Religionsunterrichts in Österreich?
  2. Australien: Maßregelung für Kritik an LGBT-freundlichem Lehrplan
  3. Faßmann: Ab 2020 Ethikunterricht ab der 9. Schulstufe
  4. Plädoyer für Paradigmenwechsel im schulischen Religionsunterricht
  5. Grüner Vorstoß: Religionsunterricht Christen, Juden, Muslime
  6. „Symbol“ Auferstehung: Religionslehrerin kritisiert Religionsschulbuch
  7. Faßmann: Religionsunterricht hat fixen Platz an Schulen
  8. Regierungsparteien brechen Lanze für Religionsunterricht
  9. Religionsunterricht vernebelt den Glauben
  10. Faßmann: Religiöse Bildung ist ‘wichtige Grundlage der Erziehung’







Top-15

meist-gelesen

  1. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  2. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  3. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  4. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  5. "Derselbe Polarstern"
  6. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  7. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  8. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  9. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  10. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger
  11. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  12. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  13. Kardinal Fernández: Es laufen keine dezidierten päpstlichen Großaufträge am Glaubensdikasterium
  14. „Die Generation Z, die in Manhattan zur Messe kommt, sucht keine alternative Clubszene“
  15. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz