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Psychologin: Pandemie hat häusliche Gewalt und Missbrauch verstärkt

14. November 2021 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Dozentin am Psychologischen Institut der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, Katharina Anna Fuchs, sprach bei Vortrag im Haus der Begegnung der Diözese Eisenstadt.


Eisenstadt/Rom (kath.net/ KAP)

Auf die Zunahme von verschiedenen Formen von Missbrauch und Gewalt in der Corona-Pandemie hat die Diplom-Psychologin und Expertin für Missbrauchsprävention, Katharina Anna Fuchs, hingewiesen. Viele Menschen hätten über lange Zeit "auf engem Raum zusammengelebt", was "Stresssituationen" befördert habe, sagte die Dozentin des Psychologischen Institut der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom jetzt bei einem Vortrag im Haus der Begegnung der Diözese Eisenstadt.

So gehen die UN davon aus, dass häusliche Gewalt während der Lockdowns im Jahr 2020 um durchschnittlich 20 Prozent zugenommen haben. Opfer häuslicher Gewalt scheuten sich auch davor, Hilfe zu holen. Daten über die jüngsten Lockdowns 2021 gelte es noch abzuwarten, so Fuchs. Worüber man bereits Bescheid wisse: In Deutschland sei häusliche Gewalt im Frühjahr 2020 um etwa 20 Prozent angestiegen, in Argentinien und Großbritannien um circa 25 Prozent, in Brasilien um 50 Prozent.

Ähnliche Zahlen liegen der Expertin zufolge bezüglich Kindesmisshandlung und Vernachlässigung vor. Da mehr als 70 Prozent der Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen von Familienangehörigen oder nahen Bezugspersonen begangen werden, waren Lockdowns verschärfende Maßnahmen für diese Problematik. "Aufgrund der Kontaktbeschränkungen hat sich das Leben von vielen Menschen noch stärker auf das Internet sowie auf Online-Plattformen, Chatrooms und soziale Medien verlagert. Doch auch im Internet und in den sozialen Medien lauern Gefahren für Missbrauch und Gewalt", so Fuchs.


"Child Focus", eine belgische Stiftung zum Schutz von Kindern, verzeichnet einen starken Anstieg von Meldungen zu sexuellem Missbrauch bei Kindern in der Corona-Pandemie. Und auch laut Europol gab es zu Beginn der Pandemie im März 2020 und den damit eingehenden Lockdowns weltweit einen rasanten Anstieg von Missbrauchsvideos und -bildern, die online angeboten und geteilt wurden. Gewöhnlich werden bei Europol pro Monat etwa 100.000 Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung im Netz gemeldet; im März 2020 verzehnfachten sich die Fälle, die nach zwei Monaten wieder begannen zu sinken. Ein Fortschritt ist, dass sich in vielen Ländern die Möglichkeiten stark verbessert haben, Verdachtsfälle zu melden.

 

Auch Geistlicher Missbrauch Thema

Fuchs lehrt und forscht seit mehr als zehn Jahren zum Thema Missbrauch und seiner Prävention. Sie ist Mitglied in internationalen und kirchlichen Beratungs-Gremien zum Thema Missbrauchsprävention. Bevor sie im Herbst 2012 an die Gregoriana nach Rom ging, war sie für mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Lehre und Forschung im Fachbereich Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Deutschland tätig.

Thema ihres Vortrags in Eisenstadt war auch geistlicher Missbrauch, der im deutschsprachigen Raum, so Fuchs, erst seit wenigen Jahren thematisiert werde. Bei dieser Form des Missbrauchs handle es sich systemische Muster kontrollierender, dominierender, einschüchternder und manipulativer Verhaltensweisen seitens geistlicher Begleiter oder Begründer religiöser Bewegungen bzw. Gemeinschaften. Geistlicher Missbrauch könne andere Formen des Missbrauchs begünstigen oder gepaart mit diesen einhergehen (z.B. sexueller Missbrauch, physische oder psychische Gewalt), kann jedoch auch allein auftreten. Wesentliche Elemente seien, so die Referentin, Macht und Vertrauen, die ebenfalls missbraucht werden.

 

Große Dunkelziffer

Ob und inwiefern geistlicher Missbrauch seit der Pandemie zugenommen hat, sei schwer zu sagen, da es hierzu keine zuverlässigen und aussagekräftigen Daten gebe, so Fuchs. "Sicherlich wurde in einigen Fällen sogar die Pandemie selbst herangezogen, um Menschen in ihrem Glauben und ihrer Gottesbeziehung zu manipulieren, gehorsam zu machen, zu dominieren und zu isolieren. Da im Bereich des geistlichen Missbrauchs allgemein mit einer großen Dunkelziffer weltweit zu rechnen ist, ist vermutlich auch diese noch größer geworden."

Missbrauch und Gewalt an Kinder und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, finde seit der Pandemie hinter verschlossenen Türen bzw. an Bildschirmen statt, betonte Fuchs. Das Aufdecken wurde durch Lockdowns erschwert. Ein wichtiger Aspekt sei, "dass sich Personen, die Missbrauch oder Gewalt erfahren haben, jemandem anvertrauen können." Dafür brauche es mehr Sensibilität und Aufmerksamkeit für dieses Thema in der Gesellschaft.

 

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