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Super hanc petram… Erinnerungen an einen Garanten für die Wahrheit

15. Jänner 2023 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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„Bleibt in Christus Jesus verwurzelt und auf ihn gegründet und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet.“ (Kol 2,7) Ein persönlicher Nachruf auf Papst Benedikt XVI. – Von Michael Koder


Linz (kath.net/mk) Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. war für mich ein wichtiger persönlicher Wegbereiter in meiner eigenen Suche nach der Wahrheit. Ich rechne mich gern zur „Generation Benedikt“, ohne damit andere Päpste und deren Verdienste auszuklammern. Aber dieser weise, stille, feinsinnige und weitsichtige Papst hat es mir besonders angetan.

Wie wurde mein damals in Bezug auf die Kirche noch sehr indifferenter Blick zum ersten Mal auf ihn aufmerksam? Ich denke, es war, als halb Österreich ihn plötzlich wahrnahm – mit Empörung, von der ich mich aber nicht anstecken lassen wollte: als Papst Benedikt Anfang 2009 den Windischgarstner Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz ernannte und stante pede eine Entrüstungswelle in Medien und Politik losbrach. Wie auch immer man zu Wagner steht, erhellend war die Sache jedenfalls, denn die Grundstimmung im Bistum trat mehr denn je offen zutage, als 31 von 39 (!) Dechanten der Diözese den neuen Weihbischof mit ihrer Unterschrift ablehnten.

Meine unvergessliche „persönliche“ Begegnung mit Benedikt fand im Sommer 2011 beim Weltjugendtag in Madrid statt. Obwohl wir den Papst wegen der Menschenmassen meist nur auf Leinwänden zu Gesicht bekamen, wussten wir wohl: (auch) seinetwegen waren wir gekommen. Ein besonderer Moment war die Gebetsvigil, als sich alle Jugendlichen am Flugfeld Cuatro Vientos versammelten und nach einem extrem heißen Tag ein schweres Gewitter aufzog; wir harrten im Regen aus, während der Papst sein Gebet unterbrach, aber ruhig auf seinem Stuhl sitzen blieb; als der Sturm vorüber war, bedankte er sich für die Ausdauer der Jugendlichen. Wenn auch die meisten den Gastgeber gar nicht direkt sehen konnten, werden sie damals wohl alle eine tiefe Verbundenheit mit diesem Mann und seinen Worten verspürt haben. (Zu dieser Gebetsvigil: siehe Link)


Als ich mich näher mit der Lehre der Kirche zu beschäftigen begann, bekam ich mit dem 1992 promulgierten Katechismus unbewusst „Ratzinger“ zu lesen, denn er war ja dessen leitender Redakteur  gewesen. Die klare und tiefsinnige, inhaltsreiche und unpolemische Sprache dieses Werks ist für mich ein beredter „Fußabdruck“ von Joseph Ratzingers Geist. Das Glaubensgut kann verständlich auf den Punkt gebracht werden, umfassend und für Menschen aller Kulturen: das drückt der Katechismus aus. Auch andere Werke wie seine leicht lesbare „Einübung in Glaube, Hoffnung, Liebe“, aber auch zahllose Predigten und noch als Glaubenspräfekt herausgegebene Dokumente, etwa zur Morallehre, unterstreichen für mich die Größe seiner Theologie. Ich las und lese gern Ratzinger, schon alleine wegen seines Schreibstils. Er war und ist für mich ein Theologe, der ganz aus Gott und für Gott lebt, ein echter „cooperator veritatis“, der damit die ureigene Aufgabe seiner Zunft vor der Welt hochhielt. Er war ein Garant für die Wahrheit, wenn sie auch unbequem war, und er wollte sie im Dialog, von Vernunft zu Vernunft vermitteln. Mut und Demut gepaart, das machte ihn mir sympathisch.

Ein Nachruf auf Benedikt XVI. kommt für mich nicht ohne sein Motu proprio Summorum Pontificum aus. Dieses Dokument, mit dem er der Kirche und vor allem einer inmitten liturgischer Entstellungen heranwachsenden Generation den bleibenden Schatz eines schönen und ehrfürchtigen Gottesdienstes eröffnete, konnte und wird noch viel Frucht bringen. Stille, Fremdsprache, Orientierung auf Gott hin – das sind keine Gefahren, sondern Chancen für den Glauben gerade in der Welt von heute. Der außerordentlichen Form verdanke ich viel, verdankt die Kirche viel. Sie sollte nicht geringgeschätzt werden.

Benedikts für mich völlig überraschender Amtsverzicht schließlich war mir lange Zeit unverständlich, „ungeheuerlich“, unwirklich. Mehr und mehr aber erkannte ich, dass sich das Papstamt im letzten Jahrhundert mit dem technologischen Fortschritt und den rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen stark verändert hatte: während etwa ein Leo XIII. die Welt noch in hohem Alter von der Sixtinischen Kapelle aus regieren konnte, sah sich Benedikt XVI. nicht imstande, auf die üblich gewordenen Auslandsreisen wie auch die hohe Medienpräsenz als Papst zu zugunsten seiner Gesundheit zu verzichten. Angesichts der nachlassenden Kräfte war der Amtsverzicht für ihn nach seiner Prognose unausweichlich. Leicht dürfte es sich der pflichtbewusste Mann nicht gemacht haben.

Bleiben wird nicht nur die Fülle seiner Werke, sondern auch sein Wirken als Prophet, als er etwa bereits 2012 in der letzten Weihnachtsansprache vor seinem Verzicht die Gender-Ideologie als „tiefe Unwahrheit“ benannte. Auch seine Andeutung, dass eine wechselseitige Befruchtung und damit letztlich ein Zusammenwachsen von ordentlicher und außerordentlicher Messform zeitgemäß wäre, halte ich für prophetisch. Wenn Benedikt schließlich das herrschende Credo des „Machenkönnens“ hinterfragte und die Frage des Woher und Wozu einmahnte, kommen mir unweigerlich die vergangenen drei unheilvollen Jahre im Zeichen der „Gesundheitskrise“ in den Sinn, die geprägt waren von einem grenzenlosen Hochmut des Alles-machen-Könnens und -Wollens, ohne innezuhalten und nach dem Menschgemäßen zu fragen.

Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., ein Garant für die Wahrheit, ein weitsichtiger Prophet, er möge in Frieden ruhen, und für die Kirche beten.

„Bleibt in Christus Jesus verwurzelt und auf ihn gegründet und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet.“ (Kol 2,7)


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