Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  2. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  3. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  4. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  5. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  6. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  7. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  8. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  9. Die Stunde der Heuchler
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  12. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  13. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition
  14. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  15. Einzugstermin für Papst Leo XIV. im Vatikan weiter offen

Hugh O’Flaherty, irischer Priester im Campo Santo Teutonico, rettete tausende von jüdischen Menschen

18. Juli 2023 in Chronik, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Man kann sagen, dass er in der Tragödie des Nationalsozialismus für das deutsche Kolleg ein wahrer Segen und unverdienter Wohltäter war.“ Gastbeitrag von Stefan Heid


Vatikan (kath.net) Als irischer Priester im deutschen Priesterkolleg im Vatikan war Hugh O’Flaherty – der schöne Name Hugo ist den meisten nur noch als Cocktail ein Begriff – keineswegs ein bunter Vogel, denn das „deutsche“ Kolleg war entgegen der allgemeinen Meinung immer schon deutsch-international. Es gab eine lange irische Tradition am Kolleg. Allerdings gehörte O’Flaherty zu jener Sorte von Iren, die das Deutsche nie richtig lernten. Und trotzdem sollte dieser Mann, der absolut kein Selbstdarsteller und Karrierist war, zur bedeutendsten Figur des Campo Santo Teutonico avancieren. Man kann sagen, dass er in der Tragödie des Nationalsozialismus für das deutsche Kolleg ein wahrer Segen und unverdienter Wohltäter war.

Doch der Reihe nach! O’Flaherty, geboren 1898 im irischen Lisrobin, trat als junger Priester in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Man muss bedenken, dass mit den Lateranverträgen von 1929 der heutige Vatikanstaat geschaffen wurde, was dann zur Folge hatte, dass der neue Staat endlich seine diplomatischen Beziehungen neu ordnen konnte und zu vielen Staaten Beziehungen aufbauen musste. Es bestand also großer Bedarf an diplomatischem Personal. O’Flaherty wurde durch die halbe Welt geschickt, was für die missionsfreudigen Iren kein Problem ist: Er fand sich in Ägypten, auf Haiti, in Santo Domingo und in der Tschechoslowakei wieder. 1934 wurde er zum Monsignore ernannt. Schließlich kam er nach Rom zurück und arbeitete seit Ende 1937 im Heiligen Offizium, das später in die Glaubenskongregation umbenannt und jetzt zu einem Dikasterium umfunktioniert wurde. Der Palast steht links neben dem Petersdom, in direkter Nachbarschaft zum Campo Santo Teutonico.

Der junge Historiker Nicola Gadaleta, Stipendiat am Römischen Institut der Görres-Gesellschaft, hat Akten entdeckt, aus denen hervorgeht, dass O’Flaherty im Dezember 1937 zunächst provisorisch als „Skriptor“ des Heiligen Offizium angestellt wurde, weil man meinte, er könne nützlich sein „für die Spezialaktion, die man wird durchführen müssen in Hinsicht auf die Angelegenheiten Deutschlands (…) und (…) um die Nazibewegung zu verfolgen“. Damit ist klar, dass das Heilige Offizium in Sachen Nationalsozialismus hellwach war und sich von Hitler nicht blenden ließ, der bekanntlich im Mai 1938 seinen spektakulären Rombesuch machte und seine Freundschaft mit Mussolini besiegelte. In diesem Zusammenhang ist es nicht unwesentlich zu erwähnen, dass O’Flaherty den irischen Nationalsport Golf pflegte und in Rom im heute noch bestehenden Club Aquasanta mit dem Schwiegersohn Mussolinis golfte.


Aber man täusche sich nicht: O’Flaherty war ein glühender Gegner des Faschismus und Nationalsozialismus, aber um Wehrlose vor brutalen Monstern zu retten, war ihm jedes Mittel recht, auch seine Kontakte beim Golfspiel. O’Flaherty war eine Helfernatur, den weder Parteibuch noch Hautfarbe noch Religion noch das Geschlecht interessierte. Das führt zur eigentlichen Seele dieses Mannes, der seit Anfang 1938 im deutschen Priesterkolleg am Campo Santo Teutonico wohnte. Aus einer provisorischen Anstellung wurde eine dauerhafte, so dass O’Flaherty am Kolleg blieb, weil es für ihn ja auch so bequem war.

Seine eigentlichen Fähigkeiten zeigte er, als die Deutschen mit dem „Fall Achse“ am 10. September 1943 Rom besetzten. Mit der Wehrmacht kamen die Schergen der SA und SS. Namentlich Herbert Kappler etablierte ein Schreckensregime in der Via Tasso nahe bei der Lateranbasilika, im Verein mit den nicht minder fanatischen Faschisten der Banda Koch. Tausende von Juden, die aus Deutschland nach Italien und Rom geflüchtet waren, sahen sich nun in der Falle. Sie hatten sich unter dem Schutz des Papstes sicher geglaubt. Aber auch politische und militärische Flüchtlinge tummelten sich in Rom und waren nun ihres Lebens nicht mehr sicher.

O’Flaherty baute nun in Windeseile die „Organisation“ auf: mit wenigen Helfern – Militärs und Zivilisten – spannte er ein Hilfsnetz über ganz Rom mit zahlreichen konspirativen Wohnungen, in denen er in den Monaten der deutschen Besatzung über 6000 Gefährdete für einige Tage versteckte, bevor sie verschwinden und untertauchen konnten. Das „Hauptquartier“ dieser Organisation war sein kleines Zimmer im obersten Stock des „Damenstifts“ des deutschen Priesterkollegs, das seit den Lateranverträgen auf exterritorialem Gebiet des Vatikans liegt. Die Ironie der Schicksals wollte es, dass ein Ire von einem deutschen Kolleg aus Tausende gefährdeter Menschen vor den Deutschen rettete! Die „reichsdeutschen“ Priester im Kolleg, einschließlich des Rektors Hermann M. Stoeckle, wussten um die Umtriebe O’Flahertys und ließen ihn stillschweigend gewähren: Sie mischten sich nicht ein, halfen ihm durch Wegschauen. O’Flaherty wiederum erhielt sich ihr Wohlwollen dadurch, dass er in den Monaten bitterster Not für alle – im Kolleg waren bis zur Befreiung am 4. Juni 1944 etwa 50 gefährdete Zivilisten versteckt – Nahrungsmittel beschaffte.

In Erinnerung an diesen hoch dekorierten Helden der Menschlichkeit hat die irische Botschafterin beim Heiligen Stuhl Emma Madigan am 8. Mai 2016 eine Gedenktafel am Campo Santo Teutonico enthüllt. Die Tafel enthält leider ein falsches Datum, da inzwischen Nicola Gadaleta klären konnte, dass O’Flaherty schon 1947, also nach neun Jahren und nicht erst 1960, das Kolleg verlassen und eine freigewordene Wohnung nebenan im Palast des Heiligen Offizium bezogen hat. Offenbar unterhielt er fortan nur geringen Kontakt zum deutschen Kolleg, da sich im Archiv kaum mehr Spuren von ihm finden. 1960 kehrte er krankheitsbedingt in seine Heimat zurück, wo er bereits 1963 verstarb.

Bleibt zu erwähnen, dass 1983 ein Hollywood-Streifen mit Gregory Peck in der Hauptrolle des Monsignore gedreht wurde (deutsch „Im Wendekreis des Kreuzes“), der sehr nahe an den historischen Fakten bleibt, aber seltsamerweise mit keiner Szene und keiner Silbe den Campo Santo Teutonico erwähnt, der doch das Zentrum aller Aktivitäten O’Flahertys war. Man kann über die Gründe dieser auffallenden Auslassung nur spekulieren: Hat der Vatikan keine Dreherlaubnis erteilt? Fiel der Campo Santo Teutonico der Schwarz-Weiß-Malerei Hollywoods zum Opfer, weil einem amerikanischen Publikum nicht klarzumachen war, dass unter den Nazis von einer deutschen Einrichtung – dem deutschen Kolleg – etwas Positives ausgehen konnte?

Das neue Heft von Thomas Kieslinger und Stefan Heid über „Monsignore Hugh O’Flaherty – der Held des Campo Santo Teutonico“ (Verlag Schnell & Steiner 2023) will jedenfalls die zentrale, bislang verschwiegene Rolle des Campo Santo Teutonico für die „Organisation“ herausarbeiten und rekonstruieren. Es bietet dazu Fotomaterial und Erläuterungen, um zu verstehen, warum ausgerechnet das deutsche Kolleg der perfekte Ort war, um diese größte private Hilfsorganisation Roms im Zweiten Weltkrieg durchführen zu können.

Msgr. Prof. Dr. Stefan Heid (Erzbistum Köln) ist Priester, Professor für Liturgiegeschichte und Hagiographie am Pontificio Istituto di Archeologia Cristiana in Rom, dessen Rektor er inzwischen ist, und Direktor des Römischen Instituts der Görres Gesellschaft.

VIDEO: Der berühmte Film "Im Wendekreis des Kreuzes" mit Gregory Peck in voller Länge:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  9. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  10. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  11. Die Stunde der Heuchler
  12. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder
  13. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  14. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  15. Berichte über neue Wunder des Hl. Charbel in den USA und im Libanon

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz