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Feminismus, Queer-Kultur – Wer ist die neue Präsidentin der Päpstlichen Akademie für die Künste?

11. September 2025 in Weltkirche, 11 Lesermeinungen
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Wurde Papst Leo XIV. bei der Entscheidung für Cristiana Perrella schlecht beraten? Ist er sich der ideologischen Strömung, die sie vertritt, bewusst?


Vatikan (kath.net/jg)
Papst Leo XIV. hat am 6.  September die italienische Kuratorin, Kunstkritikerin und Dozentin für Kunstmanagement Cristiana Perrella zur Präsidentin der Päpstlichen Akademie für die schönen Künste und die Literatur ernannt. Ihre Ernennung wirft eine Reihe von Fragen auf, schreibt Quentin Finelli in Tribune Chrétienne.

Die Päpstliche Akademie für die schönen Künste und die Literatur wurde 1542 von Papst Paul III. anerkannt und ist die älteste aller Päpstlichen Akademien. Sie hat das Ziel, „das Studium, die Ausübung und die Vervollkommnung der Literatur und der schönen Künste zu fördern und die spirituelle Erhebung der Künstler zu unterstützen.“ Die Akademie ist in fünf Bereiche unterteilt: Architekten, Maler und Filmemacher, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller und Dichter. Sie ist eine von sieben Päpstlichen Akademien, die vom Dikasterium für Kultur und Bildung koordiniert werden.

Perrella wurde 1965 in Rom geboren. Bis 2021 leitete sie das Centro Pecci in Parto, 2023 organisierte sie die Veranstaltung Panorama in L’Aquila. 2024 übernahm sie die Leitung des Ausstellungsraums Conciliazione 5. Laut einem Bericht von LifeSiteNews wurde Perrella 2022 von Papst Franziskus in die Akademie für die schönen Künste und die Literatur berufen.


Sie wurde vor allem durch eine von ihr kuratierte Ausstellung bekannt, die dem chinesischen Fotografen Ren Hang (1987 – 2017) gewidmet war. Es handle sich um Werke, welche „oft durch die Darstellung von Geschlechtsorganen und Posen provokativ sind und manchmal an Sadomasochismus und Fetischismus erinnern“, formulierte Perrella in der offiziellen Präsentation der Ausstellung. Die Bilder würden „Tabus rund um den nackten Körper brechen und die traditionelle Moral, die die chinesische Gesellschaft noch immer beherrscht, in Frage stellen wollen.“

In einem Interview mit dem Magazin Medium bekannte sie sich zu Feminismus und Queer-Kultur. Wörtlich sagt sie: „Wir sollten das Konzept von Rosi Braidotti aufgreifen und von einem nomadischen Subjekt sprechen, einem in Wirklichkeit vielfältigen Subjekt, das auch seine eigene Sexualität auf sehr offene Weise erforscht. Ich interessiere mich tatsächlich für Themen, die mit Weiblichkeit und Feminismus zu tun haben, aber auch für Queer-Kultur und generell für alles, was sich einer Vereinfachung und Schematisierung entzieht, für den Rahmen, den wir um Dinge und Menschen herum aufbauen und der oft gerade Bewegung verhindert, und es ist mir wichtig, diese Vielfalt an Diskursen, einschließlich kritischer, hier ins Museum zu bringen.
Es gibt viele Künstler, die ich gerne hierher einladen würde: Ich interessiere mich auch sehr für den Moment, in dem sich der postkoloniale Diskurs mit dem des Geschlechts verflechten. Ich bin der Meinung, dass es heute in dieser Hinsicht viel zu sagen gibt und dass in Italien zu diesem Thema noch sehr wenig gesagt wurde.“

Rosi Braidotti ist eine italienische Philosophin, die als Theoretikerin des Feminismus gilt. Sie ist eine Hauptvertreterin der Gender-Studies und des Posthumanismus.

Indem sie sich auf Braidotti berufe, verlasse Perrella das christliche Menschenbild, welches den Menschen als Abbild Gottes sieht, schreibt Finelli in der Tribune Chrétienne. Der Mensch werde ein „nomadisches Subjekt“, instabil, vielschichtig, der Erforschung der eigenen Sexualität ohne Ziel und Orientierung ausgeliefert. Dies sei eine Anthropologie, die im direkten Widerspruch zur christlichen Anschauung vom Menschen stehe, der zur Heiligkeit und inneren Einheit berufen sei, fährt er fort.

Perrellas Lob für Feminismus, Queer-Kultur und Postkolonialismus im Sinne Braidottis offenbare ein ideologisches Programm, welches über den künstlerischen Bereich hinaus gehe und die Dekonstruktion des Körpers, der Identität und der Tradition einschließe.

„Wie lässt sich eine solche Vision mit der spirituellen Mission der Kirche vereinbaren?“, fragt Finelli.

Die Päpstliche Akademie der schönen Künste und der Literatur sei das Werk von Künstlern gewesen, die ihr Talent in den Dienst Gottes gestellt hätten. Die Ernennung einer Persönlichkeit, welche die moralischen Rahmenbedingungen in Frage stelle und die Auflösung der anthropologischen Bezugspunkte fordere, erscheine als Bruch mit dem Geist der Akademie, fährt er fort.

Viele Gläubige würden sich nun die Frage stellen, ob Papst Leo vollständig über die Positionen von Cristiana Perrella informiert gewesen sei, oder ob er sich bei der Ernennung auf Berater verlassen habe, schreit Finelli abschließend.

 

Bild: Ausschnitt aus Cristiana Perrellas Instagram-Auftritt

 


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