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Die Kirche zwischen Zeit und Ziel. Wesen und Sendung der Kirche

6. Mai 2026 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV.: Die eschatologische Vollendung der Kirche im Licht von Lumen gentium. Das pilgernde Volk Gottes und der Horizont des Reiches. Die Gemeinschaft der Heiligen als Fundament der christlichen Hoffnung im weltlichen Zeitlauf. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet in weiße Gewänder, und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm (Off 7,9-10).

Im Rahmen seiner Katechesenreihe zu den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils bei der Generalaudienz am Mittwoch widmete sich Papst Leo XIV. einer eingehenden Auslegung des siebten Kapitels der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium. Er stellte dabei ein qualifizierendes Merkmal in den Mittelpunkt der Betrachtung: die eschatologische Dimension.

Die Kirche wurde als eine Gemeinschaft beschrieben, die in der irdischen Geschichte wandelt und dabei „stets auf das Endziel orientiert ist, welches die himmlische Heimat ist“. Der Papst konstatierte, dass es sich hierbei um eine wesentliche Dimension handle, die jedoch oft „vernachlässigt oder minimiert“ werde, da die Gläubigen zu sehr auf das „unmittelbar Sichtbare und auf die konkretesten Dynamiken des Lebens der christlichen Gemeinschaft konzentriert“ seien. Der Papst definierte die Kirche als das „Volk Gottes auf dem Weg in der Geschichte“, welches als „Ziel all seines Handelns das Reich Gottes“ (vgl. LG, 9) besitze. Er erinnerte daran, dass Jesus die Kirche gerade dadurch ins Dasein rief, dass er dieses „Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens“ verkündete. Aus dieser theologischen Grundlegung leitete er den Ruf an die Gläubigen ab, die „gemeinschaftliche und kosmische Dimension des Heils in Christus zu berücksichtigen“ und den Blick fest auf diesen finalen Horizont zu richten, um alles in dieser Perspektive zu messen und zu bewerten.


Die Kirche existiere in der Geschichte „im Dienst des Kommens des Reiches Gottes in der Welt“. Sie habe die Aufgabe, allen und zu jeder Zeit „die Worte dieser Verheißung“ zu verkündigen. In der Feier der Sakramente, insbesondere der Eucharistie, empfange sie eine „Anzahlung“ dieser Verheißung, deren Logik sie in den „Beziehungen der Liebe und des Dienstes“ umsetze und erfahre. Leo XIV. hob hervor, dass die Kirche sich als jener „Ort und jene Mittel“ verstehe, an denen die Vereinigung mit Christus „‚enger‘ realisiert wird“. Gleichzeitig wurde klargestellt, dass die Kirche anerkenne, dass das „Heil von Gott im Heiligen Geist auch außerhalb ihrer sichtbaren Grenzen geschenkt werden kann“.

Ein zentraler Punkt der Katechese war die Bezeichnung der Kirche als „‚universales Sakrament des Heils‘“ (LG, 48). Dies bedeute, dass sie Zeichen und Werkzeug jener Fülle des Lebens und des Friedens sei, die von Gott verheißen wurde. Der Papst präzisierte das Verhältnis zwischen der Institution und dem eschatologischen Ziel: Die Kirche „identifiziert sich nicht perfekt mit dem Reich Gottes“, sondern stellt vielmehr dessen „Keim und Anfang“ dar. Die endgültige Erfüllung werde der Menschheit und dem Kosmos erst am Ende geschenkt. Daher wanderten die Christen in einer irdischen Geschichte, die sowohl von der „Reifung des Guten als auch von Ungerechtigkeiten und Leiden“ gezeichnet sei. In diesem Spannungsfeld lebten sie jedoch „weder illusioniert noch verzweifelt“, da sie sich an der Verheißung dessen orientierten, „der alles neu macht“ (Ap 21,5). Die Mission der Kirche entfalte sich somit zwischen „dem ‚Schon‘ des Beginns des Reiches Gottes in Jesus und dem ‚Noch nicht‘ der versprochenen und erwarteten Vollendung“.

Als „Hüterin einer Hoffnung, die den Weg erleuchtet“, sei die Kirche investiert mit der Mission, „klare Worte auszusprechen, um alles abzulehnen, was das Leben demütigt und seine Entwicklung verhindert“. Dies schließe die Notwendigkeit ein, „Position zugunsten der Armen, der Ausgebeuteten, der Opfer von Gewalt und Krieg und all jener, die an Körper und Geist leiden, zu beziehen“ (vgl. Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 159). Die Kirche lese und interpretiere die „Dynamismen der Geschichte ausgehend vom Evangelium“. Dabei müsse sie das „Böse in all seinen Formen“ denunzieren und die Erlösung verkünden, die Christus für die gesamte Menschheit in seinem „Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“ verwirklichen wolle. Leo XIV. unterstrich mit Nachdruck, dass die Kirche „nicht sich selbst verkündet“. Vielmehr müsse in ihr alles auf das „Heil in Christus“ verweisen.

In diesem Zusammenhang forderte der Papst dazu auf, „demütig die menschliche Zerbrechlichkeit und Hinfälligkeit der eigenen Institutionen anzuerkennen“. Diese stünden zwar im Dienst des Reiches Gottes, trügen aber die „flüchtige Gestalt dieser Welt“ (vgl. LG, 48). Er warnte davor, eine kirchliche Institution zu „verabsolutieren“. Da sie in der Geschichte und in der Zeit lebten, seien sie zu einer „kontinuierlichen Konversion, zur Erneuerung der Formen und zur Reform der Strukturen, zur kontinuierlichen Regeneration der Beziehungen“ aufgerufen, damit sie ihrer Mission „wirklich entsprechen können“.

Abschließend weitete der Papst den Blick auf die Verbindung zwischen der irdischen Kirche und der himmlischen Gemeinschaft. Das Verhältnis zwischen jenen, die heute ihre Mission erfüllen, und jenen, die „das irdische Dasein bereits beendet haben und sich in einem Stadium der Läuterung oder der Seligkeit befinden“, müsse im Horizont des Reiches Gottes verstanden werden. Unter Bezugnahme auf Lumen gentium hielt er fest, dass alle Christen „eine einzige Kirche bilden“. Es bestehe eine Gemeinschaft und eine Teilhabe an den geistlichen Gütern, eine „‚fraterna sollicitudo‘ zwischen der irdischen Kirche und der himmlischen Kirche“. Diese „Gemeinschaft der Heiligen“ werde insbesondere in der Liturgie erfahren (vgl. LG, 49-51). Durch das Gebet für die Verstorbenen und das Folgen der Spuren derer, die bereits als Jünger Jesu gelebt haben, würden die Gläubigen auf ihrem Weg gestützt. „Gezeichnet vom einzigen Geist und vereint in der einzigen Liturgie“, lobe die Kirche gemeinsam mit denen, die im Glauben vorangegangen sind, die „Heiligste Dreifaltigkeit“. Der Papst schloss mit einem Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber den Konzilsvätern für die Erinnerung an diese „so wichtige und so schöne Dimension des Christseins“ und mahnte, diese im eigenen Leben zu pflegen.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, in diesem Monat, der der seligen Jungfrau Maria, „Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes“ (LG 68), gewidmet ist, vertrauen wir ihr alle unseren persönlichen Anliegen und die großen  Herausforderungen unserer Zeit an. Sie begleite uns allezeit mit ihrer mütterlichen Fürsprache und ihrem Segen.

Foto (c) Vatican Media

 


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