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„Darf man als Christ für die Schweizer Nachhaltigkeitsinitiative sein?“

20. Mai 2026 in Schweiz, 5 Lesermeinungen
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„Dient es dem Gemeinwohl, wenn immer mehr Menschen aus Kulturen kommen, die häufig mit den christlichen und abendländischen Werten nicht übereinstimmen?“ Gastkommentar zur Schweizer Volksinitiative „Keine 10-Millionen-Schweiz“ von Claudio Tessari


Bern (kath.net) Heute ist es allgemein Mode geworden, jeden Menschen, der sich für das Leben einsetzt, der für eine geordnete Migration einsteht oder der christliche Werte verteidigt, sofort als „rechtsextrem“ zu bezeichnen. Doch Christen dürfen sich nicht von Schlagworten leiten lassen, sondern müssen nach Wahrheit, Vernunft und dem Gemeinwohl urteilen.

Am 14. Juni stimmen wir über die Volksinitiative „Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)“ ab. Darf ein Katholik dieser Initiative zustimmen? Ja, natürlich kann er das mit gutem Gewissen tun.

Der Katholik hat sogar eine sittliche Pflicht, sich am politischen Leben zu beteiligen und nach bestem Wissen und Gewissen zu wählen. Maßstab dafür ist die katholische Soziallehre: das Gemeinwohl, die Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk, die Wahrung der Ordnung sowie die Achtung der menschlichen Würde.


Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt klar:

„Die politisch Verantwortlichen dürfen im Hinblick auf das Gemeinwohl, für das sie Verantwortung tragen, die Ausübung des Einwanderungsrechtes verschiedenen rechtlichen Bedingungen unterstellen.“ (KKK 2241)

Ebenso heißt es dort:

„Die Einwanderer sind verpflichtet, das materielle und geistige Erbe des Aufnahmelandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und zu dessen Lasten beizutragen.“ (KKK 2241)

Das bedeutet: Die Kirche lehrt sowohl die Pflicht zur Nächstenliebe als auch das Recht eines Staates, Migration zu ordnen und Grenzen zu schützen. Es ist daher weder menschenverachtend noch rassistisch, wenn ein Volk fragt, ob unbegrenzte Zuwanderung dem Gemeinwohl dient.

Dient es wirklich dem Gemeinwohl, wenn immer mehr Menschen aus Kulturen kommen, die häufig mit den christlichen und abendländischen Werten nicht übereinstimmen? Heute erleben wir oft, dass sich die Schweiz den Einwanderern anpasst, statt dass sich die Einwanderer der Schweiz anpassen. Gerade das widerspricht dem Prinzip, das der Katechismus nennt.

Auch Kardinal Robert Sarah hat die Masseneinwanderung scharf kritisiert. Er sprach davon, dass Afrika seiner jungen Menschen beraubt werde und bezeichnete gewisse Formen der gesteuerten Migration sogar als eine Art „neue Sklaverei“. Er betonte, dass die Menschen ihre Heimat entwickeln sollen, statt entwurzelt zu werden.

In einer Demokratie gibt es oft keine vollkommen katholische Partei. Deshalb muss der gläubige Katholik häufig das geringere Übel wählen und sich an den grundlegenden Prinzipien der katholischen Morallehre orientieren.

Doch wir müssen auch ehrlich sein: Wenn ein Volk keine Kinder mehr hat, dann wird es irgendwann Arbeitskräfte aus dem Ausland holen müssen. Wenn in fast allen Ländern Europas die Geburtenrate weit unter den notwendigen 2,1 Kindern pro Frau liegt, tragen wir selbst eine Mitschuld an der heutigen Situation. Ein Volk, das keine Familien mehr gründet, verliert auf Dauer seine Zukunft.

Darum kann ein Katholik mit gutem Gewissen für diese Initiative stimmen. Sie widerspricht weder dem Katechismus noch der katholischen Soziallehre.

Schon der heilige Niklaus von Flüe, Bruder Klaus, mahnte:

„Machet den Zaun nicht zu weit.“

Dieses Wort erinnert daran, dass ein Volk seine Ordnung, seine Identität und seinen Glauben bewahren muss, wenn es bestehen will.

Der Autor Claudio Tessari ist Familienvater, hat drei Kinder und ist Stiftungsrat von „Ave Maria“


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