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Vergebung kennt keine Grenze

13. September 2026 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Leo XIV.: ‚Nicht siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal’. Die Vergebung als Grundlage des christlichen Lebens und des menschlichen Zusammenlebens. Über die Barmherzigkeit Gottes, die menschliche Beziehungen erneuert. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Vor dem Gebet des Angelus am vierundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis richtete Papst Leo XIV. den Blick auf das Evangelium nach Matthäus (Mt 18,21–35) und stellte die Vergebung in den Mittelpunkt seiner Katechese. Jesus habe die Vergebung nicht nur gelehrt, sondern bis zum Kreuz bezeugt. Dort habe er für seine Verfolger zum Vater gebetet: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34).

Das Evangelium berichte, wie Petrus den Meister unmittelbar zur Frage nach der Vergebung befragt habe: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“. Leo XIV. wies darauf hin, dass Petrus mit dieser Frage bereits eine Haltung der Großzügigkeit gezeigt habe. Die Zahl Sieben symbolisiere in der Bibel die Fülle; „siebenmal vergeben“ bedeute daher, mit großer Freigiebigkeit zu vergeben. Jesu Antwort gehe jedoch über diese von Petrus genannte Grenze hinaus: „Ich sage dir nicht siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal“. Damit habe Jesus jede zahlenmäßige Begrenzung der Vergebung überschritten. Vergebung kenne gegenüber dem Bruder kein festgelegtes Maß. Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, erzähle der Heiland das Gleichnis von einem Knecht, der seinem Herrn eine Schuld geschuldet habe, die er nicht habe begleichen können. Nachdem ihm diese Schuld aus Barmherzigkeit erlassen worden sei, habe derselbe Knecht gegenüber einem Mitknecht die empfangene Barmherzigkeit nicht erwiesen. Daraufhin sei er zurechtgewiesen und bestraft worden. Leo XIV. stellte in diesem Gleichnis die Verbindung zwischen der Vergebung, die der Mensch von Gott empfange, und der Vergebung her, die er seinem Mitmenschen schulde.


Der Papst erinnerte daran, dass „Gabe und Vergebung das Fundament unseres Daseins bilden“. Alles werde dem Menschen von Gott aus reiner Liebe geschenkt, und niemand könne von sich behaupten, dieser Güte vollkommen gerecht zu  werden. Aus dieser Erfahrung der ungeschuldeten Gabe folge eine Regel für das menschliche Zusammenleben: „Deshalb ist die Unentgeltlichkeit, die die Quelle unseres Lebens selbst ist, auch die beste Regel für unser Zusammenleben“. Diese Wirklichkeit zeige sich nach den Worten des Papstes im täglichen Leben. Vergebung sei unverzichtbar, denn ohne sie könne der Mensch nicht in Frieden leben. Wo sie fehle, entstünden früher oder später im Herzen und zwischen den Menschen „Konflikte, Vorwürfe, Groll und Rache“. Diese könnten Beziehungen zerstören, Familien spalten und schließlich sogar Kriege auslösen. Leo XIV. stellte damit die Vergebung nicht als eine bloße persönliche Tugend dar, sondern als eine Voraussetzung für das Zusammenleben von Menschen und Gemeinschaften.

Der Papst führte weiter aus, dass nur die Vergebung befreie und das Licht zurückbringe, auch dort, wo die materielle und moralische Armut des Menschen den Horizont verdunkelt und den Weg unsicher gemacht habe. Dabei gebrauchte er ein Bild aus der Natur: „Die Vergebung vertreibt wie ein günstiger Wind selbst die dichtesten Wolken, bis die Sonne wieder zum Vorschein kommt“. Die Vergebung unterbreche damit die Dynamik, die aus Verletzung und Schuld immer neue Verletzung entstehen lasse.

Als Beispiel für eine solche Erfahrung verwies Leo XIV. auf den heiligen Petrus selbst. Petrus habe die Macht der Vergebung in seinem eigenen Leben mehrfach erfahren. Besonders deutlich sei dies nach der Passion Jesu geworden, als Petrus Jesus verleugnet und verlassen habe. Am Ufer des Sees sei er dem auferstandenen Christus erneut begegnet. Jesus habe ihm dabei nur eine Frage gestellt: „Simon […], liebst du mich?“. Auf diese Frage sei die Aufforderung gefolgt: „Folge mir nach!“. Leo XIV. hob hervor, dass Jesus Petrus nach dessen Verleugnung nicht mit einer Aufzählung seiner Schuld konfrontiert habe. Vielmehr habe er ihn nach seiner Liebe gefragt und ihn erneut in seine Nachfolge gerufen. Darin habe sich die Vergebung gezeigt, die nicht einfach die Vergangenheit auslösche, sondern den Menschen heile und ihm erneut eine Sendung anvertraue. Die Begegnung am See habe damit an den Beginn der Berufung des Petrus erinnert, „fast als wäre nichts geschehen“. Gerade darin habe die Liebe, die vergebe und heile, für Petrus eine besondere Bedeutung erhalten. Sie sei für den Ersten unter den Aposteln zur „Bestätigung seiner Sendung“ geworden. Die Vergebung habe damit nicht nur eine Beziehung wiederhergestellt, sondern Petrus erneut auf seinen Weg als Apostel geführt.

Von Petrus aus führte Leo XIV. zurück zur Frage jedes Christen. Die von Jesus geforderte Vergebung überschreite die Grenze dessen, was der Mensch nach einem menschlichen Maßstab für angemessen halten könne. Sie gründe darin, dass der Mensch selbst aus der Vergebung und der ungeschuldeten Gabe Gottes lebe. Wer diese Gabe empfange, sei dazu gerufen, sie weiterzugeben und dem anderen nicht dauerhaft seine Schuld vorzuhalten. Die Vergebung richte sich dabei nicht nur auf einzelne persönliche Verletzungen. Wo Menschen an Vorwürfen, Groll und Rache festhielten, würden Beziehungen beschädigt und Gemeinschaften auseinandergeführt. Die Vergebung eröffne dagegen einen Weg, auf dem der Mensch aus der Bindung an die erlittene Verletzung herausfinden könne. Sie bringe nach den Worten des Papstes „das Licht zurück“ und ermögliche einen neuen Anfang.

Zum Abschluss seiner Katechese wandte sich Leo XIV. an die Jungfrau Maria als „Mutter der Barmherzigkeit“. Er bat sie, den Menschen zu helfen, „immer zu vergeben - auch wenn es schwerfällt, den ersten Schritt zu tun“. Zugleich sollten die Gläubigen „mit Mut und Ausdauer das heitere und heilende Licht der Liebe“ verbreiten, „das den Hass besiegt und jeden Groll entwaffnet“.

Foto (c) Vatican Media

 


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Lesermeinungen

 Cosmas 14. September 2026 
 

Eine schöne Betrachtung!

Man würde sich allerdings freuen, wenn ein Papst die Gläubigen zur Sonntagsbetrachtung vor dem Angelus wieder einmal mit "Laudetur Jesus Christus" begrüßen würde.
Papst Leo behält leider das ach so menschlich-nette "Buona domenica" seines Vorgängers bei! Schade!


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