![]() |
Loginoder neu registrieren? |
|||||
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
| ||||||
SucheSuchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln: ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-diskutiert
| ![]() Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottesvor 37 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung Leo XIV. im Élysée-Palast: die christlichen Wurzeln Frankreichs. Menschenwürde, Laizität, Künstliche Intelligenz und die Verantwortung Frankreichs für Frieden und Dialog. Von Armin Schwibach Paris (kath.net/as) Papst Leo XIV. begann seine Apostolische Reise nach Frankreich mit einem Besuch im Élysée-Palast, wo er mit dem französischen Staatspräsidenten, Vertretern der staatlichen Institutionen, der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps zusammentraf. Die fünfte Auslandsreise von Leo XIV. markiert zugleich den ersten Staats- und Pastoralbesuch eines katholischen Kirchenoberhaupts in Frankreich seit dem Besuch Benedikts XVI. im Jahr 2008. Auf dem Programm stehen bis Montag Stationen in der Hauptstadtregion Paris, am Wallfahrtsort Lourdes sowie zum Abschluss in der lothringischen Stadt Metz. Im Mittelpunkt seiner Ansprache standen die kulturelle und christliche Geschichte Frankreichs, die Menschenwürde und die Menschenrechte, die ethische Verantwortung angesichts des technischen Fortschritts und der Künstlichen Intelligenz, die Bedeutung einer rechten Laizität, der Dienst an den Schwachen sowie die Verantwortung für Frieden, Abrüstung und internationalen Dialog. Leo XIV. dankte dem französischen Präsidenten für die Einladung und die Begrüßungsworte und wandte sich zugleich an alle Menschen, die in Frankreich mit seinem kulturellen und religiösen Erbe lebten. Sie bildeten gemeinsam ein Volk, in dem „die Vielfalt der Herkünfte dazu beiträgt, das Zusammenleben und die Demokratie zu beleben und zu bereichern“. Frankreich nehme auch im Gebet des Papstes einen Platz ein, wobei Leo XIV. an seine familiären Wurzeln in der Normandie und im Béarn erinnerte. Seine Reise begann in Paris, der „Ville lumière“. Frankreich habe seit Jahrhunderten als kultureller, künstlerischer und geistiger Leuchtturm gewirkt, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Mit seinen Kathedralschulen, Universitäten und Akademien habe das Land Orte der Wahrheitssuche hervorgebracht und die Geistesbildung weit über seine Grenzen hinaus geprägt. Die Verbindung von Wissenschaften, Künsten, Literatur und Philosophie mit der Suche nach dem Schönen, Guten und Wahren habe nach Leo XIV. eine Bedeutung für das Wohl der Menschheit, „damit die Welt das Leben hat“. Ein konkretes Bild dafür fand Leo XIV. in der Restaurierung von Notre-Dame de Paris. Das französische savoir-faire habe sich bei den Arbeiten an der Kathedrale gezeigt, an denen private und öffentliche Institutionen beteiligt gewesen seien. Die Wiedereröffnung von Notre-Dame für den Gottesdienst und die Besucher aus aller Welt sei dabei mehr als der Abschluss einer technischen Leistung gewesen. Leo XIV. bezeichnete sie als „ein Sinnbild für eine wiedergewonnene Hoffnung, der Beweis dafür, dass das, was man für immer zerstört glaubte, dank der Zusammenarbeit aller wiedererstehen kann, und ein Zeugnis für die Einheit, die durch das gemeinsame Streben entstanden ist“. Daraus leitete er einen Impuls für das politische, gesellschaftliche und religiöse Leben Frankreichs ab: In einem Geist der Einheit und mit der Kraft einer lebendigen Hoffnung sollte die Arbeit am Gemeinwohl mit neuem Elan fortgesetzt werden. Anschließend wandte sich Leo XIV. den christlichen Wurzeln Frankreichs zu. Seit dem heiligen Irenäus und der Taufe Chlodwigs habe sich die Seele des Landes entfaltet und aus dem Christentum eine „spirituelle, kulturelle, intellektuelle, künstlerische und missionarische Kraft“ geschöpft. Die französische Geschichte habe dabei unterschiedliche geistige Strömungen miteinander verbunden. Der Humanismus des 16. Jahrhunderts habe versucht, das griechisch-römische Erbe und den christlichen Glauben zu verbinden; auf Renaissance und Grand Siècle seien die Denker der Aufklärung gefolgt. In diesem Zusammenhang verwies Leo XIV. auf die Menschenrechte und insbesondere auf die Religionsfreiheit. Die Achtung der jedem Menschen innewohnenden Würde finde ihren Ausdruck im französischen Wahlspruch „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Diese drei Begriffe seien nicht lediglich Worte an den öffentlichen Gebäuden, sondern verwiesen auf „allgemeine ethische Ansprüche“, die auch in der Botschaft des Evangeliums eine Quelle der Inspiration und Erfüllung fänden. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die in Paris verkündet worden sei, habe nach Leo XIV. dem Ziel gedient, ein allgemeines Bewusstsein für die unveräußerliche Würde des Menschen zu schaffen. Er erinnerte an den heiligen Johannes Paul II., der in dem Dokument einen „wahren Meilenstein auf dem Weg des moralischen Fortschritts der Menschheit“ gesehen habe. Zugleich griff Leo XIV. dessen Aussage auf, dass „jede Bedrohung der Menschenrechte, sei es im Bereich der materiellen, sei es im Bereich der geistigen Werte, gleich gefährlich für den Frieden ist, weil dieser sich immer auf den Menschen in seiner Ganzheit bezieht“. Die Frage nach der Achtung der Menschenwürde und den aus der menschlichen Natur hervorgehenden Grundrechten und -freiheiten müsse jede gesellschaftliche Entwicklung und jeden technischen Fortschritt begleiten. Leo XIV. verwies dabei auf seine erste Enzyklika Magnifica humanitas: „die technische Entwicklung hat im Laufe der Jahrhunderte zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit beigetragen; zugleich hat jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind“. Mit Georges Bernanos erinnerte Leo XIV., der bereits die Gefahr eines „Maschinenparadieses“ beschrieben habe, in dem blinder Gehorsam und Verantwortungslosigkeit zu bestimmenden Kräften würden. Die französische Zivilisation habe sich demgegenüber darum bemüht, freie Menschen heranzubilden, die für ihre Handlungen verantwortlich seien. Aus diesem Grund habe Leo XIV. das Thema der Künstlichen Intelligenz in seiner ersten Enzyklika aufgenommen. Es sei darum gegangen, „den Menschen wieder in das Zentrum allen Denkens zu rücken“. Damit verband Leo XIV. eine Forderung nach ethischer Bildung. Um das Menschsein inmitten eines zunehmend von Maschinen bestimmten Alltags nicht zu verlieren, müsse der Geist zu einer ethischen Urteilsfähigkeit erzogen werden, die das moralisch Gute erkennen könne. Diese Fähigkeit sei für die Erkenntnis des Guten grundlegend, das den Menschen entsprechend seiner ursprünglichen Berufung wachsen lasse und dabei seine innere Freiheit und seine heilige Würde wahre. Eine freie Gesellschaft dürfe nach Leo XIV. keine Einheitlichkeit erzwingen. Er erinnerte an seine Ansprache vor dem Diplomatischen Korps vom 9. Januar 2026: „eine wirklich freie Gesellschaft keine Einheitlichkeit auferlegt, sondern die Vielfalt der Gewissen schützt, autoritären Auswüchsen vorbeugt und einen ethischen Dialog fördert, der das soziale Gefüge bereichert“. Ein solcher Dialog sei für das heutige Frankreich von besonderer Bedeutung, da Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft zusammenlebten und ihren jeweiligen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft leisteten. Von der Vielfalt des sozialen Gefüges führte Leo XIV. zur Solidarität und zum Dienst am Menschen. Die katholische Kirche in Frankreich habe sich durch das Wirken von Männern und Frauen, die ihrer Menschlichkeit und den Werten des Evangeliums treu geblieben seien, für das Wohl der Bedürftigsten eingesetzt. Leo XIV. erinnerte an den heiligen Vinzenz von Paul, die karitative Erneuerungsbewegung des 17. Jahrhunderts und die katholischen Einrichtungen, in denen bis heute Pflegekräfte Menschen begleiteten, die durch Leid geschwächt seien. Diese Fürsorge bezeichnete Leo XIV. als eine „Schule der Menschlichkeit“. Sie mache den „einzigartigen und unersetzlichen Wert jedes einzelnen Menschen“ sichtbar und rufe zu einer Brüderlichkeit auf, die das Leben bedingungslos annehme, die Schwachen unterstütze und jede Lebensphase mit Achtung und gegenseitigem Vertrauen begleite. In diesem Zusammenhang bekräftigte er: „dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet“. Leo XIV. stellte demgegenüber die Versuchung heraus, von Wissenschaft und Technik eine Lösung für jedes menschliche Leid zu erwarten. Ohne die Führung durch das Gewissen könnten Wissenschaft und Technik Lösungen anbieten, die den unmittelbaren Wünschen entsprächen, den Menschen aber vom Guten entfernten. Als Bereiche, in denen diese Gefahr sichtbar werde, nannte er genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen und das Angebot eines geplanten Todes. Der Schutz des Lebens aller Menschen liege in der Verantwortung jedes Einzelnen und der Gesellschaft insgesamt und beginne mit einer „Bekehrung des Verstandes und des Herzens“. Daran schloss Leo XIV. seine Ausführungen zur Laizität an. Das Engagement des Christen im öffentlichen Leben könne Ausdruck einer rechten Laizität der irdischen Stadt sein. Wer im Licht eines vom Glauben erleuchteten Gewissens am öffentlichen Leben teilnehme, dürfe nicht als Bedrohung der Einheit des Vaterlandes betrachtet werden. Leo XIV. verwies erneut auf seine Ansprache an die katholischen Religionslehrer vom 25. April 2026: „wahre Laizität schließt die religiöse Dimension nicht aus, sondern versteht es im Gegenteil, sie als pädagogische Ressource zu nutzen“. Aus diesem Verständnis leitete Leo XIV. auch die Bedeutung der katholischen Schule ab. Sie gehöre zur Bildungslandschaft Frankreichs. Entscheidend sei dabei eine Haltung, die für jeden Dialog notwendig sei: „zu wissen und zu schätzen, wer und was man ist, um dem anderen mit Respekt und Aufgeschlossenheit begegnen zu können“. Eine rechteLaizität bedeute daher nach Leo XIV. nicht den Ausschluss der Religion aus dem öffentlichen Raum oder dem Bildungswesen. Sie bestehe vielmehr darin, den Dialog zwischen Staat und religiösen Institutionen zu ermöglichen und ihre Kräfte „im Dienste des Wahren, des Guten und des Schönen“ zu bündeln, „damit die Welt das Leben hat“. In diesem Zusammenhang verwies er auf den Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl, der katholischen Kirche in Frankreich und der französischen Regierung. Dabei erinnerte er an die vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierte „gegenseitige Ergänzung“ von politischer Gemeinschaft und Kirche. Beide dienten, „wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen“. Zum Wohl aller könnten sie diesen Dienst umso wirksamer leisten, „je mehr und besser sie rechtes Zusammenwirken miteinander pflegen“. Von Frankreich und der katholischen Kirche führte Leo XIV. anschließend in den Nahen Osten. Seit Jahrhunderten habe die Zusammenarbeit Frankreichs und der Kirche dem Dienst an den Christen im Orient gegolten. Bildungsbezogene, soziale, kulturelle und humanitäre Projekte hätten zum Dialog zwischen den Völkern und zur Wahrung der Rechte aller Menschen beigetragen. Besondere Bedeutung maß Leo XIV. der Bildung bei. Der Fonds pour les écoles d’Orient habe seit seiner Gründung im Jahr 2021 mehr als zweihundertsechzig Bildungseinrichtungen im Nahen Osten unterstützt, darunter sieben Universitäten im Libanon und die Universität von Bethlehem. Der Blick auf den Nahen Osten führte unmittelbar zur Frage des Krieges. Leo XIV. erinnerte daran, dass in dieser Region vor zweitausend Jahren der Friedensfürst geboren worden sei, und verwies auf die Menschen, die unter den Folgen von Konflikten litten. Angesichts eines Leids, das die Menschenwürde verletze und zu Gott um Gerechtigkeit schreie, dürfe keine Gleichgültigkeit entstehen. Der Ernst dieser Situationen müsse zu einer „echten Bekehrung des Herzens und zu einer Änderung der Haltung“ führen. Für die Frage der Abrüstung griff Leo XIV. auf Johannes XXIII. und dessen Enzyklika Pacem in terris zurück. Darin hieß es: „Gerechtigkeit, gesunde Vernunft und Rücksicht auf die Menschenwürde dringend, dass der allgemeine Rüstungswettlauf aufhört; dass ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; dass Atomwaffen verboten werden; und dass endlich alle auf Grund von Vereinbarungen zu einer entsprechenden Abrüstung mit wirksamer gegenseitiger Kontrolle gelangen“. Leo XIV. verband diese Forderung mit einer Warnung vor der Vorstellung, Atomwaffen könnten Sicherheit garantieren. Diese Vorstellung führe zu einem neuen und kaum kontrollierbaren Wettrüsten. Dem stellte er einen anderen Begriff von Frieden gegenüber: „Friede ist jedoch kein Kräftegleichgewicht, sondern wird jeden Tag durch Dialog und Gerechtigkeit geschaffen“. Frankreich rief Leo XIV. dazu auf, sich nicht mit dem Krieg als Möglichkeit abzufinden und ihn nicht für „unvermeidlich“ zu halten. Dialog und Diplomatie müssten gepflegt werden, um Gesellschaften zu bewahren, in denen die Würde und die Rechte der Menschen und der Völker geachtet würden. Angesichts der Krisen und des „Kriegsgetöns“ habe Frankreich die Berufung, ein Verfechter des Friedens und des Multilateralismus zu bleiben, insbesondere in Europa. Am Ende seiner Ansprache nahm Leo XIV. noch einmal den französischen Wahlspruch auf. Frankreichs Freiheit solle im Streben nach dem Gemeinwohl wachsen, seine Brüderlichkeit die gesamte Menschheit umfassen und seine Gleichheit auf dem Fundament von Gerechtigkeit und Liebe stehen. Die Unterschiede zwischen den Menschen sollten dabei nicht beseitigt, sondern zum Wohl der gesamten Gesellschaft fruchtbar gemacht werden. Leo XIV. dankte dem französischen Präsidenten und den Teilnehmern der Begegnung und griff dabei Worte auf, die der französische Präsident 2018 an die Bischöfe Frankreichs gerichtet hatte: „eine Kirche, die beabsichtigt, sich für zeitliche Angelegenheiten nicht zu interessieren, ihre Berufung nicht erfüllen würde; und ein Staatspräsident, der sich für die Kirche und die Katholiken nicht interessieren will, würde seine Pflicht nicht erfüllen“. Mit dem Gebet für Frankreich schloss die Begegnung. Leo XIV. vertraute seine Wünsche der Fürsprache der Jungfrau Maria, der Hauptpatronin Frankreichs, an und schloss mit den Worten: „Gott segne Frankreich und alle Franzosen!“
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
| |||
![]() | ||||||
© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz | ||||||