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Vatikan will Versöhnung mit Priesterbruderschaft St. Pius X.

vor Minuten in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Brief von Kardinal Castrillón Hoyos an Bischof Fellay


Vatikan (kath.net/Zenit.org)
Der Heilige Stuhl hat an den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. einen Brief übersandt, in dem er diesen bittet, als entscheidende Bedingung zur beiderseits gewünschten Versöhnung konsequent die gegenseitigen Beziehungen zu beachten.

Dieses von Darío Kardinal Castrillón Hoyos, dem Präfekten der Kleruskongregation und Präsidenten der Kommission Ecclesia Dei unterzeichnete und den Generaloberen Bischof Bernard Fellay adressierte Schreiben ist die Reaktion auf im Internet und anderen Medien veröffentliche Erklärungen seitens von Mitgliedern dieser von dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten traditionalistischen Bruderschaft.

Die Kommission Ecclesia Dei wurde 1988 von Papst Johannes Paul II. nach den illegitimen Bischofsweihen in Ecône durch das Motu Proprio "Ecclesia Dei" errichtet.

Erste Kontakte

Das auf den 5. April datierte Schreiben beginnt mit einer Zusammenfassung der Kontakte, Ereignisse und bisher unternommenen Schritte seitens Kardinal Castrillón und der Priesterbruderschaft, deren Beginn auf die Jubiläumswallfahrt selbiger Bruderschaft nach Rom im August 2000 zurückgeht.

Als der Kardinal per Zufall von dieser Wallfahrt erfuhr, lud er spontan die vier von Lefebvre geweihten Bischöfe zu einer ersten Begegnung ein, zu dem außer dem Generaloberen Bischof Fellay selbst tatsächlich zwei weitere (Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson) kamen. Diese Begegnung weckte die Hoffnung auf eine bevorstehende Lösung und Versöhnung, da die drei Bischöfe keinerlei doktrinäre Einwände erhoben.

Am 29. Dezember 2000 fand eine weitere Begegnung zwischen dem Kardinal und Bischof Fellay statt, bei der man über ein eventuelles Lösungsmodell als Frucht des zu Ende gehenden Großen Jubiläums sprach.

Tags darauf empfing Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. den Generaloberen der Priesterbruderschaft in Audienz in seiner Privatkapelle, woraufhin in Anwesenheit eines der persönlichen Sekretäre Seiner Heiligkeit und des Präfekten der Kleruskongregation Bischof Fellay ein Protokoll über eine eventuelle Vereinbarung mit dem Heiligen Stuhl unterzeichnete.

Drei Punkte werden dort angeführt und zwar der "Wille, voll und ganz katholisch zu sein, die Anerkennung von Johannes Paul II. als Nachfolger Petri und die Bereitschaft, sich seiner Autorität zu unterstellen und als Drittes die Akzeptanz des Zweiten Vatikanums, obschon unter Vorbehalt der dort in einigen Punkten bestehenden Schwierigkeiten".

Unter diesem Vorbehalt erklärte Bischof Fellay, dass die Bruderschaft bei einer Rückkehr in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche weiterhin gegen Modernismus und den Einfluss der Freimaurerei kämpfen werde. Weiter erklärte er, dass die Messe Pauls VI. sich über vieles ausschweigt, was der "Protestantisierung" Tür und Tor geöffnet habe. Auch legte er formellen Widerspruch gegen den erneuerten Firmritus ein und lehnte die "Religionsfreiheit", wie sie auf dem Konzil erklärt wurde, ab, wie auch eine Form der Ökumene, welche die Vorstellung der einzigen Kirche opfert unter der Gefahr einer protestantischen Mentalität".

Im Falle der Annahme dieses Protokolls schlug der Kardinal dem Heiligen Vater vor, die Exkommunikation der Priesterbruderschaft St. Pius X. aufzuheben und sie als eine Gesellschaft des Apostolischen Lebens mit Sonderritus anzuerkennen unter Befolgung des seinerseit von Erzbischof Lefebvre und Kardinal Ratzinger unterzeichneten Protokolls, dass somit in Kraft treten würde. Der Erzbischof hatte 1988 nach der Unterzeichnung in letzter Minute einen Rückzieher gemacht und dann doch vier Bischöfe ohne Erlaubnis Roms geweiht.

Tags darauf trafen sich Bischof und Kardinal Castrillón erneut, um über die Schwierigkeiten eines solchen Versöhnungsprozesses innerhalb der Priesterbruderschaft zu sprechen. Da keine doktrinären Schwierigkeiten bestanden, die zur Häresie hätte führen können, fasste man als eventuelles Datum der Wiedereingliederung Ostern 2001 ins Auge.

Die Offenheit und der Dialog seitens des Kardinals, so heißt es dann in dem Schreiben, dürften allerdings nicht wie in der Öffentlichkeit und den Medien seitens der Bruderschaft geschehen als "eine Bekehrung der Römischen Kirche" betrachtet werden, "die nun das "depositum fidei" im Schoße der Priesterbruderschaft St. Pius X. sucht".

Aufgrund der Fortschritte ernannte der Papst als Mitglieder der Kommission Ecclesia Dei die Kardinäle Joseph Ratzinger, Jorge A. Medina, Louis-Marie Billé und Erzbischof Julián Herranz.

Der Bruch

Einige Tage später entsandte Bischof Fellay an den in Rom stationierten Sekretär der Bruderschaft, Pater Sevigny zu Kardinal Castrillón Hoyos, um diesem ernsthafte Vorbehalte und scharfe Kritik an der Messe Pauls VI. zu übermitteln und den Versöhnungsprozesse zu stoppen, wenn zuvor nicht die Exkommunikation aufgehoben und allen katholischen Priestern gleichermaßen die Messe nach dem Missale des hl. Pius V. erlaubt würde.

Inkonsequente Erklärungen

In diesem Zusammenhang haben Mitglieder der Bruderschaft, unter anderem Bischof Fellay selbst öffentlich von einem Prozess gesprochen, der nichts anders als eine "Falle" sei und beschuldigen den Heiligen Stuhl und den Papst, den Glauben der Kirche zu verraten.

Der Kardinal zitiert Fellay, der gesagt habe, "es sei unleugbar, dass das schlechte Funktionieren innerhalb der katholischen Hierarchie, [...], die Lücken, das Schweigen, die Verallgemeinerungen, das Tolerieren von Irrtümern und sogar aktiver Zerstörungsakte sogar in der Kurie vorzufinden sind und leider auch beim Vikar Christi selbst".

Fellay beschuldigt den Papst zum Beispiel, gewisse falsche Formen der Ökumene zu fördern, deren Konsequenz seiner Meinung nach folgende ist: "Tausende und Millionen von katholischen Gläubigen, die abgefallen sind, sind aufgrund dieser Schwächen Roms verdammt. Das macht uns große Sorgen".

Ein guter Teil der scharfen Kritik der Bruderschaft am Papst gilt der heutzutage von der katholischen Kirche gefeierten Liturgie: "Wir lehnen die neue Liturgie ab, da sie unseren katholischen Glauben selbst in Gefahr bringt", so Pater Benoît de Jorna, der Präses des Priesterseminars St. Pius X. in Écône in einem Interview vom 15. Mai 2001.

In seinem Schreiben geht Kardinal Castrillón detailliert auf die ganze Problematik ein und liefert eine im Lichte der Kirchenväter und der Theologie des heiligen Thomas von Aquin fundierte Antwort auf solcherlei Aussagen, welche eine "contradictio in terminis" bezüglich der Anerkennung der Autorität des Vikars Christi darstellen.

Der Präfekt der Kleruskongregation beschließt sein Schreiben mit der Bitte um eine erneute Begegnung mit Bischof Fellay. Der Heilige Stuhl sei ganz offen für eine wirkliche Versöhnung wie dies zum Beispiel der Fall war am 18. Januar, als die Priester von Campos in Brasilien zur vollen Gemeinschaft zurückgekehrt sind.

Es handelt sich um eine traditionsverbundene Gemeinschaft, die in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern wirkt und nun den rechtlichen Status einer Apostolischen Personaladministration genießt.



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