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Wörter, 'vor denen es einer Sau graust'

24. Jänner 2014 in Chronik, 8 Lesermeinungen
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„Sprachpapst“ Wolf Schneider kämpft für eine einfache und „saftige“ Sprache bei der Verkündigung: „Ehe Sie in einer Predigt fünfsilbige Wörter verwenden, machen Sie fünf Liegestütze!“


Schwäbisch Gmünd (kath.net/idea) Ein einfachere und konkretere Sprache empfahl der oft als „Sprachpapst“ titulierte Journalist Wolf Schneider (Starnberg bei München) am 18. Januar beim (überwiegend protestantischen) 3. Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd.

Bei Verlautbarungen von Bischöfen und Professoren habe er vielfach den Eindruck, dass Unverständlichkeit inzwischen als Nachweis von Wissenschaftlichkeit gelte. Formulierungen von Kirchenleitern wie „kybernetisch-missionarische Kompetenz“ oder „situationsbezogene Flexibilität“ seien Wörter, „vor denen es einer Sau graust“. Begriffe zu verwenden wie diese, die nur fünf Prozent der Deutschen verstünden, seien akademischer Hochmut und „die Pest“.

„Viersilbige große Gefühle gibt es nicht!“

Wer behaupte, Schwieriges lasse sich nicht einfach ausdrücken, solle sich an Texten von Franz Kafka, Bertolt Brecht oder Martin Luther ein Beispiel nehmen. Schneider ermutigte zu „kurzen, konkreten und saftigen“ Wörtern und zu „schlanken und transparenten“ Sätzen. Alle großen Gefühle wie Hass, Neid, Gier, Qual, Glück oder Lust seien Einsilber. Schneider: „Viersilbige große Gefühle gibt es nicht!“ Daher sollte mit Einsilbern und in Hauptsätzen predigen und schreiben, wer Leser und Hörer erreichen wolle. Als Faustregel empfahl er Predigern: „Ehe Sie in einer Predigt fünf Silben verwenden, machen Sie fünf Liegestütze!“


„Der Anglo-Wahn ist allerorten“

Kritisch äußerte sich Schneider auch zu Anglizismen und einer geschlechtergerechten Sprache. Dass Mechanismen bei manch großen deutschen Autokonzernen nur noch auf Englisch erklärt würden, sei „töricht“. Dass die Deutsche Post, die zu 98 Prozent für deutsche Bürger arbeite, vieles englisch bewerbe, sei „Wahnsinn“. Schneider: „Die Anglo-Wahn ist allerorten.“ So würden Personalabteilungen in vielen Unternehmen neuerdings als „Human Ressources Departments“ bezeichnet. Mit Schadenfreude sehe er manche Werbung, in der mit falschem Englisch Produkte angepriesen würden. Hinzu käme, so Schneider, dass 60 Prozent der Deutschen gar kein Englisch können und damit solche Werbung gar nicht verstehen. Schneider erinnerte daran, dass Deutsch immer noch auf Platz vier der am meisten gelernten Sprachen weltweit steht - nach Englisch, Spanisch und Chinesisch.

Gender-Sprache führt zu „lächerlicher Verumständlichung“ des Deutschen

Zur Gender-Sprache habe er eine „kriegerische Meinung“, erklärte der Journalist, weil dies zu einer „lächerlichen Verumständlichung“ des Deutschen geführt habe. Alice Schwarzer und einem kleinen Klüngel von Feministinnen sei es gelungen, dies anzustoßen, weil sie den Eindruck hatten, dass die Frau in der Sprache benachteiligt werde. Zudem sei es töricht, das natürliche mit dem grammatikalischen Geschlecht in Verbindung zu bringen. Schneider: „Der Inbegriff aller Weiblichkeit ist sächlich: das Weib.“

Pfarrer und Journalisten sollten sich ein Beispiel an der Verständlichkeit der Sprache Martin Luthers (1483-1546) nehmen, erklärte der Protestant. Luthers klare Sprache zu übertreffen sei zwar unmöglich. „Die Frage ist nur, ob die Mehrheit der Würdenträger so weit dahinter zurückbleiben muss, wie ich es hundertfach erlebe.“ Schneider empfahl Pastoren und auch Journalisten, möglichst täglich in der Lutherbibel zu lesen. Da der Reformator auf Latein Theologie studiert habe, sei sein Deutsch „unverdorben“ geblieben.


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