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Ist Tansania das nächste Ziel eines radikalen Islam?

17. Februar 2014 in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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Bischof Mfumbusa, Bischof in Tansania, berichtet im Interview mit „Kirche in Not“ von besorgniserregenden Anzeichen für das Aufkommen eines extremistischen Islam. Von Joop Koopman


Wien-München (kath.net/KIN) Bernadin Francis Mfumbusa (Foto) Bischof der Diözese Kondoa im Herzen Tansanias. Seit Generationen leben dort alle Religionen friedlich zusammen. In den letzten Jahren gibt es jedoch besorgniserregende Anzeichen für das Aufkommen eines extremistischen Islam. Im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärt Bischof Mfumbusa die Hintergründe dieser Entwicklung.

KIN: Herr Bischof, Sie waren vor Kurzem anlässlich eines Jubiläums auf den Tansania vorgelagerten Inseln von Sansibar, wo der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist. Beobachten Sie dort eine Zunahme extremistischer Tendenzen?

Bischof Mfumbusa: Ja, aber diese Bedrohung sollte im Zusammenhang gesehen werden. Denn erstens sind die Spannungen zwischen Christen und Muslimen auf Sansibar nichts Neues: Einige Muslime beanspruchen den Archipel für sich und behaupten, der Islam sei die Religion Sansibars. Zweitens ist die Radikalisierung eines bestimmten Teils der Bevölkerung von Sansibar Teil eines weltweiten Trends, also kein rein lokales Problem. Und drittens haben religiöse Spannungen immer auch eine politische Dimension, da einige Gruppen sich selbst als Verteidiger der „Werte Sansibars“ darstellen und gemeint sind damit die Werte und Prinzipien des Islams. Allerdings würde die große Mehrheit der Bevölkerung auf Sansibar lieber in Frieden leben, da Extremismus eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft ist – nicht nur für Christen.

KIN: Haben Sie Sorge, dass solche dschihadistischen Elemente für Probleme auf dem Festland sorgen könnten?

Mfumbusa: Die Möglichkeit, dass es auf dem Festland von Tansania Probleme geben wird, ist genauso real wie in London oder New York. Im vergangenen Jahr wurde auf eine katholische Kirche in Arusha ein Bombenattentat verübt. Die Täter laufen immer noch frei herum. Kürzlich stand in der Zeitung, dass in Tanga, einer wichtigen Hafenstadt, Angehörige der Al-Shabaab-Miliz, einer militanten Organisation aus Somalia, gesehen wurden. Die größte Gefahr im Augenblick ist die Infiltrierung durch ausländische Dschihadisten und die Rückkehr tansanischer Radikaler, die außerhalb des Landes in Trainingscamps waren.


KIN: Nehmen Sie eine größere Bedrohung für Tansania wahr, jetzt da extremistische Muslime sich ihren Weg nach Mali, Nigeria, in die Zentralafrikanische Republik und andere Staaten gebahnt haben? Welche Kräfte stecken hinter diesem importierten radikalen Islam?

Mfumbusa: Tansania hat mit schätzungsweise 35 Prozent einen großen muslimischen Bevölkerungsanteil. Eine Gruppe, die auf Kisuaheli „Uamsho“ („Erwachen“) heißt, schürt die Gewalt, speziell in Sansibar. Flugblätter mit Botschaften, die sich konkret gegen Christen und christliche Einrichtungen wenden, wurden sichergestellt. Auf dem Festland wurde wenigstens ein Radiosender verboten, weil er zu religiös motivierter Gewalt anstachelte. Die Geldmittel für diese Aktivitäten scheinen aus dem Ausland zu stammen, und die Straßen werden von Medien überflutet, die Muslime zu Gewalt gegen Kafir, also Nicht-Muslime, ermutigen.

KIN: Was geschieht mit dem friedlichen Islam, der so lange charakteristisch für Afrika war?

Mfumbusa: Ein bekannter ugandischer Politikwissenschaftler, Mahmoud Mamdani, hat ein Buch mit dem Titel „Guter Moslem, böser Moslem“ geschrieben. Darin warnt er unter anderem vor der Gefahr, die Thematik zu stark zu vereinfachen. Es gibt eine extremistische Randgruppe, das ist richtig, aber die große Mehrheit der Muslime ist friedfertig.

In meiner Stadt Kondoa sind über 90 Prozent Muslime. Rund 80 Prozent meiner eigenen Familienmitglieder sind Muslime. Und bis jetzt sind wir miteinander gut ausgekommen. Das größte Problem ist der Einfluss von außen, der neue Interpretationen und sogar neue Formen der Ausübung des Islam mit sich bringt.

KIN: Wie erklären Sie den Hass einiger Muslime auf Christen und ihren Glauben?

Mfumbusa: Einige muslimische Gelehrte sagen, der Islam sei die ursprüngliche Religion Afrikas. In Wahrheit wurde der Islam im 7. Jahrhundert in Folge von Eroberungszügen nach Nordafrika gebracht und gelangte über arabische Händler nach Ostafrika. Der Hass von Muslimen auf Christen kann auf eine totalitäre Tendenz zurückgeführt werden, alle Nicht-Muslime auszulöschen. Das geschah in Nordafrika während der frühen Anfänge des Islam.

Einige muslimische Anführer behaupten, Muslime würden von Christen an den Rand gedrängt. Damit begründen sie Interventionen wie vor kurzem in der Zentralafrikanischen Republik durch die muslimischen Séléka-Rebellen, deren Raubzüge unter dem Vorwand stattfanden, Muslime schützen zu wollen.

Christen sind die Sündenböcke für alles, was in der muslimischen Bevölkerung nicht stimmt – und die Demagogen nutzen solche Argumente, um die Menschen in den Hass zu treiben.

KIN: Wie kann die Kirche dazu beitragen, Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen?

Mfumbusa: In Tansania gibt es auf verschiedenen Ebenen einen interreligiösen Dialog. Auf nationaler Ebene gibt es einen multikonfessionellen Ausschuss, in dem Glaubensführer aller Religionen zusammenkommen. Sogar hier in meiner Diözese in Kondoa haben wir einen Ausschuss, der sich mit interreligiösen Problemen beschäftigt. Außerdem ist die Kirche offen für alle Menschen, die ihre Einrichtungen wie Schulen, Universitäten oder Krankenhäuser nutzen möchten.

KIN: Hatten Sie selbst bereits schon einmal unter den Extremisten zu leiden?

Mfumbusa: Das Böse ist Teil des menschlichen Lebens, und niemand kann dem entgehen. Es ist leichter, von den Schrecken des Krieges, von Hass, Hunger und so weiter zu hören, wenn das in weit entfernten Ländern geschieht.

Ich habe persönlich eine Tragödie durchlebt, als Pater Ambroce Mkenda am Heiligabend 2012 angeschossen und schwer verletzt wurde. Sein Verbrechen war es offensichtlich, katholischer Priester auf Sansibar zu sein. Ich kenne ihn gut, wir waren Ende der 1980er-Jahre zusammen im Priesterseminar. Tatsächlich ist es so, wie manche sagen: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

KIN: Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Gaben des afrikanischen Katholizismus – und können diese für die Kirche im Westen von Vorteil sein?

Mfumbusa: Ich denke, eine der größten Gaben des tansanischen Katholizismus ist die Einigkeit. Trotz ethnischer, regionaler und anderer Unterschiede akzeptieren die Gläubigen beispielsweise problemlos Seelsorger und Bischöfe aus anderen Landesteilen oder anderen ethnischen Gruppen. Eine andere Gabe, die man anderenorts nachahmen könnte, sind unsere ‚Kleinen Christlichen Gemeinschaften‘, die zur kraftvollen Verkörperung der lokalen Kirche unseres Landes geworden sind.

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Das Hilfswerk „Kirche in Not“ bittet um Spenden für die Arbeit der Kirche in Tansania.

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto von Bischof Bernadin Francis Mfumbusa (c) KIRCHE IN NOT


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Lesermeinungen

 speedy 20. Februar 2014 
 

haette niemand angefangen Kolonien zu betreiben ausserhalb seines Landes, wäre es bestimmt friedlicher in der Welt. die Kolonialisierung heutzutage besteht darin irgendwelche"Friedens"Truppen irgendwo hin zu schicken


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 bratfisch 17. Februar 2014 
 

Interesse in Ö

Tanzania und Sansibar sind doch die Lieblingsurlaubsziele der Österreicher. Zuerst einige Tage Safari in Tanzania und dann 1 oder 2 Wochen Badeurlaub auf Sansibar. Die werden nicht erfreut sein, wenn sie nicht mehr im Bikini am Strand liegen können.

Trauig dass auch hier schon das Christentum in Gefahr ist.


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