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Völkermord: Türkische Christen bitten Armenier um Vergebung

25. April 2015 in Chronik, keine Lesermeinung
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„Wir flehen euch an, wenn ihr könnt, uns und unseren Vorfahren für diese Verbrechen zu vergeben“, erklärten türkischen Christen in Anwesenheit von armenischen Evangelikalen


Eriwan/Manila (kath.net/idea) Türkische Christen haben Armenier um Vergebung für den Völkermord gebeten, den ihre Vorfahren vor 100 Jahren an Aramäern, Armeniern und Griechen begangen haben. Bei einem Besuch in der armenischen Hauptstadt Eriwan legten sie einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Rund 1,5 Millionen Christen waren 1915 und 1916 Opfer von Massenmord, Deportation und Vertreibung im Osmanischen Reich geworden, dem die heutige Türkei entstammt. Diese leugnet den Völkermord. „Wir flehen euch an, wenn ihr könnt, uns und unseren Vorfahren für diese Verbrechen zu vergeben“, erklärten die türkischen Christen in Anwesenheit von armenischen Evangelikalen. Diese bildeten mit ihnen einen Kreis um die Gedenkstätte. Der Besuch in Eriwan war Teil einer Versöhnungsinitiative von türkischen und armenischen Evangelikalen. Sie war von türkischen Pastoren, meist mit muslimischem Hintergrund, und Exil-Armeniern in den USA gestartet worden, wie der Informationsdienst World Watch Monitor berichtet. Nach Angaben eines armenischen Pastors wurden bei dem Besuch zum ersten Mal gemeinsame Gebete auf Türkisch und Armenisch gesprochen.


Völkermord hatte auch religiöse Ursachen

Der Völkermord, in den auch Deutschland als Verbündeter des Osmanischen Reiches verwickelt war, hatte nicht nur politische und ethnische Ursachen, sondern auch religiöse. Das armenische Reich hatte als erstes im Jahr 301 das Christentum zur Staatsreligion erhoben. In der Türkei bilden Christen heut eine kleine Minderheit. Von den rund 75 Millionen Einwohnern sind 95 Prozent Muslime; die Zahl der Christen liegt bei 120.000. Von den 3.000 bis 5.000 evangelischen Christen hat die Mehrheit einen muslimischen Hintergrund. Armenien hat rund drei Millionen Einwohner. Davon gehören etwa 94 Prozent der orthodoxen Kirche an. Die übrigen sind Mitglieder anderer christlicher Konfessionen sowie Jesiden und Muslime.

Evangelikale: Der Völkermord wiederholt sich heute

Auch die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) gedenkt des Völkermordes an Aramäern, Armeniern und Griechen, der am 24. April 1915 begann. Der Generalsekretär der Dachorganisation von mehr als 600 Millionen Evangelikalen, Bischof Efraim Tendero (Manila/Philippinen), vergleicht in einem Offenen Brief die damaligen Massaker mit der heutigen Verfolgung von tausenden Christen im Nahen und Mittleren Osten. Man trauere mit allen nicht-muslimischen Minderheiten im Irak, in Syrien und deren Nachbarländern, die von islamischen Terroristen vertrieben und getötet werden. Heute wiederhole sich der Völkermord von vor 100 Jahren, so Tendero.

Bundespräsident: Es war ein Völkermord

Um die Frage, ob die damaligen Massaker als Völkermord gelten, sind heftige Kontroversen entbrannt, weil die Türkei diese Bezeichnung ablehnt. Daraus könnten diplomatische Probleme entstehen. Bundespräsident Joachim Gauck wählte aber dieses Wort bei einem ökumenischen Gottesdienst am 23. April in Berlin. Er sprach auch von einer deutschen „Mitverantwortung“ oder gar „Mitschuld“. Die großen Kirchen und die Deutsche Evangelische Allianz haben ebenfalls ihre Trauer über den Völkermord zum Ausdruck gebracht.

ZDF: Bundespräsident Gauck - Massaker an Armeniern war Völkermord - Mit kurzem Hintergrund zu Völkermordbenennung durch Bundesregierung


ARD Hintergrund: Völkermord an den Armeniern durch die Türken



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