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Ehe ‚Der Spiegel‘ Evangelikale würdigt, ‚wird der Papst evangelisch‘

26. Mai 2015 in Deutschland, 1 Lesermeinung
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Theologe: Das Blatt diffamiert die Bewegung, regt aber auch zur Selbstkritik an.


Horn-Bad Meinberg (kath.net/ idea)
„Bevor ‚Der Spiegel‘ einen sachlich neutralen oder gar wohlwollenden Artikel über evangelikale Christen veröffentlicht, wird der Papst evangelisch – wobei Letzteres vielleicht sogar noch wahrscheinlicher ist.“ Mit diesen Worten hat der Vorsitzende der evangelikalen Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen, der Theologe Michael Kotsch (Horn-Bad Meinberg), „den neuesten Anti-Evangelikalen-Artikel“ des Nachrichtenmagazins vom 16. Mai kommentiert. Darin heißt es zu konservativen Christen, sie „irritieren die Amtskirche und begeistern Populisten von Pegida bis AfD“.

Sie propagierten „in Sachen Ehe, Sex und Erziehung erfolgreich erzkonservative Werte“. Ihre Gemeinden erlebten in Deutschland großen Zulauf. Vor allem in den Kleinstädten um Dresden sei „eine Art Bibelgürtel entstanden, der an den ‚Bible Belt‘ in den südlichen USA erinnert, weil konservative, mitunter auch fundamentalistische Einstellungen religiös wie politisch die Region prägen“. 1,3 Millionen Anhänger seien innerhalb der Deutschen Evangelischen Allianz zusammengeschlossen, die sich „als Zentralorgan der Evangelikalen versteht“. In Städten wie Dresden und Berlin suchten konservative Christen Allianzen mit Pegida und AfD.


Wovor sich links-intellektuelle Leser des „Spiegel“ fürchten

Wie Kotsch – er ist auch Vorsitzender des theologisch konservativen Bibelbundes – dazu gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erklärte, wird in dem Beitrag alles aufgefahren, wovor sich links-intellektuelle Leser des Magazins fürchteten - „vor dem Glauben an Gott als real existierender Person, vor Menschen, die mit Begeisterung in die Kirche gehen und dort sogar noch Geld spenden, vor ethischen Maßstäben aus der Bibel und politisch konservativen Christen in der Politik.“ Eigentlich könnten sich, so Kotsch, Evangelikale über den „Spiegel“-Beitrag auch freuen. Immerhin attestierten die Journalisten ihren Gemeinden eine große Beliebtheit: „Bei rund 1,3 Millionen Evangelikalen – 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung – ist das allerdings eine sehr relative Aussage.“ Immerhin zählten sich 4,5 Millionen Bürger in Deutschland zum Islam.

Politischen Einfluss der Evangelikalen übertrieben dargestellt

Als verfehlt bezeichnet es Kotsch, dass der Spiegel Vergleiche zieht zum „Bibelgürtel“ im Süden der USA, wo 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung evangelikale Gemeinden besuchten. Dies solle „wohl bei den linken Stammlesern ein Gruseln hervorrufen“. Außerdem werde der politische Einfluss „der stark zersplitterten Evangelikalen“ in Deutschland „bewusst übertrieben dargestellt“.

Es bleibe eine leere Behauptung, dass ein größerer Teil der Pegida- und AfD-Anhänger aus dem evangelikalen Umfeld stamme. Einer statistischen Erhebung der Technischen Universität Dresden zufolge bestehe die große Mehrheit der Pegida-Demonstranten aus besserverdienenden Konfessionslosen. Kotsch: Kritik an stark charismatischen Gemeinden ist berechtigt Kotsch zufolge ist jedoch manche Kritik in dem Beitrag berechtigt. So sei es völlig zutreffend, „dass insbesondere in stark charismatischen Gemeinden einige äußerst problematische Praktiken und Anschauungen zu finden sind“. Zurecht kritisierten die Journalisten „die übertriebene Heilungs- und Wundersucht“. Oft würden hier „Dämonen diagnostiziert und ausgetrieben, die es gar nicht gibt“. Außerdem werde versucht, Gesundheit und Wohlstand „mit zweifelhaften esoterischen Methoden zu erzwingen“. Die weithin propagierte Gleichsetzung unverständlichen Stammelns mit dem biblischen Zungenreden sei ebenfalls diskussionswürdig.

Kotschs Fazit: „Auch wenn die typische Evangelikalen-Diffamierung des Spiegel als journalistisch unseriös eingeordnet werden muss, können durchaus berechtigte Aspekte dieser Pauschalkritik zu einer immer wieder nötigen Selbstreflektion christlicher Kreise beitragen.“


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