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Die Fundamente lösen sich auf

27. Mai 2016 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Über den Niedergang gesellschaftlicher Institutionen - Der Papst als Star für die Luther-Party 2017? idea-Kommentar von Gerhard Besier


Wetzlar (kath.net/idea) Viele Deutsche machen nicht mehr mit – nicht bei der Familie, nicht bei den Kirchen und auch nicht mehr bei den Parteien und Gewerkschaften. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebten die traditionellen Säulen der Gesellschaft einen beispiellosen Niedergang. Diese Entwicklung zeichnete sich seit langem ab, eine Gegensteuerung wurde aber nur halbherzig betrieben. Die Zeiten änderten sich eben, hieß es, und nur ewig Gestrige stemmten sich gegen die Modernisierungsbewegungen der jüngeren Generationen. Dabei hatte es etwas Gespenstisches, diese allmähliche Aushöhlung der tragenden gesellschaftlichen Säulen zu beobachten, deren Akteure ungerührt mit ihrer Alltagsroutine fortfuhren – einfach so weitermachten wie immer, obwohl immer weniger mitmachten.

Angebote ohne Nachfrage

Zuerst nahm das Interesse am kirchlichen Leben ab. Der Gottesdienstbesuch, die Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen waren immer weniger gefragt. Diese Beschreibung ist nicht beliebig, denn in unserer ökonomisierten Welt orientiert sich der Wert eines Unternehmens nun einmal daran, ob das offerierte Angebot auf genügend Nachfrage trifft. Wenn das nicht der Fall ist und alle Reformversuche scheitern, muss der Betrieb in Konkurs gehen – eigentlich. Denn was sich in der Welt der Wirtschaft als verheerend erwiesen hat, wird im Bereich der Kultur und der Politik eifrig weiterbetrieben – eine massive staatliche Subventionierung mit Steuergeldern, um das Aus des Betriebs zu verhindern.


Der Papst als Star für die Luther-Party 2017?

Dabei gibt es oft kaum Hoffnung für ein längerfristiges Überleben. Ein Beispiel: Die Lutherfeier 2017 wird mit öffentlichen Geldern stark „gefördert“, wie das offiziell heißt. Die Werbemaßnahmen sind in vollem Gang, die Profis haben ganze Arbeit geleistet, kaum jemand kann die große Ankündigung der kommenden Luther-Party übersehen. Aber wie sieht es mit den Inhalten aus? Wenn in einer großen, eher konservativen Tageszeitung zu lesen ist, dass ein innovativer theologischer Beitrag, vor allem einer seitens der Systematischen Theologen, bisher ausblieb, dann ist das eine alarmierende Diagnose. Es geht eben nicht nur darum, öffentlichkeitswirksame, aber inhaltsleere Symbolhandlungen zu zelebrieren, sondern neue Einsichten zu präsentieren – Impulse zu geben, die das Interesse an der evangelischen Kirche wieder wecken. Stattdessen brütet man in den oberkirchenrätlichen Hinterzimmern, ob man den Papst einladen solle. Warum wohl? Franziskus ist kein theologischer Denker wie sein Vorgänger, aber ein für diese Medienkultur passgenauer Pastoral-Entertainer. Er kommt an. Aber wird er nicht den blassen Figuren auf protestantischer Seite die Schau stehlen? Das ist die Abwägung: Soll der Papst die Luther-Feier zu einem internationalen Medienereignis machen und so den Protestantismus retten – wie er auch schon Europa retten sollte? Oder begnügt man sich mit dem nationalen Rahmen und riskiert, dass spannendere Angebote der Luther-Feier die öffentliche Aufmerksamkeit entziehen werden? Offenbar spielt es eine nachgeordnete Rolle, dass es nach wie vor schwerwiegende inhaltliche Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten gibt, da sie von den Gläubigen ohnedies nicht verstanden werden – ein Versäumnis kirchlicher Bildung. Entscheidend ist: Nur die Katholiken haben einen christlichen Weltstar mit internationaler Strahlkraft, die Protestanten jedoch nur Kirchen-Sternchen wie Margot Käßmann. Muss Luther wirklich vom Papst gerettet werden?

Trotz üppiger Party-Verpflegung kaum Gäste – aber die Lobbyisten der Kirche sind da

Die Kirchen sind nur ein Beispiel für die Überlebensstrategien einfallsarmer Institutionen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen. Was heute gut läuft, sind soziale Medien, Sportveranstaltungen und inszenierte Konsumräusche. Die traditionellen politischen Parteien dagegen geraten zunehmend ins Abseits. Sie leiden unter Auszehrung und einem wachsenden Mangel an Glaubwürdigkeit. Gäbe es die üppige Parteienfinanzierung aus dem Staatssäckel nicht, es sähe noch übler aus. Die SPD dümpelt bei 20 Prozent Zustimmung, unter ihren Bundestagsabgeordneten grassieren Überlebensängste. Da die meisten Berufspolitiker ohne berufliche Alternative sind, droht 2017 fast einem Drittel der soziale Absturz. Wie im Falle der Kirchen hat man sich zu lange darauf verlassen, dass alles so weiterläuft wie bisher – mit oder ohne den Beifall des gemeinen Volkes. Die Leute kommen nicht einmal mehr in Massen zum Frühlingsfest der ehemaligen Volkspartei – trotz üppiger Verpflegung durch den Edel-Caterer Käfer. Aber unter den eher wenigen Gästen zeigen die Beauftragten der Kirchen am Sitz der Bundesrepublik Flagge. Hier treffen sie ihre Leidensgenossen – die Bundestagsabgeordneten – und können gemeinsam über das undankbare Volk räsonieren, das ihre doch so ausgezeichneten Offerten einfach verschmäht. Aber noch können sie sich wichtig fühlen, denn noch trägt sie das Amt – so, als ob alles noch im Lot sei, wenigstens für eine kleine Weile.

Der Autor, Gerhard Besier (Dresden), ist habilitierter evangelischer Theologe, promovierter Historiker und Diplom-Psychologe. Er lehrt an verschiedenen europäischen Universitäten und an der Stanford-Universität in Kalifornien.


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Lesermeinungen

 Simon Cyrenaeus 28. Mai 2016 
 

Naherwartung - Marána tha

@Oberaargauer
Ich freue mich über Ihre Zustimmung und danke Ihnen dafür.
Die "wiederbelebte" christliche Naherwartung sollte sich allerdings mehr auf die baldige Wiederkunft Christi und weniger auf den "Weltuntergang" konzentrieren. Dieser ist, wie wir z.B. in Mt 24,29-31 lesen, mit der Wiederkunft des Herrn ohnehin untrennbar verknüpft. Unser ständiger Gebetsruf sollte daher lauten "Marána tha" = "Unser Herr, komm!" (1 Kor 16,22b) bzw. "Amen. Komm, Herr Jesus!" (Offb 22,20b).
Selbst wenn die Hoffnung auf eine baldige Wiederkunft Christi sich auch in unserer Generation (wie in allen bisherigen christlichen Generationen) wieder nicht erfüllt - es lebt sich jedenfalls leichter mit dieser Hoffnung. Speziell auch in Zeiten wie es die unsrigen sind.


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 queenie 27. Mai 2016 
 

Mahatma Gandhi - Our Motto

Die meisten Menschen in allen Religionen glauben an Gott. Insoweit bin ich überhaupt nicht pessimistisch. Die Probleme sind selbst gemachte - alle Seiten eingeschlossen. Deshalb
'Our Motto': 'A customer is the most important visitor on our premises. He is not dependant on us. We are dependant on him. He is not an interruption on our work. He is the purpose of it. He is not an outsider on our business. He is a part of it. We are not doing him a favour by serving him. He is doing us a favour ba giving us an opportunity to do so'.
Gefunden in Mumbai/Indien. Vielleicht
bedenkenswert.


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 Oberaargauer 27. Mai 2016 
 

@Simon Cyrenaeus

Dieser Aussage kann man nur zustimmen. Nirgends in der Bibel wird ein gutes Ende angekündigt, auch wenn dies einige Kirchen so darstellen, wie zum Beispiel die Zeugen Jehowas.

Nein, im Ende werden die meisten Menschen von Gott abfallen...und dieses Ende scheint wirklich gekommen zu sein. Lieber heute als morgen.


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 Stiller 27. Mai 2016 
 

@Baselbieter

..."mehr Engagement"...

Dem stimme ich gewissenhaft zu.


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 Simon Cyrenaeus 27. Mai 2016 
 

Zustand und Zukunft - christlich gesehen

Im Interview-Buch "Gott ohne Volk?", Seite 183, konfrontiert Peter Seewald den Passauer Bischof Stefan Oster mit folgendem Befund des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan: "Die Welt ist in einem fürchterlichen Zustand. Für viele Menschen fällt die Welt auseinander." Dazu meint Bischof Oster: "Ehrlich gesagt erwarte ich mir vom Gang der Weltgeschichte nicht, dass es unbedingt einer glücklichen Zukunft entgegengeht. Die Evangelien sagen voraus, das die Welt in der jetzigen Gestalt katastrophal enden wird. Ob allerdings die endgültige Katastrophe morgen oder in tausend Jahren eintritt, das wissen wir nicht."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass der christliche Glaube dringend wieder einer "Aktivierung" der sogenannten Naherwartung bedarf!


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 Baselbieter 27. Mai 2016 
 

Die Zustands-Analyse

ist wahrscheinlich in Bezug auf die "grossen" Institutionen richtig.
.
>> Indessen ist "vor Ort" (und auch in den Kirchengemeinden) mehr Engagement spürbar als noch vor 50 Jahren.


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