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Türen auf!

16. Dezember 2016 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Bene.Dicta im Advent: Zehn Tage vor dem Heiligen Abend bemerke ich, dass mein Advent ganz schön gottlos ist. Die Geschichte einer alltäglichen Errettung. Von Petra Knapp-Biermeier.


Linz (kath.net)
Ich liege wach. In dem berühmten Spalt, genau in der Mitte unseres extrabreiten Doppelbettes. Unser Jüngster hustet mir im Viertelstundentakt ins linke Ohr, der Mittlere liegt nun quer ausgestreckt über meinen Beinen, nachdem er gerade das Abendessen herausgekotzt hat. Mein Mann ist ins Kinderzimmer ausgewandert, dafür liegt die Große jetzt auf der Matratze am Boden, denn sie wollte einfach dabei sein. Die Waschmaschine läuft einen Stock tiefer. Es wird still. Nur ich kichere noch über diesen kurzen, absurden, verrückten, unerklärlichen Riesenspaß, den wir gerade noch miteinander hatten, um zwei Uhr früh, mitten im nächtlichen Krankheits-Intermezzo.

Alles beginnt an diesem Mittwochnachmittag, mitten im Advent. Ich kratze eben die letzten Serviettenreste zusammen und starre auf klebrige Finger, Leimkleckse am Tisch und unsere Kunstwerke, die am Heizkörper aufgereiht sind. Als mein Handy läutet, gehe ich im Kopf meine letzten Adventprojekte durch. J. ruft spontan eine Gebetsnacht aus, als Vorbereitung auf ein Event, er startet um 22 Uhr. Meine Kinder spielen Tischfußball, ich koche Tee. Gestern hatte ich noch Fieber und die Vernunft sagt mir, dass ich bald schlafen muss. Um sieben liege ich dann schon.

Drei Stunden später bin ich im Feuer, auf einer dunkelblauen Isomatte am Boden, vor einem Kreuz und einer einzigen Flamme. Die Wanduhr tickt, und es ist so still, so still, so furchtergreifend still. Komm, Heiliger Geist, beten wir, und in Windeseile fliegen meine letzten Tage und Wochen an mir vorbei. Der liebe Advent und ich. O du meine Armseligkeit! Die meisten Geschenke sind mit Liebe gepackt, aber mein Herz, ja, mein Herz ist irgendwo kleben geblieben, zwischen Amazon und Acrylfarben, Vanilleschoten und Sperrholzplatten.


Da ist es nämlich passiert, auf irgendeiner kleinen Kreuzung inmitten meiner vielen Adventwege: Da hat Gott auf mich gewartet und mich deutlich eingeladen zu einem Weg. Und ich habe Nein gesagt und habe eine andere Abzweigung gewählt. Belanglos? Möglich. Unbedeutend? Vielleicht. Facebook statt Bibel? Kein Problem. Menschliche Problemlösungsstrategien anstatt Gottes Kraft? Warum nicht. Über den Glauben reden statt beten? Weiß nicht.

Die Summe macht es aus. Meine vielen kleinen Entscheidungen, die ich einsam und unbemerkt im Herzen getroffen habe, sind nämlich zu einer Weiche geworden. Und die hat mein Leben umgelenkt, nahezu unbemerkt. In dieser Mittwochnacht erkenne ich, dass ich irgendwann das Ruder übernommen habe, die Führung, die Kontrolle über mein Leben, ich genüge mir selbst, ich suche mir Sicherheiten in dieser Welt.

Stopp. Das ist nicht mein Weg. Spricht Gott, mein Herr, mein Schöpfer. Ich bin dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Das sitzt. Das trifft. Nicht nur mich. Irgendwie bewegt es an diesem Abend alle. Und unsere Vergebungsbitten sind länger und detailreicher als sonst. Ich bitte um Vergebung, weil ein paar Dinge in meinem Herzen zu groß geworden sind, die den Platz Gottes besetzt haben.

Jetzt sitze ich beschämt da, auf der Isomatte, und der Heizkörper wärmt meinen Rücken. In meiner Herzensbeziehung zum Herrn des Universums sind meine kleinen Neins weitreichend. Hier, auf dem Boden der Realität Gottes, merke ich, was ich mir so leichtfertig rauben habe lassen, an Reichtum, an Schönheit, an Abenteuer. Und auf dem knorrigen Holzboden drücke ich meine geistliche RESET-Taste und lege Ihm alles neu hin. Hier bin ich. Für Dich. Meine Gebete sind armselig. Ich bin heiser, taste nach Worten, empfinde wenig. Aber ich will so sehr, ich habe Hunger nach dem ewigen Leben, und ich brauche dich so sehr, mein Herr und mein Gott.

Schnitt. An dieser Stelle kommt nämlich Er, der Gott, der ein ganzes Meer einfach zur Seite schiebt, damit Sein geliebtes Volk sicher durchziehen kann. Und Er zeigt, was er drauf hat, wenn wir Ihn anrufen. Es wird nämlich abenteuerlich. Nein, Gott schenkt mir an diesem Abend nicht ein simples gutes Gefühl, damit es mir besser geht. Es ist zäh bis zu dem Augenblick, als ich kurz vor Mitternacht das kleine Wohnzimmer verlasse, wo J. noch bis um 6 Uhr morgens weiterbeten wird.

Nein, in dieser Nacht, da haut Er mich einfach um, in den wenigen Minuten, bis ich Zuhause ankomme. Mit jedem Meter fallen die Schleier, die in den letzten Wochen meinen Blick getrübt haben, auf mich, meine Nächsten, auf Gott. Und ich sehe wieder klar, wer ich in Gottes Augen bin. Sein liebender Blick zieht mir den Boden unter den Füßen weg.

Endlich. Endlich bin ich wieder dort, wo ich hin soll. Dort, wo ich sein will. Zerknirscht, aber reich. Müde, aber befreit. Verschnupft, aber heil. Meine kleinlaute Bereitschaft, Ihm die Ehre geben, Ihm meinen Willen, mein Sein zu übergeben, löst in Ihm eine solche Freude aus, dass Er mich überschüttet mit dem Heiligen Geist. Völlig überrascht von dieser zärtlichen Zuwendung Gottes, von Seiner Freude über mein Leben, lande ich in meiner Wirklichkeit.

Um zwei Uhr morgens kommt dann mein Mann zurück vom Nachtgebet, zu dem er spontan, ungeplant und in ähnlicher geistlicher Verfassung wie ich aufgebrochen ist – befreit, erneuert, heil und froh. Als wir uns aufgeregt wie zwei kleine Kinder austauschen über das, was da gerade bei uns abgeht, beginnt das Brech-Fiasko, und wie zwei Vollprofis wechseln wir Bettwäsche, erzählen Witze und bleiben cool, an diesem Nebenschauplatz, der uns ausnahmsweise nicht den Verstand raubt und uns nicht ablenkt von dieser himmlischen Aufregung, die uns gerade rechtzeitig erfasst hat, an diesem Mittwoch, zehn Tage vor Weihnachten.

Was für ein Geschenk! Gott ist da. Er ist schon da, in deinem Herzen! Suche nicht herum, warte nicht auf günstige Augenblicke. Sprich mit Ihm, hier und jetzt. Bitte um Vergebung, schmeiß deine Herzensgötzen raus, schreibe keine langen Listen für deinen Beichtvater, für irgendwann. Tue es hier und jetzt. Halte dich nicht auf, sondern komme gleich zu Ihm, bitte Ihn um Rat, um Hilfe, um Heil. Er wird dir kein Almosen geben, in dieser Weihnacht. Er zieht dir die falschen Sicherheiten unter den Füßen weg und schenkt dir eine ewige Heimat, wenn du Ihn nur heran lässt. Türen auf! Rufe Seinen Namen an, und Er kommt. Du wirst es sehen. Hier und jetzt.

Jeden Freitag kommentieren auf kath.net in der Reihe BeneDicta Gudrun Trausmuth, Inka Hammond, Isabella von Kageneck, Petra Knapp und Linda Noé wichtige Themen über Gott, die Welt und alles, was die Herzen noch so bewegt.


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