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Marx: Vielleicht „treten wir in eine neue Epoche des Christentums ein“

17. September 2019 in Deutschland, 132 Lesermeinungen
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DBK-Kopf und Papstberater Kardinal Marx: „Es geht nicht nur darum, das und jenes zu verändern. Es geht darum, neu voranzugehen und die alte Austauschreligion zu beenden“.


München (kath.net) Laut Kardinal Reinhard Marx steht das Christentum in Europa vor der Aufgabe, eine neue Art des Sprechens über Gott zu entwickeln: „Es geht nicht nur darum, das und jenes zu verändern. Es geht darum, neu voranzugehen und die alte Austauschreligion zu beenden, die in unseren Köpfen und Herzen stark geblieben ist: Da ist jemand, dem muss ich etwas geben", sagte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag, 15. September, in der Pfarrkirche St. Sylvester in München-Schwabing. Das berichtet das Erzbistum München in einer Presseaussendung. Laut Presseaussendung fragte Marx, der auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sowie Berater im Kardinalsrat von Papst Franziskus ist, weiter: „Wie können wir heute noch von Gott sprechen? Was wird kommen in den westlichen Ländern, in Europa, nach der Zeit, in der wir vielleicht zu selbstverständlich und oberflächlich das Wort ‚Gott' im Mund geführt haben?", fragte der Kardinal und gab mit den Worten des tschechischen Soziologen und Religionsphilosophen TomᚠHalík die Antwort: „Eine lange, lange Reise in die Tiefe." Vielleicht, so der Erzbischof, „treten wir doch in eine neue Epoche des Christentums ein."


Gleichzeitig warnte Kardinal Marx vor Engführungen, die man aktuell in der Gesellschaft beobachten könne: „Religion, auch das Christentum, wird neu benutzt für politische und kulturelle Identität, die man sonst nicht gewährleisten kann. Es wird Sicherheit gesucht, indem man sich auf die religiöse Tradition beruft – wobei der Glaube selbst relativ unwichtig ist, er ist ein Instrument." Hinzu komme eine wachsende Fundamentalisierung, die man teilweise auch im Christentum beobachten könne: „Fundamental heißt: Wir brauchen keine Lehre von Gott, kein Denken, keine Aufklärung. Man muss dann eben glauben, fertig." Dann werde Kirche zu einer Institution, „die um sich selbst kreist und alles weiß, keine Fragen mehr braucht, keine Beratung, keine Wissenschaft".

„Da setzen wir etwas anderes dagegen", betonte der Erzbischof gemäß Presseaussendung: „Wir beten und denken, denken und beten, ein denkendes Gebet und ein betendes Denken. Beten ist Aufklärung, nicht Verdunklung, nicht Verengung." Es solle den Menschen nicht „klein machen, sondern ihn frei machen zum eigenen Denken, dazu, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren".

Archivfoto: Kardinal Marx telefoniert


Pressefoto Kardinal Marx (c) Erzbistum München und Freising


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