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Benedikt XVI.: „Es gibt keine zwei Päpste. Nur einer ist Papst…“

1. März 2021 in Weltkirche, 42 Lesermeinungen
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Emeritierter Papst im „Corriere della Sera“-Gespräch – Zu US-Präsident Biden: „Er ist katholisch… und persönlich gegen Abtreibung, aber als Präsident tendiert er dazu, sich in Kontinuität mit Linie der Demokraten zu präsentieren“. Von Petra Lorleberg


Vatikan (kath.net/pl) „Es gibt keine zwei Päpste. Nur einer ist Papst…“ Das sagt der emeritierte Papst Benedikt XVI. (Archivbild) im Gespräch mit dem „Corriere della Sera“. „Der Rücktritt von vor 8 Jahren? Ich denke ich habe das gut gemacht“, erläutert er weiter und räumt ein, dass der Rücktritt sei durchaus „eine schwierige Entscheidung“ gewesen sei. „Aber ich habe sie bei vollem Bewusstsein getroffen und ich denke, ich habe es gut gemacht. Einige meiner leicht ‚fanatischen‘ Freunde sind immer noch wütend, sie wollten meine Entscheidung nicht akzeptieren. Ich denke an die Verschwörungstheorien, die darauf folgten: Manche sagten, es sei die Schuld des Vatileaks-Skandals, Folge einer Verschwörung der Schwulenlobby, Folge des Falles des konservativen lefebvrischen Theologen Richard Williamson. Sie wollen nicht an eine bewusste Entscheidung glauben. Aber mein Gewissen ist in Ordnung.“

Im Gespräch habe sich Benedikt XVI. zu verschiedenen Themen geäußert: Zum katholischen US-Präsidenten Joe Biden äußert er einige Vorbehalte. „Es ist wahr, er ist katholisch“. „Und persönlich ist er gegen Abtreibung, aber als Präsident tendiert er dazu, sich in Kontinuität mit der Linie der Demokratischen Partei zu präsentieren ... Und in Bezug auf die Gender-Politik haben wir seine Position noch nicht vollständig verstanden“. Damit, so der „Corriere della Serra“, gebe Benedikt dem Misstrauen und der Feindseligkeit gegenüber einer Partei Ausdruck. Auch einem großen Teil des US-Episkopats gelten Biden und die Demokraten als zu liberal.


Zur geplanten Irakreise von Papst Franziskus sagt Benedikt XVI. mit ernstem und besorgtem Gesichtsausdruck, dass er dies für „eine sehr wichtige Reise“ halte, die aber leider „in einen sehr schwierigen Moment“ falle, was sie auch „zu einer gefährlichen Reise macht: aus Sicherheitsgründen und wegen Covid.. Und dann ist da noch die instabile irakische Situation. Ich werde Franziskus mit meinem Gebet begleiten“. Einige Männer der Vatikanischen Gendarmerie und der Schweizer Garde sind seien bereits vor Ort, um Schutzmaßnahmen für Papst Franziskus zu organisieren. Auch italienische Geheimdienstagenten seien seit Wochen anwesend, aber es sei nicht klar, mit wem sie zusammenarbeiten.

Der inzwischen 93 jahre alte Emeritus äußere sich „mit schwacher Stimme“ und bemühe sich, „jedes Wort gut zu artikulieren“, schildert der Beitrag im „Corriere della Sera“, Gänswein helfe und wiederhole gegebenenfalls die Worte. Benedikt trage an einem seiner „sehr dünnen“ Handgelenke eine Armbanduhr, am anderen einen Notfallsender.

Man habe sich mit dem Emeritus im „Guardini-Raum getroffen“, dort werde nach Angaben des Privatsekretärs Benedikts, Erzbischof Georg Gänswein (Präfekt des Päpstlichen Hauses) u.a. das Gesamtwerk des italienisch-deutschen Theologen Romano Guardini gesammelt. Benedikt hatte vom Herausgeber des Corriere, Luciano Fontana, zwei Karikaturen des von ihm geschätzten Karikaturisten Emilio Giannelli überreicht bekommen, die ihn zum Lachen brachten.

Am Ende erzählt der Corriere: „Wenn man das Kloster verlässt, das von einem Schweizer Wachmann in Zivil mit einem Headset im Auto begleitet wird, könnte man meinen, dass wenn Ratzinger mit einem Schleier der Stimme darauf besteht, ‚Es gibt nur einen Papst‘, spricht er mit Sicherheit die ‚Fanatiker‘ an, die nicht aufgeben. Um sie zu beruhigen, spricht er mit den Anhängern von Franziskus, die den intellektuellen Schatten dieses alten und gebrechlichen Theologen mit zunehmendem Alter fürchten. Aber vielleicht flüstert der emeritierte Papst es nach acht Jahren mit seiner inneren Stimme unbewusst sogar sich selbst zu.“

Link zum Beitrag im „Corriere della Sera“: Intervista a Ratzinger: «Non ci sono due Papi. La rinuncia di 8 anni fa? Credo di aver fatto bene».


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