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Kardinal: Ungarn hofft auf baldige Seligsprechung Mindszentys

12. Mai 2021 in Chronik, keine Lesermeinung
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Große Gedenkmesse in Esztergom zum 30. Jahrestag der Wiederbestattung des ungarischen Märtyrerkardinals - Sterblichen Hülle Mindszentys war nach dem Fall des Kommunismus von Mariazell nach Ungarn gebracht worden


Budapest (kath.net/KAP) In der Kirche ein Ungarn gibt es weiter große Hoffnung auf eine baldige Seligsprechung von Märtyrerkardinal Jozsef Mindszenty (1892-1975). Man bete darum, den früheren ungarischen Primas "so schnell wie möglich unter den Seligen feiern zu können", sagte der Budapester Erzbischof Kardinal Peter Erdö am Wochenende bei einem großen Mindszenty-Gedenken in der Basilika von Esztergom. Mit der Gedenkmesse wurde an die spektakulären Heimholung der sterblichen Hülle Mindszentys von Mariazell nach Esztergom vor genau 30 Jahren erinnert. Das Schicksal des Kardinals sei "irgendwie auch ein Symbol für das Schicksal unseres gesamten Volkes geworden", sagte Erdö laut dem Onlineportal der Zeitung "Magyar Kurir".

Mindszenty, der zu den wichtigen Märtyrergestalten der katholischen Kirche in Mittel- und Osteuropa in kommunistischer Zeit gehört, war 1975 im Exil in Wien gestorben. Er wurde zunächst in der steirischen Basilika Mariazell beigesetzt. In seinem Testament hielt der Kardinal aber fest, dass sein Leichnam nach Esztergom überführt werden soll - jedoch erst dann, wenn "der Stern der Moskauer Gottlosigkeit vom Himmel Mariens und des hl. Stephans fällt". Die Überführung erfolgte schließlich nach der Wende und dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht aus Ungarn von 2. bis 4. Mai 1991.


Neben Kardinal Erdö nahmen an der Gedenkmesse in Esztergom am 8. Mai auch der Bischofskonferenz-Vorsitzende Andras Veres, der päpstliche Nuntius Michael August Blume, Parlamentspräsident Laszlo Köver (Fidesz) und Michael Habsburg-Lothringen als Vorsitzender der Mindszenty-Stiftung teil.
Kardinal Mindszenty habe "seine Kirche und seine Heimat geliebt" und dafür Gefängnis, Folter und Exil in Kauf genommen, erinnerte der Diözesanbischof von Kaposvar, Laszlo Varga, in der Predigt. "Wenn Kardinal Mindszenty heute unter uns leben würde, wogegen würde er wohl kämpfen?", unternahm der Bischof ein Gedankenexperiment: "Gegen die Globalisierung, die Diktaturen unserer Zeit, den Relativismus? Würde er für soziale Gerechtigkeit, unsere Gewissensfreiheit und die Glaubwürdigkeit der Kirche einstehen?"

Mindszentys Liebe zur Kirche weise für diese auch heute den Weg in die Zukunft, so Varga weiter. Es gebe eine Vielzahl an Angriffen gegen die Kirche. "Je stärker sie unseren Glauben angreifen und unsere moralischen Werte verspotten, desto mehr brauchen wir katholische Christen, die ihre Kirche lieben und bereit sind, dafür zu leiden." Gleichzeitig gelte es aber auch jenen zuzuhören, die sich von der Kirche abwenden, zeigte sich Varga überzeugt. Zu viele nähmen heute in der Kirche nicht mehr den "auferstandenen Christus voll Liebe und Barmherzigkeit" wahr, sondern eine "menschliche Institution" mit Riten und Vorstellungen. "Und diejenigen, die der Kirche angehören, nähren dieses Missverständnis oft selbst", mahnte der Bischof. Statt Ärger und der Anklage anderer, sollten Katholiken daher besser selbst "täglich Zeuge des auferstandenen und lebendigen Christus werden, dessen Liebe und Barmherzigkeit selbst in den Augen der Christen oft skandalös ist".

Ungarischer Märtyrerkardinal

Jozsef Mindszenty, der zunächst Bischof von Veszprem und ab 1946 Erzbischof von Esztergom war, wurde schon 1944 von den faschistischen Pfeilkreuzlern verhaftet. 1945 kam er frei, wurde aber 1948 erneut - diesmal von den Kommunisten - inhaftiert und in einem Schauprozess zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

1956 wurde Mindszenty beim ungarischen Volksaufstand zunächst befreit. Nach der Niederschlagung der Revolution durch sowjetische Truppen fand er Zuflucht in der US-Gesandtschaft in Budapest, wo er 15 Jahre verblieb. Nachdem der Vatikan mithilfe mehrerer diplomatischer Missionen des damaligen Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König (1905-2004) seine Ausreise erreichte, lebte Mindszenty ab 1971 in Wien.

Um die Beziehungen zum kommunistisch regierten Ungarn weiter zu normalisieren, verlangte der Papst vom Kardinal am 1. November 1973 den Rücktritt als Erzbischof von Esztergom. Mindszenty lehnte dies ab. Dennoch wurde der Bischofssitz am 18. Dezember für vakant erklärt. Der abgesetzte Erzbischof bat am 7. Jänner 1974 um Widerruf dieser Entscheidung. Er wurde aber am 5. Februar aus pastoralen Gründen seines Amtes enthoben. Nach seinem Tod am 6. Mai 1975 wurde er zunächst in der Mariazeller Wallfahrtsbasilika bestattet. Seine sterbliche Hülle wurde nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schließlich von Mariazell nach Esztergom überführt und dort am 4. Mai 1991 beigesetzt.

Für Kardinal Mindszenty läuft seit 1993 ein Seligsprechungsverfahren. Papst Franziskus erkannte schließlich 2019 dem Märtyrerkardinal den sogenannten heroischen Tugendgrad zu, womit das Seligsprechungsverfahren einen wichtigen Schritt vorangekommen ist. Der heroische Tugendgrad ist zusammen mit einem noch anzuerkennenden Wunder auf Fürsprache des Kandidaten die Voraussetzung für eine Seligsprechung.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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