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Chartreuse, geheimnisumwittertes Lebenselixier der Kartäuser

5. September 2021 in Chronik, keine Lesermeinung
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Das Originalrezept für den reichhaltigen Kräuterlikör stammt aus dem 17. Jahrhundert und wird bis heute gut gehütet.


Grenoble (kath.net/National Catholic Register/mk) Chartreuse-Likör, der von den Kartäusermönchen der Großen Kartause im Südosten Frankreichs seit mehr als drei Jahrhunderten hergestellt wird, war immer schon von einem Schleier des Mysteriums umgeben. Das fängt schon dabei an, dass traditionell in jeder Generation nur zwei Mönche des Klosters das Originalrezept einsehen dürfen, das auf einem Manuskript aus dem 17. Jahrhundert niedergeschrieben ist. Dieses wiederum liegt in einem geheimen Safe, zu dem nur der Ordensobere den Schlüssel hat.

Das „Lebenselixier“ enthält angeblich 130 verschiedene Pflanzen mit heilender Wirkung - das sind so ziemlich alle, die zur Zeit seiner Entstehung überhaupt verfügbar waren. Diese geht, soweit noch nachvollziehbar, auf das frühe 17. Jahrhundert zurück, als die Kartäuser das Manuskript mit dem äußerst komplexen Rezept von François-Annibal d’Estrées, dem Marschall des damaligen französischen Königs erhielten. Im Lauf des Jahrhunderts wurde die Formel von den Apothekermönchen adaptiert und vereinfacht, woraus das heutige Hauptprodukt, der grüne Chartreuse entstand. Dessen natürliche Farbe ist übrigens so einzigartig, dass der Likör Namensgeber für diese wurde.


Im 19. Jahrhundert kreierten die Mönche noch einen gelben Chartreuse, der weniger Alkohol enthält und eine süßeren, blumigeren Geschmack hat. Eine breite Produktpalette entstand, sodass die Kartäuser sogar eine eigene Firma gründen mussten, um das Verkaufsgeschäft (über 1 Million Flaschen pro Jahr, ein großer Teil davon geht in die USA) inklusive Verpackung und Werbung zu bewältigen. Die zugrunde liegende Essenz aus Kräutern und Gewürzen wird aber nach wie vor im Mutterkloster von nur jeweils zwei Mönchen gemischt. Die Einnahmen ermöglichen den Mönchen, sich voll ihrem zurückgezogenen Leben aus Gebet, Studium und Schweigen zu widmen.

Dieses Erbe war nicht immer leicht zu bewahren: 1789, während der französischen Revolution, wurden die Mönche aus dem Kloster vertrieben. Ein Mönch entkam mit dem Manuskript, konnte es aber nicht entziffern und vertraute es daher einem Apotheker aus Grenoble an, Mr. Liotard. Da auch dieser dem Manuskript sein Geheimnis nicht entlocken konnte, geriet das Schriftstück zunächst in Vergessenheit, wurde aber dann von den Erben des Apothekers an die Kartäuser zurückgegeben, als diese 1816 in die Große Kartause zurückkehren durften. Etwa 100 Jahre später, Anfang des 20. Jahrhunderts, mussten die Mönche in der antiklerikalen Dritten Republik Frankreichs wieder fliehen und ließen sich in Tarragona, Spanien nieder. Dort brauten sie weiter ihre Liköre, bis sie 1929 nach Frankreich heimkehren durften.

Seit einigen Jahren werden die Chartreuse-Liköre in Aiguenoire, mitten im (für die Kartäuser namensgebenden) Chartreuse-Gebirge in der Nähe des Mutterklosters gebraut.


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