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Simon und Judas: unsere Identität erfordert angesichts der Widersprüchlichkeiten der Welt Kraft

28. Oktober 2022 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: nachdrückliche Aufforderung zu einem gelebten Christentum, Aufforderung dazu, nicht wie Irrlichter herumzulaufen, sondern klar und entschieden den Weg Jesu Christi zu gehen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) 28. Oktober: Festtag der heiligen Apostel Simon und Judas.

Simon und Judas, deren Namen im Kanon der Messe gemeinsam vorkommen, werden mit einem einzigen Fest begangen. Möglicherweise war der Grund dafür ihr gemeinsames Apostolat in Mesopotamien und Persien, wohin sie gesandt wurden, um das Evangelium zu verkünden. Es ist jedoch nichts historisch Sicheres bekannt, außer dem, was uns in den Evangelien über ihre Berufung berichtet wird.

Simon, den die Evangelien den Kanaaniter nennen, um ihn von Simon Petrus zu unterscheiden, stammte aus Kana in Galiläa und trug den Spitznamen „Zelot“. Nach unsicheren Angaben des Geschichtsschreibers Eusebius scheint er in den Jahren der tragischen Zerstörung der heiligen Stadt der Nachfolger von Jakobus auf dem Stuhl von Jerusalem gewesen zu sein. Der Apostel soll während der Herrschaft Trajans im Jahr 107 im Alter von einhundertzwanzig Jahren das Martyrium erlitten haben.

Judas, „nicht der Iskariot“, nimmt den letzten Platz in der Liste der Apostel ein, mit dem Beinamen Thaddäus, und wird mit dem Verfasser des kanonischen Briefes, der seinen Namen trägt, identifiziert. Er hat mit seinem inspirierten Wort viel Gutes getan. Er eröffnete Kirchen und bildete eine Gemeinschaft von Gläubigen in Babylon. In Persien erlitt er glorreich das Martyrium und besiegelte seine Lehre mit dem Vergießen seines Blutes.

Benedikt XVI., Generalaudienz vom 11. Oktober 2006:

Heute widmen wir unsere Betrachtung zwei Aposteln aus der Reihe der Zwölf: Simon Kananäus und Judas Thaddäus (nicht zu verwechseln mit Judas Iskariot). Wir betrachten sie nicht nur deswegen gemeinsam, weil sie in den Listen der Zwölf immer nebeneinander angeführt werden (vgl. Mt 10,4; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,13), sondern auch, weil es nur wenige Nachrichten über sie gibt, abgesehen davon, daß der Kanon der neutestamentlichen Schriften einen Brief enthält, der Judas Thaddäus zugeschrieben wird.

Simon erhält einen Beinamen, der in den vier Listen variiert: Während Matthäus und Markus ihn als »Kananäus« bezeichnen, heißt er bei Lukas »der Zelot«. Tatsächlich entsprechen sich die beiden Bezeichnungen, da sie dasselbe bedeuten: Das hebräische Verb »qanà’« bedeutet nämlich »eifersüchtig, leidenschaftlich sein« und kann sowohl von Gott gesagt werden – da er eifersüchtig über das von ihm erwählte Volk wacht (vgl. Ex 20,5) –, als auch von Menschen, die vor Eifer brennen und mit voller Hingabe dem einzigen Gott dienen, wie Elia (vgl. 1 Kön 19,10). Auch wenn dieser Simon nicht wirklich der nationalistischen Bewegung der Zeloten angehörte, ist es also gut möglich, daß ihn zumindest ein glühender Eifer für die jüdische Identität und damit für Gott, für sein Volk und für das göttliche Gesetz auszeichnete. Wenn das zutrifft, steht Simon in diametralem Gegensatz zu Matthäus, der als Zöllner einer Tätigkeit nachgegangen war, die als ganz und gar unrein angesehen wurde: ein offenkundiges Zeichen dafür, daß Jesus seine Jünger und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten sozialen und religiösen Schichten beruft, ohne jemanden von vornherein auszuschließen. Ihn interessieren die Menschen, nicht die gesellschaftlichen Kategorien oder die Etiketten! Und das Schöne daran ist, daß in der Gruppe seiner Jünger alle Seite an Seite lebten trotz ihrer Verschiedenheit und unter Überwindung der vorstellbaren Schwierigkeiten: Der Grund des Zusammenhalts war nämlich Jesus selbst, in dem sich alle vereint fanden. Das ist eine deutliche Lehre für uns, die wir oft dazu neigen, die Unterschiede und vielleicht auch die Gegensätze hervorzuheben. Dabei vergessen wir, daß uns in Jesus Christus die Kraft gegeben ist, unsere Konflikte beizulegen. Bedenken wir auch, daß die Gruppe der Zwölf das Vorausbild der Kirche ist, in der Raum sein soll für alle Charismen, Völker, Rassen und alle menschlichen Eigenschaften, die ihren Zusammenhalt und ihre Einheit in der Gemeinschaft mit Jesus finden.

Was dann Judas Thaddäus betrifft, wird er von der Tradition so genannt, die zwei verschiedene Namen miteinander verbindet: Während nämlich Matthäus und Markus ihn einfach »Thaddäus « nennen (Mt 10,3; Mk 3,18), heißt er bei Lukas »Judas, der Sohn des Jakobus« (Lk 6,16; Apg 1,13). Der Beiname Thaddäus ist ungewisser Herkunft und wird entweder als Ableitung vom aramäischen »taddà’« erklärt, was »Brust« heißt und somit »großmütig« bedeuten würde, oder als Abkürzung eines griechischen Namens wie »Theódoros, Theodótos«. Von ihm ist wenig überliefert. Nur Johannes weist auf eine Frage hin, die dieser Apostel während des Letzten Abendmahls an Jesus richtete. Thaddäus sagt zum Herrn: »Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?« Das ist eine Frage von großer Aktualität, die auch wir an den Herrn richten: Warum hat sich der Auferstandene nicht seinen Widersachern in seiner ganzen Herrlichkeit offenbart, um zu zeigen, daß der Sieger Gott ist? Warum hat er sich nur seinen Jüngern offenbart? Die Antwort Jesu ist geheimnisvoll und tiefgründig. Der Herr sagt: »Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen« (Joh 14,22–23). Das will besagen, daß der Auferstandene gesehen und auch mit dem Herzen wahrgenommen werden muß, damit Gott in uns wohnen kann. Der Herr erscheint nicht wie eine Sache. Er will in unser Leben eintreten, und darum ist seine Offenbarung eine Offenbarung, die ein offenes Herz einschließt und voraussetzt. Nur so sehen wir den Auferstandenen.

Judas Thaddäus ist die Autorschaft eines der Briefe des Neuen Testaments zugeschrieben worden, die die »katholischen Briefe« genannt werden, weil sie nicht an eine bestimmte Ortskirche, sondern an einen sehr weiten Empfängerkreis gerichtet sind. Tatsächlich richtet sich der Judasbrief »an die Berufenen, die von Gott, dem Vater, geliebt und für Jesus Christus bestimmt und bewahrt sind« (V. 1). Die Hauptsorge dieser Schrift ist es, die Christen vor all jenen zu warnen, die Gottes Gnade zum Vorwand nehmen, um ihre eigene Zügellosigkeit zu entschuldigen und andere Brüder mit inakzeptablen Lehren irrezuleiten, wobei sie Spaltungen in die Kirche hineintragen, unter dem Antrieb ihrer »Träume« (vgl. V. 8), wie Judas diese ihre besonderen Lehren und Ideen nennt. Er vergleicht sie sogar mit den gefallenen Engeln und sagt mit scharfen Worten, daß »sie den Weg Kains gegangen sind« (V. 11). Zudem brandmarkt er sie rückhaltlos als »wasserlose Wolken…, von den Winden dahingetrieben; Bäume, die im Herbst keine Frucht tragen, zweimal verdorrt und entwurzelt; wilde Meereswogen, die ihre eigene Schande ans Land spülen; Sterne, die keine feste Bahn haben; ihnen ist auf ewig die dunkelste Finsternis bestimmt« (V. 12–13).

Heute sind wir vielleicht nicht mehr gewohnt, eine derart polemische Sprache zu benutzen, die uns dennoch etwas Wichtiges zu sagen hat. Inmitten aller Versuchungen, die es gibt, und inmitten aller Strömungen des modernen Lebens müssen wir die Identität unseres Glaubens bewahren. Gewiß muß der Weg der Nachsicht und des Dialogs, den das Zweite Vatikanische Konzil glücklicherweise eingeschlagen hat, mit fester Beständigkeit fortgesetzt werden. Aber dieser so notwendige Weg des Dialogs darf nicht die Pflicht vergessen lassen, die unverzichtbaren Grundzüge unserer christlichen Identität immer wieder zu bedenken und mit ebensoviel Kraft herauszustellen. Andererseits ist es notwendig, sich klarzumachen, daß diese unsere Identität angesichts der Widersprüchlichkeiten der Welt, in der wir leben, Kraft, Klarheit und Mut erfordert. Deshalb fährt der Brief so fort: »Ihr aber, liebe Brüder, gründet euch auf euren hochheiligen Glauben, und baut darauf weiter, betet in der Kraft des Heiligen Geistes, haltet fest an der Liebe Gottes und wartet auf das Erbarmen Jesu Christi, unseres Herrn, der euch das ewige Leben schenkt. Erbarmt euch derer, die zweifeln« (V. 20–22). Der Brief schließt mit diesen wunderschönen Worten: »Dem einen Gott aber, der die Macht hat, euch vor jedem Fehltritt zu bewahren und euch untadelig und voll Freude vor seine Herrlichkeit treten zu lassen, ihm, der uns durch Jesus Christus, unseren Herrn, rettet, gebührt die Herrlichkeit, Hoheit, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und für alle Zeiten. Amen« (V. 24–25).

Man sieht gut, daß der Verfasser dieser Zeilen in Fülle seinen Glauben lebt, zu dem große Wirklichkeiten gehören, wie die moralische Integrität und die Freude, das Vertrauen und schließlich das Lob, und alles hat nur in der Güte unseres einzigen Gottes und in der Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus seinen Grund. Darum mögen uns sowohl Simon Kananäus als auch Judas Thaddäus helfen, die Schönheit des christlichen Glaubens immer wieder neu zu entdecken und unermüdlich zu leben, indem wir ein starkes und zugleich unbeschwertes Zeugnis von ihm ablegen.

Im Mittelpunkt der Katechese dieses Tages über die Apostel stehen heute die Heiligen Simon und Judas Thaddäus. In den Apostellisten werden sie immer zusammen angeführt. Simon wird dort „Kananäus“ oder „der Zelot“; d.h. „Eiferer“, genannt. Diese Beinamen bringen den Eifer dieses Jüngers für die jüdische Identität, für Gott und sein Bundesvolk und das Gesetz zum Ausdruck, erinnern uns daran, daß Matthäus, der Zöllner, der eher am Rand der jüdischen Identität war, auch zur Apostelgruppe gehörte, und daß in der Gemeinschaft Jesu unterschiedliche Temperamente, unterschiedliche Schichten und Charismen zur Einheit zusammenfinden - als Vorbild für die Kirche, in der auch Menschen, Völker, Gaben ganz unterschiedlicher Art durch ihn zur Einheit kommen. Der Beinamen Thaddäus bedeutet wohl soviel wie großmütig, ein Mann des weiten Herzens. Dieser Thaddäus hat Jesus im Abendmahlssaal gefragt, warum er sich als Auferstandener nicht der Welt, sondern nur den Seinen zeigen wollte. Und Jesus hat ihm erklärt, daß man den Auferstandenen von innen her mit dem Herzen sehen muß. Dieser Apostel Judas Thaddäus hat der Überlieferung nach die Urheberschaft des Judasbriefes im Neunen Testament, der uns nachdrücklich zu einem gelebten Christentum auffordert, dazu auffordert, nicht wie Irrlichter herumzulaufen, sondern klar und entschieden den Weg Jesu Christi zu gehen.

 


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Lesermeinungen

 Tante Ottilie 28. Oktober 2022 
 

Volksverehrung

Judas Thaddäus wird in der Volksfrömmigkeit besonders in manchen Gegenden (z.B. Bayern) sehr verehrt und gerade in schier aussichtslosen Lagen um Fürsprache angerufen - nicht selten mit Erfolg.

Unser junger Priestet sprach das heute Morgen in der Frühmesse auch an - mit der Bemerkung, er selbst habe gefühlt nur noch mit aussichtslosen Lagen zu tun.

Meine eine Tante und auch meine Schwiegermutter (beide aus Bayern) waren große Verehrerinnen dieses Heiligen und schworen geradezu auf ihn als Nothelfer.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass mein Onkel an diesem Tag vor 42 Jahren von seinem unheilbaren Lungenkrebsleiden mit zum Schluss schwersten Nebenwirkungen erlöst wurde.

Mich hat als Kind und auch in meiner Jugend besonders ein Holzreliefbild des Hl. Judas Thaddäus in einer Nebenkapelle meiner Heimatpfarrkirche beeindruckt, dass den Heiligen mit einer riesig-klobigen Keule, seinem Marterwerkzeug, zeigte.


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