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Martin von Tours. Der Soldat Christi

11. November 2022 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: Sacramentum caritatis – die Logik des Teilens. Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet und nicht auch alle Familienbindungen lässt, kann mein Jünger nicht sein. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Martin von Tours wurde um 316 in Pannonien als Sohn heidnischer Eltern geboren. Nach seiner Taufe und seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst gründete er ein Kloster in der Nähe von Ligugé in Frankreich, wo er unter der Leitung des Heiligen Hilarius ein klösterliches Leben führte. Danach wurde er zum Priester geweiht und später zum Bischof von Tours gewählt. Er war ein guter Hirte für sein Volk, gründete weitere Klöster, kümmerte sich um die Ausbildung des Klerus und evangelisierte die Armen. Er starb im Jahr 397. Er ist der erste Nicht-Märtyrer-Heilige, der in der Liturgie erwähnt wird.

Aus den „Briefen“ des Sulpicius Severus (* um 363 in Aquitanien; † zwischen 420 und 425 in Südgallien), erster Biograph des heiligen Martin, „arm und bescheiden“:

„Martin sah das lange vorher seinen Todestag voraus. Deshalb warnte er seine Brüder, dass er bald nicht mehr leben würde. In der Zwischenzeit rief ihn ein besonders schwerer Fall zu einem Besuch in der Diözese Candes auf. Die Geistlichen dieser Kirche kamen nicht gut miteinander aus, und Martin, der wusste, dass er nur noch wenig zu leben hatte und den Frieden wiederherstellen wollte, lehnte es nicht ab, für eine solch edle Sache aufzubrechen. Denn er dachte, wenn es ihm gelänge, die Harmonie in dieser Kirche wiederherzustellen, würde er sein Leben würdig krönen, indem er sich ganz auf den Weg des Guten hinorientierte. Er blieb daher einige Zeit in dem Dorf oder der Kirche, in die er gegangen war, bis der Frieden wiederhergestellt war. Doch als er schon an die Rückkehr ins Kloster dachte, spürte er plötzlich, dass ihn seine körperlichen Kräfte verließen. Deshalb rief er seine Brüder zu sich und warnte sie vor seinem bevorstehenden Tod. Da wurden sie alle sehr traurig und sagten unter Tränen, als würde nur einer sprechen: „warum, o Vater, verlässt du uns? Wem überlässt du uns, die wir so verzweifelt sind?

Werden räuberische Wölfe deine Herde angreifen, und wer wird uns vor ihren Bissen schützen, wenn der Hirte niedergestreckt ist? Wir wissen sehr wohl, dass Sie sich danach sehnen, bei Christus zu sein; aber Ihr Preis ist sicher. Wenn es sich verzögert, wird es nicht weniger. Bewege dich vielmehr in Mitgefühl für diejenigen, die du zurücklässt“.

Von diesen Tränen ergriffen, schloss er, der, reich an Gottes Geist, immer leicht zum Mitleid bewegt werden konnte, sich ihrem Weinen an und sprach, indem er sich an den Herrn wandte, vor den Weinenden: Herr, wenn ich noch von deinem Volk gebraucht werde, so scheue ich die Mühe nicht; dein Wille geschehe.

O Mensch, groß über Worte, einladend in der Mühsal, unbesiegbar im Angesicht des Todes! Er hat für sich selbst keine Entscheidung getroffen. Er hatte weder Angst vor dem Tod, noch weigerte er sich zu leben. Währenddessen richtete er immer wieder seine Augen und Hände zum Himmel und ließ in der Intensität seines Gebets nicht nach. Die Priester, die sich um ihn geschart hatten, baten ihn, seinen armen Körper ein wenig aufzurichten, indem sie ihn auf die Seite legten. Er aber antwortete: „lasst mich, Brüder, lieber zum Himmel schauen als zur Erde, damit mein Geist, der zum Herrn aufsteigen will, schon auf dem richtigen Weg ist. Nachdem er dies gesagt hatte, bemerkte er, dass der Teufel in seiner Nähe stand. Dann sagte er zu ihm: ‚was tust du hier, du blutrünstige Bestie? Du wirst nichts in mir finden, Schuft! Der Schoß Abrahams nimmt mich auf. Mit diesen Worten übergab er seine Seele an Gott. Martin steigt fröhlich zu Abraham auf’. Der arme und demütige Martin geht reich in das Paradies ein (Brief 3, 6. 9-10. 11. 14-17. 21; Sc 133, 336-343)“.

Benedikt XVI., Angelus, 11. November 2007

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Kirche gedenkt heute, am 11. November, des hl. Martin, Bischof von Tours, eines der berühmtesten und am meisten verehrten Heiligen in Europa. Er wurde um 316 als Sohn heidnischer Eltern in Pannonien, im heutigen Ungarn, geboren und dann vom Vater für die Militärlaufbahn bestimmt. Bereits als Jüngling begegnete Martin dem Christentum; nach Überwindung vieler Schwierigkeiten schrieb er sich als Katechumene ein, um sich auf die Taufe vorzubereiten. Er empfing das Sakrament im Alter von ungefähr zwanzig Jahren, mußte aber noch lange Zeit im Heer bleiben, wo er von seiner neuen Lebensweise Zeugnis ablegte: er war allen gegenüber respektvoll und entgegenkommend; er behandelte seinen Leibdiener wie einen Bruder und mied niedrige Vergnügungen. Nach seiner Verabschiedung aus dem Militärdienst begab er sich nach Poitiers in Frankreich zum heiligen Bischof Hilarius. Dieser weihte ihn zum Diakon und Priester; in der Folge wählte er das monastische Leben und gründete mit einigen Schülern in Ligugé das älteste bekannte Kloster in Europa. Nachdem ungefähr zehn Jahre später die Christen von Tours ohne Hirt geblieben waren, wählten sie ihn per Akklamation zu ihrem Bischof. Von da an widmete sich Martin mit brennendem Eifer der Evangelisierung der ländlichen Gegenden sowie der Ausbildung des Klerus. Auch wenn ihm viele Wunder zugeschrieben werden, ist der hl. Martin vor allem für eine Tat der brüderlichen Nächstenliebe bekannt. Noch als junger Soldat begegnete er auf der Straße einem vor Kälte erstarrten und zitternden Armen. Da nahm er seinen Mantel, teilte ihn mit dem Schwert in zwei Teile und reichte dem Mann die eine Hälfte. In der Nacht erschien ihm im Traum Jesus, der lächelte und mit eben jenem Mantel bekleidet war.

Liebe Brüder und Schwestern, die Geste der Nächstenliebe des hl. Martin folgt derselben Logik, die Jesus dazu drängte, das Brot für die hungernde Menge zu vermehren, vor allem aber sich selbst der Menschheit in der Eucharistie als Speise zu hinterlassen, höchstes Zeichen der Liebe Gottes, »Sacramentum caritatis«. Es ist dies die Logik des Teilens, in der auf authentische Weise die Liebe zum Nächsten zum Ausdruck kommt. Der hl. Martin helfe uns zu verstehen, daß es nur durch gemeinsames Teilen möglich ist, auf die große Herausforderung unserer Zeit zu antworten: eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit zu errichten, in der ein jeder Mensch mit Würde leben kann. Dies kann geschehen, wenn ein weltweites Modell echter Solidarität vorherrscht, das in der Lage ist, allen Bewohnern des Planeten Nahrung, Wasser, notwendige medizinische Versorgung, aber auch Arbeit und Energieressourcen sowie kulturelle Güter, wissenschaftliches und technologisches Wissen sicherzustellen.

Wir wenden uns jetzt an die Jungfrau Maria, auf daß sie allen Christen helfe, wie der hl. Martin hochherzige Zeugen des Evangeliums der Liebe und unermüdliche Gestalter solidarischen Teilens zu sein.

 


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