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Ganz Beirut freut sich über den Papst

30. November 2025 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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In der Türkei hat Papst Leo diplomatisch komplizierte Tage erlebt. Auch im Libanon ist der Islam Mehrheitsreligion, doch dort scheint die Freude ungeteilt. Von Kathpress-Korrespondentin Sabine Kleyboldt


Beirut (kath.net/KAP) Gegen 15.40 Uhr beginnen im Libanon die Glocken zu läuten. "Der Papst ist gelandet!", ruft ein junger Mann, der mit Schwester, Mutter und Ehefrau in einem Café im Beiruter Ausgehviertel Gemmayzeh sitzt und triumphierend das Handy schwenkt; die Frauen sind verschleiert, die Familie ist muslimisch.

Der Besuch von Leo XIV. im Libanon bringt nicht nur die Christen aus dem Häuschen: Auch die Muslime sehen es als große Ehre, das Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken bis Dienstag begrüßen zu dürfen. Während zu seiner Ankunft am Sonntag im ganzen Land für zehn Minuten die Glocken läuten und christliche Gesänge via Lautsprecher die Straßen beschallen, wird Leo XIV. am Flughafen von den drei wichtigsten Männern des Staates begrüßt: Präsident Joseph Aoun, einem Christen, dem Präsidenten der Nationalversammlung, Nabih Berri, einem schiitischen Muslim, und Regierungschef Nawaf Salam, einem Sunniten.

Mühsame Regierungsbildung im leidgeprüften Land

Die laut Verfassung konfessionell austarierte Regierung ist nach einem mühsamen Prozess seit Februar im Amt. Auch, um diese in ihrer schweren Aufgabe in dem leidgeprüften Land zu bestärken, hat Leo XIV. den Libanon als Ziel seiner ersten Auslandsreise als Papst gewählt.


Am Rollfeld des Flughafens in Beirut steht auch der maronitische Patriarch Kardinal Béchara Boutros Raï, der die größte christliche Konfession des Landes verkörpert. Zwei in Trachten gekleidete Kinder bringen dem Papst Blumen, 21 Kanonenböller werden zu seinen Ehren abgefeuert, Hymnen von Vatikan und Libanon erklingen, Flaggen werden gehisst.

Auf Leos Fahrt zum Präsidentenpalast, wo Aoun und der Papst Reden halten, setzt starker Regen ein. Trotzdem stehen viele Hundert Menschen an den Straßen, viele schwenken Fahnen oder halten selbst geschriebene Banner hoch, eines davon: "Where the Pope walks, peace follows" (Wohin der Papst kommt, wird der Friede folgen). Wo sonst um diese Zeit Rush Hour herrscht, ist es heute vergleichsweise ruhig, denn für den Staatsgasts wurden Banken und der öffentliche Dienst für zwei Tage stillgelegt.

Hisbollah-Flagge neben Papst-Transparent

Der Konvoi kommt auch an Häuserruinen vorbei, die teils noch vom Bürgerkrieg der 1970er Jahre stammen, teils von israelischen Bomben der jüngeren Zeit. Irgendwo prangt eine Flagge der islamischen Hisbollah direkt neben einem der offiziellen Transparente zu Leos Besuch, die das Straßenbild seit Tagen beherrschen.

Den darauf zu lesenden Wahlspruch "Gesegnet sind die Friedensstifter" greift Leo XIV. bei seiner Rede im Präsidentenpalast auf. Zuvor begrüßt Hausherr Aoun den Gast auf Arabisch "mit großem Stolz und großer Demut" als "Boten des Friedens im Land des Friedens". Der Papst solle der ganzen Welt sagen, "dass wir nicht sterben, dass wir nicht gehen, dass wir nicht verzweifeln werden".

Die Libanesen seien "ein Volk, das nicht untergeht, sondern angesichts von Prüfungen stets den Mut findet, sich neu zu erheben", betont anschließend der Papst auf Englisch. Gerade die jungen Libanesen ermutigt er, zu bleiben. Denn das Land erlebt seit langem einen Brain Drain, weil insbesondere die gebildete Bevölkerung ihr Glück in anderen Ländern sucht.

Leo plant Bad in der Menge

Um wirklichen Frieden zu erreichen, sei Versöhnung nötig, andernfalls entstünden persönliche und kollektive Wunden, deren Heilung viele Jahre oder ganze Generationen erfordere. Mancher dürfte das als Anspielung auf die schwere Hafenexplosion von 2025 verstanden haben, deren Aufklärung und Aufarbeitung bis heute auf sich warten lässt.

Am Ort des Geschehens wird Leo XIV. am Dienstagmorgen ein stilles Gedenken und anschließend an der "Beirut Waterfront" einen großen Gottesdienst halten. Ferner stehen Begegnungen mit Vertretern verschiedener Kirchen und Religionen, mit Politikern und der Jugend an. Anders als in der Türkei will er auch das Papamobil nutzen. Hatte er sich am Bosporus stets in geschlossenen Fahrzeugen fortbewegt, um niemanden zusätzlich zu provozieren, steht in Beirut schon das weiße Gefährt mit dem gläsernen Aufbau bereit. Libanon kann sich also auf Leos "Bad in der Menge" freuen.

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