
Studie: Weniger Angststörungen in religiös geprägtem Umfeldvor 53 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Langzeitstudie untersucht Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Werten und Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen in 70 Ländern.
Washington (kath.net/ KAP)
Eine religiös geprägte Gesellschaft könnte Kinder und Jugendliche vor Angststörungen schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachjournal Developmental Science veröffentlichte Studie, die Daten aus 70 Ländern aus den Jahren 1989 bis 2022 ausgewertet hat. Wo religiöser Glaube bei der Erziehung eine größere Rolle spielte und gemeinschaftliche Werte stärker ausgeprägt waren, wurden weniger Angststörungen bei jungen Menschen festgestellt, zeigte sich dabei.
Basis waren Daten des "World Values Survey" und der Studie "Global Burden of Disease". Die Forscher um Leonard Konstantin Kulisch, Ana Lorena Domínguez Rojas, Silvia Schneider und Babett Voigt berücksichtigen dabei allerdings nicht, ob religiöse Menschen grundsätzlich weniger Angststörungen haben. Auch einzelne Religionen oder konkrete Länder wurden nicht miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen vielmehr statistische Zusammenhänge auf gesellschaftlicher Ebene. Die beobachteten Effekte waren zudem relativ klein. 
Auffällig war jedoch ein Unterschied zwischen westlichen, hoch entwickelten Gesellschaften und anderen Ländern. In westlichen, gebildeten, industrialisierten, wohlhabenden und demokratischen Staaten war eine stärkere Betonung individueller Unabhängigkeit mit höheren Raten von Angststörungen verbunden. In anderen Ländern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Ausschlaggebend könnte dabei sein, dass religiöse Gemeinschaften Zugehörigkeit, Orientierung, Sinn, feste Abläufe und gemeinsame Werte vermitteln. Dadurch müsse der Einzelne sein Leben weniger allein strukturieren.
Bemerkenswert ist laut Studie auch eine Analyse aus den USA: Die religiöse Prägung des gesellschaftlichen Umfelds sagte das Angstniveau von Kindern besser voraus als der persönliche Glaube der Mutter. Entscheidend könnte demnach weniger die Religiosität einer einzelnen Familie als ein Umfeld sein, in dem religiöse Werte gemeinschaftlich gelebt werden.
(Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41797358/)
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