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'Brauchen uns nicht von einem Gegenwind einschüchtern lassen'

5. Dezember 2005 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Bischof von Regensburg veröffentlicht Hirtenwort zum Advent: "In der Kirche geht es nicht darum Macht und Herrschaft zu verteilen oder um sie zu kämpfen. Karrieredenken und Prestigekämpfe sind ihr wesensfremd."


Der Hirtenbrief im Wortlaut auf www.kath.net:

Sich auf Christus einlassen

Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus!

Mit einer ergreifenden Feier im Petersdom hat am 8. Dezember des Jahres 1965 eines der bedeutendsten Ereignisse der neueren Kirchengeschichte seinen krönenden Abschluss gefunden. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) war ein Ereignis, das die Kirche als eine weltumspannende Gemeinschaft, als die Familie Gottes für die Welt von heute sichtbar gemacht hat.

Dem Konzil verdanken wir 16 große Dokumente des kirchlichen Lehramtes. Im Leben der meisten Gläubigen spielt die Erneuerung der Liturgie eine große Rolle. Aus den Quellen des Heiles sollten alle schöpfen können. Darum wurde der Verkündigung des Wortes Gottes in der hl. Messe ein größerer Raum gewährt. Durch den Gebrauch der jeweiligen Volkssprache war die lebendige und tätige Mitfeier noch besser möglich geworden.

In der bedeutenden dogmatischen Konstitution über die Kirche "Lumen gentium" stellten die Konzilsväter deutlich den Gemeinschaftscharakter der Kirche heraus.Die Kirche ist eine Stiftung des dreifaltigen Gottes. Er machte das Volk Israel zum Gottesvolk und zum Zeichen für seinen universalen Heilswillen. In der Menschwerdung des Sohnes Gottes kommt Gott als Mensch in diese Welt. Jetzt haben alle Menschen in Christus Zugang zu Gott. Indem die Kirche Christus als Licht verkündet, das jeden Menschen erleuchtet, dient sie Gott als Zeichen und Werkzeug der innigsten Vereinigung der Menschen mit Gott und der Einheit der Menschen untereinander (vgl. LG 1).Dazu sind wir alle aufgrund von Taufe und Firmung berufen. Es gibt in der Kirche eine gemeinsame Sendung, aber verschiedene Aufgaben. Dadurch ergeben sich in der Kirche die verschiedenen Dienste und Ämter. Die Bischöfe, Priester und Diakone, die Ordensleute, die kirchlichen Mitarbeiter und alle Laien wirken mit am Aufbau des Leibes Christi - jeder gemäß seiner Sendung und seinen Gaben und Charismen.

Die sichtbare Gestalt und Verfassung der Kirche ergibt sich aus ihrem Wesen als Gemeinschaft des Heils in Christus. Man kann deshalb unmöglich weltlich-politische Verfassungsmodelle auf die Kirche übertragen. Nur wenn man von dem Wesen und der Eigenart der Kirche als göttlicher Stiftung ausgeht, versteht man, warum es gar keinen Sinn hat, von der Kirche als einer Monarchie oder einer Demokratie zu reden. Diese Redeweise passt nicht. Die Mitwirkung in der Kirche ergibt sich für alle aus der Taufe. Die Kirche ist Sakrament, d.h. sie ist Werkzeug in den Händen Jesu Christi um den Menschen das Heil zu bringen. Sie kommt von Gott und wird nicht durch Menschen konstruiert.

In der Kirche geht es nicht darum Macht und Herrschaft zu verteilen oder um sie zu kämpfen. Karrieredenken und Prestigekämpfe sind ihr wesensfremd.

Gott allein übt die Herrschaft in der Kirche aus, indem er seine Macht aufbietet, um uns allen sein Heil zu schenken. Wir alle aber sind zum Dienst in der Kirche berufen. Wir kreisen nicht um uns selbst. Wir sollen dem Reich Gottes in der Welt immer mehr die Bahn brechen.

Der Apostolat der Laien und ihre Zusammenarbeit mit dem Apostolat der Diakone, Priester und Bischöfe ergibt sich als gottgegebenes Recht und innerste Verpflichtung des Gewissens aus den Sakramenten der Taufe und der Firmung. Er wird innerlich geformt durch die Eucharistie und ein ernsthaftes Bemühen um die Nachfolge Christi.Somit können Fragen der Organisation und der Strukturen der sakramental legitimierten Sendung und Mitverantwortung der Laien nur nach- und untergeordnet sein. In der 2000jährigen Geschichte der Kirche treffen wir auf unterschiedlichste Ausformungen. Sie ergeben sich aus den pastoralen Notwendigkeiten.

Das Konzil hat für die Pfarreien und die Diözesen einen Pastoralrat angeregt. Die Bischöfe sollen diese in ihrer apostolischen Autorität ordnen und auf die jeweilige Situation hin konkretisieren.

Der auch in unserer Diözese eingeführte Pfarrgemeinderat hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt. So viele gläubige Christen haben hier unersetzliche Dinge geleistet und zusammen mit ihrem Pfarrer dazu beigetragen, dass in all unseren Pfarreien das religiöse Leben sich entfalten und entwickeln konnte. Daran darf und wird sich nichts ändern!

Die neuen Statuten haben eine theologische Präzisierung erfahren, wie es das Kirchenrecht vorsieht. Der Pfarrer steht als der Hirte und Priester im Namen Christi der Gemeinde vor. In dieser Eigenschaft - als Hirte und Priester - ist er auch Leiter des Pfarrgemeinderats. Die Mitglieder des Rates wählen wie bisher aus ihren Reihen einen Laien, der als Sitzungsleiter Pfarrgemeinderatsvorsitzender ist und das Gremium nach außen als Sprecher vertritt. In den neuen Statuten wird auch unterstrichen, dass die Mitglieder des Pfarrgemeinderates mit dem Pfarrer zusammen alle Themenfelder der Seelsorge besprechen und in die Tat umsetzen sollen.

Jeder hat die Möglichkeit, in einer Kurzinformation zu erfahren, was in den neuen Statuten steht, was das II. Vatikanische Konzil, das allgemeine Kirchenrecht und das kirchliche Lehramt unter Laienapostolat und dem Zusammenwirken von Priestern, Ordensleuten und Laien verstehen und wie dies begründet wird.

Auf diözesaner Ebene werden wir einen Diözesanpastoralrat haben. Seine Aufgabe besteht in der direkten Beratung des Bischofs für die Gesamtpastoral der Diözese. Unsere katholischen Vereine und Verbände, die so segensreich in unserer Diözese wirken, schließen sich zu einem eigenen Diözesankomitee zusammen. So wie das Konzil im Dekret über das Laienapostolat vorsieht, dient dieses Gremium dazu, einen Beitrag der Kirche und der Gläubigen am Aufbau einer gerechten, humanen und sozialen Gestaltung der Gesellschaft zu leisten.

Hätten alle die Neufassung der Statuten der Räte vor einer Stellungnahme gelesen und studiert, wäre uns manche Aufregung und ein wiederholtes Rauschen im Blätterwald erspart geblieben. Bei den sieben großen Pastoralreisen in unserem Bistum vom Dezember 2004 bis Juli 2005, aber auch bei vielen anderen Gelegenheiten, besonders auf dem Weltjugendtag, habe ich so viele gläubige und engagierte Frauen und Männer, begeisterte Kinder und bekenntnisstarke Jugendliche kennenlernen dürfen, dass ich optimistisch in die Zukunft unserer Diözese schaue.

Wir brauchen uns nicht von mancherlei Problemen und einem Gegenwind einschüchtern oder lähmen zu lassen. Wir verbrauchen unsere Energien auch nicht in zwischenmenschlichen Reibereien.
Wir wissen, dass wir zusammengehören. Und wir werfen erneut die Netze aus, um Menschen für Christus zu gewinnen.

Vielleicht gehört die hoffnungmachende Dynamik zu den schönsten Vermächtnissen des II. Vatikanischen Konzils. Erst im Licht Christi klärt sich das Rätsel Mensch. Etwas Schöneres können wir den Menschen gar nicht sagen als dies: Du bist nicht verloren. Christus ist dein Licht und deine Kraft im Heiligen Geist. Im Leben und im Sterben kannst du auf ihn bauen (vgl. GS 10).

Werden wir mit den Worten von Johannes Paul II. formuliert "Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe". Dann spüren wir, dass, mit unserem Heiligen Vater Benedikt XVI. gesprochen, "die Kirche jung ist". Stellen wir uns alle gemeinsam in den Dienst der Neuevangelisierung in unserem Bistum. Dann wird Gott uns danken für die Errichtung des Reiches Gottes in der Welt von heute und morgen.

Für die Neuevangelisierung gibt es keinen besseren Zeitpunkt als den Advent: Ganz konkret können wir auf den kommenden Christus verweisen, der in der Gestalt des Kindes, in scheinbarer Ohnmacht die Welt verändert hat. Genügt uns das Wissen um seine baldige Ankunft nicht, mit Energie und Zuversicht die Botschaft vom Heil zu verkünden und sie zum Maßstab für das eigene Leben werden zu lassen? Nehmen wir den dynamischen Anfang mit hinein in unsere Familien, in unsere Arbeit, dorthin, wo wir zu Hause sind!

Dazu segne uns der drei-einige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich eine gnadenreiche und gesegnete Adventszeit

Bischof von Regensburg
Regensburg, den 19. November, am Fest der hl. Elisabeth



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