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Papst feiert ökumenischen Gottesdienst in Westminster Abbey

17. September 2010 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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Benedikt XVI. erinnerte bei Gottesdienst mit Anglikaner-Primas Rowan Williams an "bemerkenswerte Fortschritte" in der Ökumene - Predigt von Papst Benedikt im Wortlaut


London (kath.net) Papst Benedikt XVI. hat am Freitag am Abend mit Vertretern aller christlichen Kirchen in Großbritannien ein ökumenisches Abendgebet gefeiert. Zu dem Gottesdienst unter Leitung des anglikanischen Primas Rowan Williams versammelten sich am Freitagabend Hunderte Würdenträger in der Londoner Westminster Abbey. In seiner Predigt rief Benedikt XVI. die Christen auf, in einer zunehmend gleichgültigen oder sogar feindlichen Umgebung ihre Hoffung zu bezeugen.

Die Predigt im Wortlaut:

„Liebe Freunde in Christus! Ich danke dem Herrn für die Gelegenheit, Ihnen, den Vertretern der in Großbritannien ansässigen christlichen Konfessionen, in dieser großartigen, dem heiligen Petrus geweihten Abteikirche, zu begegnen. Ihre Architektur und Geschichte geben ein beredtes Zeugnis von unserem gemeinsamen Glaubenserbe. Hier werden wir wie von selbst daran erinnert, wie sehr der christliche Glaube die Einheit und die Kultur Europas und das Herz und den Geist des englischen Volkes geprägt hat.

Hier wird uns zudem unausweichlich in Erinnerung gerufen, daß das, was wir in Christus miteinander teilen, größer ist, als das, was uns noch voneinander trennt.
Ich danke Seiner Gnaden dem Erzbischof von Canterbury für seine freundliche Begrüßung und dem Dekan und dem Kapitel dieser ehrwürdigen Abtei für die herzliche Aufnahme. Ich bin dem Herrn dankbar, daß er mir erlaubt, als Nachfolger des heiligen Petrus auf dem Bischofsstuhl von Rom diese Wallfahrt zum Grab des heiligen Eduard des Bekenners zu machen. König Eduard von England bleibt ein Modell christlichen Zeugnisses und ein Beispiel der wahren Größe, zu der der Herr seine Jünger aufruft, wie wir in den Schriftlesungen gerade gehört haben: die Größe der Demut und des Gehorsams, die auf Christi eigenem Beispiel gründen (vgl. Phil 2,6-8), die Größe der Treue, die nicht zögert, aus nicht endender Liebe zum göttlichen Meister und unverbrüchlicher Hoffnung auf seine Verheißungen das Geheimnis des Kreuzes auf sich zu nehmen (vgl. Mk 10,43-44).


Dieses Jahr begehen wir, wie allgemein bekannt, den hundersten Jahrestag der modernen ökumenischen Bewegung, an deren Anfang der Aufruf der Konferenz von Edinburgh zur christlichen Einheit als Vorbedingung für ein glaubwürdiges und überzeugendes Zeugnis für das Evangelium in unserer Zeit stand. Anläßlich dieses Jubiläums müssen wir Dank sagen für den bemerkenswerten Fortschritt auf dieses hohe Ziel hin, welcher durch den Einsatz engagierter Christen aller Konfessionen erreicht wurde. Zugleich sind wir uns jedoch bewußt, wieviel hier noch zu tun bleibt. In einer von zunehmender Wechselwirkung und Solidarität geprägten Welt sind wir herausgefordert, mit neuer Überzeugung unsere reale Versöhnung und Befreiung in Christus zu verkünden und die Wahrheit des Evangeliums als den Schlüssel zu einer authentischen und umfassenden menschlichen Entwicklung anzubieten. In einer Gesellschaft, die der christlichen Botschaft zunehmend gleichgültig oder sogar feindlich gegenübersteht, sind wir um so mehr in der Pflicht, freudig und überzeugend von der Hoffnung zu sprechen, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), und zu zeigen, daß der auferstandene Herr die Antwort auf die tiefsten Fragen und die geistigen Sehnsüchte der Menschen unserer Zeit ist.

Während der Prozession zum Altarraum zu Beginn dieses Gottesdienstes sang der Chor, daß Christus unser „sicheres Fundament“ ist. Er ist der Ewige Sohn Gottes, eines Wesens mit dem Vater, der – wie es im Glaubensbekenntnis heißt – „für uns Menschen und zu unserem Heil“ Fleisch angenommen hat. Er allein hat Worte ewigen Lebens. „In ihm hat“ – wie der Apostel lehrt – „alles Bestand. [...] Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen“ (Kol 1,17.19).
Unser Einsatz für die Einheit der Christen hat keinen geringeren Ursprung als unseren Glauben an Christus, an diesen Christus, der von den Toten auferstanden ist und zur Rechten des Vaters sitzt, der wiederkommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten. Die Realität der Person Christi, sein Erlösungswerk und vor allem die historische Tatsache seiner Auferstehung sind der Inhalt des apostolischen Kerygmas und der Glaubensbekenntnisse, die vom Neuen Testament selbst an seine vollständige Weitergabe garantiert haben. Die Einheit der Kirche kann, in einem Wort, nie etwas anderes sein als Einheit im apostolischen Glauben, in dem Glauben, der jedem neuen Glied am Leib Christi im Taufritus anvertraut wird. Dieser Glaube vereint uns mit dem Herrn, gibt uns Anteil am Heiligen Geist und macht uns auch jetzt zu Teilhabern am Leben der heiligen Dreifaltigkeit, dem Modell der koinonia der Kirche hier auf Erden.

Liebe Freunde, wir sind uns alle der Herausforderungen, der Gnadengeschenke, der Enttäuschungen und der Zeichen der Hoffnung bewußt, die unseren ökumenischen Weg kennzeichnen. Heute abend legen wir all das im Vertrauen auf seine Vorsehung und die Kraft seiner Gnade in Gottes Hände. Wir wissen, daß die unter uns geschlossenen Freundschaften, der begonnene Dialog und die uns leitende Hoffnung uns auf unserem weiteren gemeinsamen Weg Kraft und Orientierung spenden werden.

Zugleich müssen wir mit einem im Evangelium begründeten Realismus die Herausforderungen anerkennen, die uns erwarten, nicht nur auf dem Weg zur Einheit der Christen, sondern auch bei unserer Aufgabe, Christus in unserer Zeit zu verkünden. Die Treue zum Wort Gottes – denn dieses ist ja das wahre Wort – verlangt von uns einen Gehorsam, der uns gemeinsam zu einem tieferen Verständnis des Willens des Herrn führt, einen Gehorsam, der frei sein muß von intellektuellem Konformismus und bequemer Anpassung an den Zeitgeist. Dieses Wort der Ermutigung möchte ich Ihnen heute abend mitgeben, und ich tue das getreu meines Amtes als Bischof von Rom und Nachfolger des heiligen Petrus, der den Auftrag hat, in besonderer Weise für die Einheit der Herde Christi zu sorgen.

In dieser altehrwürdigen Klosterkirche versammelt, können wir uns das Beispiel eines großen Engländers und Kirchenmannes ins Gedächtnis rufen, den wir gemeinsam verehren: den heiligen Beda Venerabilis. Beim Anbruch eines neuen Zeitalters im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben verstand Beda sowohl die Bedeutung der Treue zum Wort Gottes, wie es in der apostolischen Tradition überliefert wurde, als auch die Notwendigkeit einer kreativen Offenheit für neue Entwicklungen und die Erfordernisse, das Evangelium in der jeweiligen Sprache und Kultur gut einzupflanzen.

Diese Nation und das Europa, zu deren Aufbau Beda und seine Zeitgenossen beigetragen haben, stehen wiederum an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Das Beispiel des heiligen Beda sporne die Christen dieser Länder an, ihr gemeinsames Erbe wiederzuentdecken, zu festigen, was sie miteinander teilen, und sich weiter um ein Wachstum in ihrer Freundschaft zu bemühen. Der auferstandene Herr begleite unseren Einsatz, die Spaltungen der Vergangenheit zu überwinden und den gegenwärtigen Herausforderungen mit Hoffnung auf die Zukunft zu begegnen, die er in seiner Vorsehung für uns und unsere Welt bereithält. Amen.“

Papst in England: Laufend neue Videos auf KathTube






Foto: (c) SIR


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Lesermeinungen

 M.Schn-Fl 18. September 2010 
 

Sorry es war beim 2. Kongress


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 M.Schn-Fl 18. September 2010 
 

Alter des Papstes

@Ehrmann
Wenn kath.net auf das Alter des Papstes immer wieder hinweist, dann wird dadurch das grossen Wunder deutlich, dass Gott an seinem Diener täglich vollbringt.
Als Kardinal Ratzinger vor 9 Jahren beim ersten Kongress \"Freude am Glauben\" in den Fuldaer Dom einzog (er gehörte ja dem Kuratorium dieses Kongresses bis zu seiner Erwählung an), da dachte ich: was für ein gebrechlicher Mann.
Als er Ende 60 war, hat er drei kleinere Schlaganfälle gehabt.
Denken Sie daran, was er heute mit 83 Jahren alles noch leistet.! Welche ungeheuren Anstrengungen er auf sich nimmt und sie glänzend bewältigt.
Viele Menschen laufen angeblichen Wundern nach. Hier haben sie wirklich ein Wunder. Christus erneuert seinem Stellvertreter auf Erden täglich \"die Jugend wie dem Adler\".
Ist das nicht ein Grund, Ihn täglich dafür zu preisen und Sein Handeln an dem Papst zu berichten und zu rühmen?


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  18. September 2010 
 

Eine wunderbare Liturgie

Es war eine seht feierliche Vesper, und die Anglikaner haben bewiesen, dass sie eine sehr schöne Liturgie haben, die eher katholisch als protestantisch ist. Und die Begrüßung des Papstes durch Williams war auch freundlich. Wenn die Kirche von England sich nicht so schnell dem Zeitgesit geschlagen geben würde, dann wäre ihre Einheit mit Rom überhaupt nicht weit entfernt.
@ Ehrmann
Dandolo war ein skrupelloser Verbrecher, der einen ganzen Kreuzzug ausnutzte, um die damals größte christliche Stadt der Welt - Konstantinopel, einzunehmen, zu brandschatzen und zu plündern, und damit die Kirchenspaltung zwischen Ost und West endgültig zu machen.
Er hatte im Sinn nur die Ausschaltung des größten Handelskonkurrenten Venedigs, und bewirkte, dass das stärkste Bollwerk des Christentums im Osten entscheidend geschwächt wurde. Dass die Türken später vor Wien standen, verdanken wir der kurzsichtigen Politik Venedigs, die nur auf eine Profitsteigerung ausgerichtet war.


1
 
 Pantau 18. September 2010 
 

@Ehrmann

Zitat:\"..im Mittelalter hat Dandalo, der Doge von Venedig, mit 90 (!) Jahren die Führung eines Kreuzzuges übernommen.\"

Diesen schändlichen Raubzug gegen seine Mitchristen hätte Enrico Dandolo sich besser gespart. Diesen auch noch \"Kreuzzug\" zu nennen, ist der Gipfel.

Ich denke, dass die Geschichte ehrenhaftere ältere Herrschaften zum Vergleich mit unserem Heiligen Vater her gibt.


1
 
 Ehrmann 18. September 2010 

Dank und Bitte

Dank den Kathnet-Mitarbeitern für die guten und einfühlsamen Berichte vom Besuch des Hl.Vaters in England! Eine Bitte habe ich aber in diesem Zusammenhang: Weisen Sie doch nicht immer wieder auf das Alter unseres Papstes hin. Es ist ihm wohl zu danken, daß er seine schwere Aufgabe noch in hohem Alter auf sich genommen hat, aber es war nicht zu bezweifeln, daß er sich nie weigern würde, zu tun, was unser Meister von ihm velangt. Auf der anderen Seite besteht heute die Tendenz, das Alter als abwertenden Faktor anzusehen - eine Tatsache, der wir uns nur mit allen Kräften entgegenstemmen sollten. Haben doch in der Vergangenheit viele bedeutende Menschen in noch viel höherem Alter gewirkt - in jüngerer Zeit z.B. Adenauer, im Mittelalter hat Dandalo, der Doge von Venedig, mit 90 (!) Jahren die Führung eines Kreuzzuges übernommen.


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