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Man könnte nun meinen, der Teufel konnte das Priesterjahr nicht leiden

4. Dezember 2010 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Jeden Samstag im Advent ein kurzer Auszug aus dem Buch Licht der Welt von Papst Benedikt


Freiburg-Rom (kath.net)
Kath.net bringt in Kooperation mit Herder an jedem Adventsamstag bis Weihnachten einen kurzen Auszug aus dem Buch von Papst Benedikt LICHT der WELT:

Unvergesslich bleibt Ihre Anklage am Kreuzweg des Karfreitags 2005, wenige Wochen, bevor Sie zum Nachfolger Johannes Pauls II. gewählt werden sollten: „Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen Ihn gar nicht wahr? Wie oft wird Sein Wort verdreht und missbraucht?“ Und wie schon auf die Ereignisse der nahen Zukunft gerichtet: „Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten?“ Nun kommen ausgerechnet in dem von Ihnen ausgerufenen Priesterjahr diese ganzen Versäumnisse und Verbrechen ans Licht. Ist biblisch gesehen vielleicht nicht auch die Enthüllung dieser Skandale selbst als Zeichen zu begreifen?

Man könnte nun meinen, der Teufel konnte das Priesterjahr nicht leiden und hat uns daher den Schmutz ins Gesicht geworfen. Als hätte er der Welt zeigen wollen, wie viel Schmutz es gerade auch unter den Priestern gibt.


Andererseits könnte man sagen, der Herr wollte uns prüfen und uns zu einer tieferen Reinigung rufen, so dass wir das Priesterjahr nicht triumphalistisch begehen, als Selbstrühmung, sondern als Jahr der Reinigung, der inneren Erneuerung, der Verwandlung und vor allem der Buße.

Der Begriff Buße, der zu den Grundelementen der alttestamentlichen Botschaft gehört, ist uns zunehmend abhanden gekommen. Man wollte irgendwie nur noch das Positive sagen. Aber das Negative existiert eben, es ist ein Faktum. Dass man durch Buße ändern und sich ändern lassen kann, ist eine positive Gabe, ein Geschenk. So hat es auch die Alte Kirche gesehen. Es gilt, nun im Geist der Buße wirklich neu anzufangen – und gleichzeitig die Freude am Priestertum nicht zu verlieren, sondern neu zu gewinnen.

Und ich darf mit großer Dankbarkeit sagen: So ist es auch geschehen. Ich habe von Bischöfen, Priestern und Laien viele erschütternde, bewegende Zeugnisse der Dankbarkeit für das Priesterjahr bekommen, die einem zu Herzen gehen. Diese Menschen bezeugen: Wir haben das Priesterjahr als Anlass zur Reinigung aufgefasst, als Akt der Demut, indem wir wieder neu uns vom Herrn her rufen lassen. Und wir haben gerade dadurch auch wieder die Größe und Schönheit des Priestertums gesehen. In diesem Sinn, denke ich, waren diese schrecklichen Enthüllungen doch auch ein Akt der Vorsehung, der uns demütigt, der uns zwingt, wieder neu anzufangen.


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Benedikt XVI.
Licht der Welt
Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit.
Ein Gespräch mit Peter Seewald
Verlag Herder
240 Seiten
geb.m.Schutzumschlag
ISBN 978-3-451-32537-3
Preis: 20,50 Euro

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Foto: (c) L'Osservatore Romano


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