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Glaube und Dienst

2. Oktober 2016 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Franziskus in Baku: der Glaube – keine magische Kraft, die vom Himmel niedersteigt, keine ‚Mitgift’, die man ein für alle Mal bekommt, keine Super-Macht, die zur Lösung der Probleme des Lebens dient, sondern Geschenk, das zu pflegen ist. Der Angelus


Rom (kath.net) Am Morgen des dritten Tages seiner Apostolischen Reise nach Georgien und Aserbaidschan verließ Papst Franziskus die georgische Hauptstadt und traf in Baku ein. Dort feierte er nach der offiziellen Begrüßungszeremonie auf dem Internationalen Flughafen Baku-Heydar Aliyev die heilige Messe in der Mariä-Empfängnis-Kirche im Salesianer-Zentrum der Hauptstadt.

„Aber Glauben zu haben, einen lebendigen Glauben, das ist nicht einfach. Und so die zweite Bitte, welche die Apostel im Evangelium an den Herrn richten: „Stärke unseren Glauben! “ (Lk 17,5). Das ist eine schöne Bitte, ein Gebet, das auch wir täglich an Gott richten könnten. Aber die göttliche Antwort ist überraschend, und auch in diesem Fall kehrt er die Bitte um: „Wenn ihr Glauben hättet …“. Er bittet uns, Glauben zu haben. Denn der Glaube, der eine Gabe Gottes ist und immer erbeten werden muss, er muss auch von unserer Seite gepflegt werden. Er ist keine magische Kraft, die vom Himmel niedersteigt, er ist keine „Mitgift“, die man ein für alle Mal bekommt, und auch keine Super-Macht, die zur Lösung der Probleme des Lebens dient. Denn ein Glaube, der nützlich ist zur Befriedigung unserer Bedürfnisse, wäre ein egoistischer Glaube, allein auf uns selbst gerichtet. Glaube ist nicht zu verwechseln mit Wohlbehagen oder Wohlbefinden, mit innerer Tröstung, damit wir ein bisschen Frieden im Herzen haben. Der Glaube ist der goldene Faden, der uns an den Herrn bindet, die reine Freude, bei ihm zu sein, mit ihm verbunden zu sein. Er ist das Geschenk, welches das ganze Leben hindurch hilfreich ist, das aber nur Frucht bringt, wenn wir unseren Teil tun.“

„Aber was ist der Dienst? Wir könnten meinen, dass er nur in der treuen Erfüllung der eigenen Pflichten bestehe oder im Vollbringen der einen oder anderen guten Tat. Bei Jesus geht es um viel mehr. Im heutigen Evangelium verlangt er von uns – auch mit sehr deutlichen, radikalen Worten – eine umfassende Bereitschaft, ein Leben in vollkommener Verfügbarkeit, ohne Berechnung und ohne Gewinne. Warum ist er so fordernd? Weil er uns so geliebt hat, sich zu unserem Diener gemacht hat »bis zur Vollendung« (Joh 13,1) und gekommen ist, »um zu dienen und sein Leben hinzugeben« (Mk 10,45). Und das geschieht immer noch jedes Mal, wenn wir Eucharistie feiern: Der Herr kommt in unsere Mitte, und wie sehr wir uns auch vornehmen können, ihm zu dienen und ihn zu lieben, kommt er uns doch immer zuvor und dient und liebt uns mehr, als wir uns vorstellen und verdienen. Er schenkt uns sein eigenes Leben. Und er lädt uns ein, ihn nachzuahmen, wenn er sagt: »Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach« (Joh 12,26).“

Zwei Versuchungen: Lauheit und übertriebene Aktivität.


kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier in der Mariä-Empfängnis-Kirche im Salesianer-Zentrum von Baku:

Das Wort Gottes zeigt uns heute zwei wesentliche Aspekte des christlichen Lebens auf: den Glauben und den Dienst. Bezüglich des Glaubens werden zwei besondere Bitten an den Herrn gerichtet.

Die erste ist jene des Propheten Habakuk, der Gott anfleht, einzugreifen und die Gerechtigkeit und den Frieden, welche die Menschen durch Gewalt, Zank und Streit verletzt und gebrochen haben, wiederherzustellen. »Wie lange, Herr, soll ich noch rufen, und du hörst nicht? « (Hab 1,2), fragt der Prophet.


Gott greift mit seiner Antwort nicht direkt ein, er löst die Situation nicht ruckartig und tritt nicht mit Gewalt auf. Im Gegenteil, er lädt ein, in Geduld zu warten, ohne jemals die Hoffnung zu verlieren; vor allem betont er die Bedeutung des Glaubens. Denn der Gerechte bleibt wegen seiner Glaubenstreue am Leben (vgl. Hab 2,4). So macht es Gott auch mit uns: Unsere Wünsche, welche die Welt und die Mitmenschen augenblicklich und fortwährend verändern wollen, unterstützt er nicht. Er möchte vielmehr das Herz heilen – meines, deines, das Herz eines jeden. Gott verändert die Welt durch die Verwandlung unserer Herzen und das kann er nicht ohne uns. Der Herr möchte nämlich, dass wir ihm die Tür des Herzens öffnen, damit er in unser Leben eintreten kann. Diese Offenheit gegenüber ihm, dieses Vertrauen auf ihn ist gerade »der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube« (1 Joh 5,4). Denn wo immer Gott ein offenes und vertrauensvolles Herz vorfindet, da kann er Wunder wirken.

Aber Glauben zu haben, einen lebendigen Glauben, das ist nicht einfach. Und so die zweite Bitte, welche die Apostel im Evangelium an den Herrn richten: „Stärke unseren Glauben! “ (Lk 17,5). Das ist eine schöne Bitte, ein Gebet, das auch wir täglich an Gott richten könnten. Aber die göttliche Antwort ist überraschend, und auch in diesem Fall kehrt er die Bitte um: „Wenn ihr Glauben hättet …“. Er bittet uns, Glauben zu haben. Denn der Glaube, der eine Gabe Gottes ist und immer erbeten werden muss, er muss auch von unserer Seite gepflegt werden. Er ist keine magische Kraft, die vom Himmel niedersteigt, er ist keine „Mitgift“, die man ein für alle Mal bekommt, und auch keine Super-Macht, die zur Lösung der Probleme des Lebens dient. Denn ein Glaube, der nützlich ist zur Befriedigung unserer Bedürfnisse, wäre ein egoistischer Glaube, allein auf uns selbst gerichtet.

Glaube ist nicht zu verwechseln mit Wohlbehagen oder Wohlbefinden, mit innerer Tröstung, damit wir ein bisschen Frieden im Herzen haben. Der Glaube ist der goldene Faden, der uns an den Herrn bindet, die reine Freude, bei ihm zu sein, mit ihm verbunden zu sein. Er ist das Geschenk, welches das ganze Leben hindurch hilfreich ist, das aber nur Frucht bringt, wenn wir unseren Teil tun.

Und was ist unser Teil? Jesus lässt uns begreifen, dass es der Dienst ist. Im Evangelium lässt der Herr nämlich auf die Worte über die Kraft des Glaubens sofort jene über den Dienst folgen. Glaube und Dienst kann man nicht trennen, im Gegenteil, sie sind eng verbunden, miteinander verknüpft. Um das zu erklären, möchte ich ein Bild gebrauchen, das euch sehr geläufig ist, das Bild eines schönen Teppichs: Eure Teppiche sind echte Kunstwerke und haben eine sehr alte Geschichte. Auch das christliche Leben eines jeden reicht weit zurück; es ist ein Geschenk, das wir in der Kirche empfangen haben und das aus dem Herzen Gottes, unseres Vaters, kommt, der aus jedem von uns ein Meisterwerk der Schöpfung und der Geschichte machen möchte. Ihr wisst genau, dass jeder Teppich aus Schussfaden und Kette gewoben wird; nur in diesem Aufbau ist das Ganze gut zusammengefügt und harmonisch. So ist es auch mit dem christlichen Leben. Jeden Tag muss es geduldig gewoben werden, indem ein ganz bestimmter Schussfaden und eine genau definierte Kette miteinander verflochten werden: der Schussfaden des Glaubens und die Kette des Dienstes. Wenn man den Glauben mit dem Dienst verknüpft, bleibt das Herz offen und jung und weitet sich durch gute Taten. Dann wird der Glaube, wie Jesus im Evangelium sagt, mächtig und vollbringt Wunder. Auf diesem Weg reift er und wird stark, unter der Bedingung, dass er immer mit dem Dienst verbunden bleibt.

Aber was ist der Dienst? Wir könnten meinen, dass er nur in der treuen Erfüllung der eigenen Pflichten bestehe oder im Vollbringen der einen oder anderen guten Tat. Bei Jesus geht es um viel mehr. Im heutigen Evangelium verlangt er von uns – auch mit sehr deutlichen, radikalen Worten – eine umfassende Bereitschaft, ein Leben in vollkommener Verfügbarkeit, ohne Berechnung und ohne Gewinne. Warum ist er so fordernd? Weil er uns so geliebt hat, sich zu unserem Diener gemacht hat »bis zur Vollendung« (Joh 13,1) und gekommen ist, »um zu dienen und sein Leben hinzugeben« (Mk 10,45). Und das geschieht immer noch jedes Mal, wenn wir Eucharistie feiern: Der Herr kommt in unsere Mitte, und wie sehr wir uns auch vornehmen können, ihm zu dienen und ihn zu lieben, kommt er uns doch immer zuvor und dient und liebt uns mehr, als wir uns vorstellen und verdienen. Er schenkt uns sein eigenes Leben. Und er lädt uns ein, ihn nachzuahmen, wenn er sagt: »Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach« (Joh 12,26).

Wir sind also nicht für eine bloße Belohnung zum Dienst gerufen, sondern um Gott nachzuahmen, der sich aus Liebe zu uns zum Diener gemacht hat. Und wir sind nicht gerufen, ab und zu mal zu dienen, sondern als Dienende zu leben. Der Dienst ist also ein Lebensstil, ja, er fasst in sich alles zusammen, was den christlichen Lebensstil ausmacht: Gottesdienst in der Anbetung und im Gebet, Offenheit und Verfügbarkeit, konkrete Nächstenliebe, nachdrücklicher Einsatz für das Gemeinwohl.

Auch bei den Gläubigen mangelt es nicht an Versuchungen, die von der Haltung des Dienstes entfernen und das Leben schließlich unnütz machen. Auch hier können wir zwei davon herausstellen: Die eine besteht darin, das Herz lau werden zu lassen. Ein laues Herz verschließt sich in einem faulen Leben und erstickt die Flamme der Liebe. Wer lau ist, lebt für die Befriedigung der eigenen Bequemlichkeiten, die ihm nie genügen, und somit ist er nie zufrieden. Nach und nach gibt er sich schließlich mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden. Der Laue hält für Gott und die Mitmenschen einige „Prozentsätze“ der eigenen Zeit und des eigenen Herzens bereit, ohne je zu übertreiben, im Gegenteil immer bemüht zu sparen.

So verliert sein Leben an Geschmack: Er wird wie ein Tee, der wirklich gut war, aber sobald er kalt geworden ist, ungenießbar wird. Ich bin jedoch sicher, dass ihr im Blick auf die Beispiele derer, die euch im Glauben vorangegangen sind, das Herz nicht lau werden lasst. Die ganze Kirche, die für euch eine besondere Sympathie hegt, schaut auf euch und ermutigt euch: Ihr seid eine kleine, in den Augen Gottes ganz kostbare Herde!

Es gibt eine zweite Versuchung, in die man fallen kann, und zwar nicht durch Passivität, sondern durch eine „übertriebene Aktivität“: das Herrschaftsdenken, sich nur einzusetzen, um Ansehen zu gewinnen und jemand zu werden. Dann wird der Dienst zu einem Mittel und nicht zu einem Ziel, denn das Ziel ist das Prestige geworden; dazu kommt dann die Macht, der Wunsch, bedeutend zu sein. »Bei euch soll es nicht so sein«, erinnert Jesus uns alle, »sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein« (Mt 20,26).

So baut man die Kirche auf und verschönert sie. Ich greife das Bild des Teppichs noch einmal auf und wende es auf eure schöne Gemeinschaft an: Jeder von euch ist wie ein prächtiger Faden aus Seide. Aber nur wenn alle gut miteinander verknüpft sind, bilden die verschiedenen Fäden ein schönes Gesamtwerk. Allein nützen sie nichts. Bleibt immer miteinander verbunden, lebt bescheiden in Liebe und Freude. Der Herr, der die Harmonie in der Unterschiedlichkeit schafft, wird euch beschützen.

Es helfe uns die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau und der Heiligen, besonders der heiligen Teresa von Kalkutta, deren Früchte des Glaubens und des Dienstes mitten unter euch da sind. Beherzigen wir einige ihrer großartigen Worte, welche die heutige Botschaft zusammenfassen: »Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist der Dienst. Die Frucht des Dienstes ist der Friede« (Der einfache Weg, Einführung).

Zum Schluss der heiligen Messe betete der Papst den Angelus. Zuvor wandte er sich an die kleine Gemeinde mit den folgenden Worten: "Hier hat der Glaube nach den Jahren der Verfolgung Wunder gewirkt".

Liebe Brüder und Schwestern,

in dieser Eucharistiefeier habe ich Gott mit euch und auch für euch gedankt: Hier hat der Glaube nach den Jahren der Verfolgung Wunder gewirkt. Ich möchte an so viele mutige Christen erinnern, die auf den Herrn vertraut haben und in den Widrigkeiten treu geblieben sind. An euch alle richte ich – wie einst der heilige Johannes Paul II. – die Worte des Apostels Petrus: »Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre!« (1Petr 2,7; Homilie, Baku, 23. Mai 2002, 1: L’Osservatore Romano [dt.] Jg. 32, Nr. 22 [31. Mai 2002], S. 8).

Unsere Gedanken gehen jetzt zur Jungfrau Maria, die in diesem Land nicht allein von den Christen verehrt wird. An sie wenden wir uns mit den Worten, mit denen der Erzengel Gabriel ihr die Frohe Botschaft von dem Heil überbrachte, das Gott für die Menschheit vorbereitet hatte.

In dem Licht, das auf dem mütterlichen Antlitz Marias erglänzt, richte ich einen herzlichen Gruß an euch, liebe Gläubige aus Aserbaidschan, und ermutige jeden Einzelnen, freudig den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zu bezeugen, in Einheit untereinander und mit euren Hirten. Besonders dankbar grüße ich die Salesianer-Familie, die sich so sehr um euch kümmert und verschiedene wohltätige Werke fördert, wie auch die Schwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe: Setzt mit Begeisterung euer Werk im Dienst aller fort!

Diese Wünsche vertrauen wir der Fürsprache der heiligen Gottesmutter an und erbitten ihren Schutz für eure Familien, für die kranken und die alten Menschen sowie für alle, die körperliche und geistige Leiden tragen.

Papst Franziskus feiert in Aserbeidschan die Hl. Messe - In voller Länge ohne Übersetzung



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