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| ![]() 'Erhebt euer Haupt; eure Erlösung ist nahe.'30. November 2003 in Deutschland, keine Lesermeinung kath.net dokumentiert das Hirtenwort des Bischofs von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, zum Ersten Advent "Erhebt euer Haupt; eure Erlösung ist nahe." Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an Jesus den Herrn! Vor einem Jahrhabe ich mich als Ihr neuer Bischof mit einem Brief an Sie gewandt. Ichwollte Ihnen die aktuellste Aufgabe der Kirche nahe legen: dieNeuevangelisierung von Kircheund Gesellschaft. Es geht bei diesem Thema darum, die unverbrauchte Kraftdes Evangeliumswieder zu entdecken, damit jeder den Sinn seines Lebens finden kannZum ersten Advent des Jahres 2003 möchte ich Sie nun einladen, mit mir undallen, die fürdie Verkündigung verantwortlich sind, über das Verhältnis der Jugendlichenzur Kirchenachzudenken. Dabei müssen wir unsere Kinder und Jugendlichen nicht nur alsAdressatender Seelsorge ansehen. Sie sind vielmehr auch als aktive Mitwirkende an denAufgaben derKirche ernst zu nehmen. Trennen wir uns als erstes von altenKlischeevorstellungen. Es stimmt nicht, dass dieJugendlichen nichts mehr von der Kirche wissen wollen. Viele suchen nach dem Sinn ihresLebens und finden ihn auch in Jesus von Nazaret. Er ist der universaleMittler derGemeinschaft der Menschen mit Gott. Gewiss werden die meisten Jugendlichennicht mehr automatisch durch eine fraglosübernommene Tradition christlich sozialisiert. Aber der Verlust deskatholisch geprägtenMilieus enthält auch eine Chance. Sie können sich den Glauben viel stärkeraus eigenerEinsicht und Entscheidung aneignen. Was wir auf der einen Seite -statistisch gesehen - als Rückgang zu verzeichnen haben, wirdauf der anderen Seite wett gemacht durch überzeugende Beispiele einesentschiedenenLebens aus dem Glauben. Bei Besuchen von bisher 18 unserer 30 kirchlichenSchulen bin ich schon Tausenden Jugendlichenbegegnet. Ich kann nur von guten Erfahrungen berichten. Ich denke dabei andieengagierte Mitfeier und Gestaltung der Messe und an die interessiertenDiskussionen mit denAbschlussklassen. Zudem konnte ich bei meinen Besuchen in den Pfarreien undnach denFirmgottesdiensten mit vielen jungen Menschen ganz persönlich sprechen. Einige Beispiele möchte ich besonders herausstellen, weil sie auch mich sehrbewegt haben.Ich erinnere an die diözesane Aussendungsfeier für die SternsingeraktionEnde letzten Jahresin Vilsbiburg; mehr als 1600 Jungen und Mädchen kamen zu demWortgottesdienstzusammen. Ich erinnere an den Diözesanjugendtag am Palmsonntag; über 1000Jugendlicheließen sich ansprechen; viele nahmen bei der Abschlussfeier im Dom dieMöglichkeit wahr,bei einem der 30 anwesenden Beichtväter das Sakrament der Buße zu empfangen.Und icherinnere an die jüngste Aktion: 550 Pfadfinder aus dem Bistum starteten imOktober zueinem Zeltlager nach Rom, als Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2005 inKöln.Manche werden vielleicht einwenden: Das sind doch nur Einzelerfahrungen! DieJugendlichenin ihrer großen Mehrheit lassen sich nur schwer ansprechen und wenn, dannnur durchEvents. Mit dem normalen Pfarreileben und der regelmäßigen Messfeier amSonntag könnensie nicht viel anfangen. Sicher haben wir uns selbstkritisch zu fragen, ob wir uns durch die hohenMitgliederzahlenunserer Jugendverbände und die Millionen von Teilnehmern bei denWeltjugendtreffen mitdem Papst nicht blenden lassen und ob wir damit nicht die Defizite bei derGlaubensvermittlung und in der liturgischen Praxis überspielen.Ich meine trotzdem: Wir dürfen in diesen Ereignissen zurecht einen Beweisdafür sehen, dassdie meisten Jugendlichen nach einer rechten Lebensgestaltung aus einemhöherenLebenssinn suchen. Räumt man die Kulissen der Konsum- und Spaßgesellschaftzur Seite,trifft man auf junge Menschen, die sich genauso wie ihre Eltern fragen,warum sieüberhaupt auf der Erde leben. Nach welchen ethischen Prinzipien kann einLeben in derGemeinschaft mit anderen gelingen? Gibt es nach dem Tod eine Hoffnung? Jeder Mensch, ob jung oder alt, ob krank oder gesund, ob er alleine lebtoder in der Familie,ist - kraft seiner geistigen Natur - konfrontiert mit der Frage, ob Gottexistiert. Es geht dabeium die umfassende Orientierung an Gott, dem Ursprung und Ziel unseresDaseins.Ein Christ ist derjenige, der zur Erkenntnis gekommen ist, dass Gott zujedem einzelnenMenschen "Ja und Amen" (vgl. 2 Kor 1,20) gesagt hat. In Jesus Christus hatdieses bejahendeWort Gottes unser Fleisch angenommen (Joh 1,14). In ihm erfüllt sich dasHeilswort für dasganze Volk Gottes, wie sein Name nach dem Propheten Jeremia ja bedeutet:"Gott ist unsereGerechtigkeit" (Jer 33,16). Mit ihm erfüllt sich der Sinn unseres Lebens.Es ist klar: Wer zu dieser Erkenntnis gelangt, der gestaltet auch sein Lebenaus der Erfahrungder Gegenwart Gottes in Jesus. Er kann innere und äußere Schwierigkeitenmeistern. Trotzaller Stürme hält er Kurs auf das Ziel: die liebende Einheit mit Gott in derGemeinschaft mitallen Erlösten im ewigen Leben. Die Mitfeier der Messe und der Empfang der Sakramente sind dann nicht mehrlästigePflichterfüllung. Sie werden zur gern gesuchten Begegnung mit JesusChristus. Auch dieGebote Gottes verstehen wir dann als von Gott geschenkte Wegweiser und alsErmunterungauf unserem Lebensweg.Darum wird den müde gewordenen Christen der frühen Zeit im Hebräerbriefgesagt: "Lasstuns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabeiauf Jesusblicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vorihm liegendenFreude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sichzur Rechtenvon Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchenWiderstand gegen sicherduldet hat; dann werdet ihr nicht schlapp machen und den Mut nichtverlieren!" (Hebr12,1-3). Wir Christen vertrauen, dass die Geschichte der Menschheit von Gott gelenktwird. Nacheinem Wort Jesu kann Gott auch aus Steinen Kinder Abrahams erwecken. Wasbedeutet dasanderes als dass Gott auch das Herz der Abständigen, Lauen, Verbitterten undEmpörtenerreichen kann!Darum bin ich überzeugt, dass die Kirche bei den jungen Christen und mit denjungenChristen Zukunft hat. Und auch unsere Kinder und Jugendlichen werden Zukunfthaben,wenn sie in Jesus Christus Gott finden und die Kirche Jesu Christi verstehenlernen alsGemeinschaft der Glaubenden, die uns mitträgt auf dem Pilgerweg des Glaubenshin zumlebendigen Gott. Dafür sollen jugendliche und erwachsene Christen einander wechselseitigZeugen sein. DieSeelsorger in den Pfarreien, die Religionslehrerinnen und -lehrer und alleengagiertenChristen können ihren wertvollen Beitrag dazu leisten. Lassen wir uns durchvordergründigeErfahrungen nicht zu schnell entmutigen! Die Saat des Evangeliums geht auchin unserenTagen auf. In diesem Sinn rufe ich Ihnen heute am Beginn des neuen Kirchenjahres mitdem Wort desHerrn aus dem Evangelium zu: "Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denneure Erlösungist nahe!" (Lk 21,28) Wir brauchen angesichts der Zukunft der Kirche nichtbestürzt undratlos zu sein (Lk 21,25). Jesus gibt uns die Gewähr: Gott wird sichdurchsetzen.Ich lade Sie ein, in diesen adventlichen Tagen Jesus Christus neu vertrauenund lieben zulernen. Er ist unser Wegbereiter und -begleiter in die Zukunft, die Gottheißt. Dazu erbitte ichIhnen von ganzem Herzen den Segen des dreifaltigen Gottes, des Vaters, desSohnes und desHeiligen Geistes. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. 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