14 Juni 2019, 13:00
Das Drama der Zerstörung von Ehe und Familie
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Zahl der De facto-Lebensgemeinschaften und der Scheidungen nimmt zu. So vollzieht sich das Drama so vieler Kinder, die Opfer des Unbehagens und der Verlassenheit werden. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Alle fünf Jahre kommen heute die Bischöfe der Teilkirchen der Welt nach Rom, an die „Schwelle“ der Apostelgräber zum Ad-limina-Besuch. Bei diesen seit dem Jahr 1234 (Gregor IX.) verpflichtenden Besuchen lernen die Bischöfe die verschiedenen Ämter und Einrichtungen des Vatikans kennen und können schwerpunktmäßig ihre spezifischen Probleme vortragen. Zudem bilden diese Besuche ein sichtbares Zeichen der Einheit der einzelnen Kirche mit dem Stuhl Petri, mit dem Papst, der als Bischof von Rom allen Kirchen in der universalen Liebe vorsteht (vgl. Ignatius von Antiochien).

„Früher“ bildete daher das Treffen mit den Nachfolger Petri den eigentlichen Höhepunkt dieser Besuche. Ab dem Jahr 2013 wurde diese Dimension eingeschränkt und „privatisiert“: Vollzogen sich diese Besuche in der ersten Zeit des Pontifikats von Franziskus noch nach dem alten Schema, wurde dieses zunächst dadurch gebrochen, dass die Ansprache des Papstes nicht mehr gehalten, sondern nur mehr überreicht wurde (man denke hierbei an den eklatanten Fall des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe im November 2015 mit all seinen Widersprüchlichkeiten).

Heute wird keine Ansprache mehr vorbereitet oder überreicht. Der Akzent liegt auf der persönlichen und privaten Begegnung der Bischöfe mit dem Papst, oder, wie es der vormalige Direktor des vatikanischen Pressesaals Greg Burke einmal zum Ausdruck brachte: „Franziskus zieht einfach einen umgangssprachlicheren Ton vor, wenn er mit den Bischöfen spricht“.

Leider geht der Kirche durch diese „Umstellung“ und Personalisierung ein Kaleidoskop verloren, durch das regelmäßig die Vielfalt der Weltkirche und die Mannigfaltigkeit ihrer Gegebenheiten und Probleme sichtbar wurden. Oft überraschte es, wenn man sehen konnte, dass und wie es in entlegenen Ländern, die man weniger kennt, Situationen gab, die man dort eigentlich nicht vermutete, oder dass auch „dort“ Schwierigkeiten auftauchten, von denen „man“ meinte, sie seien in erster Linie auf Europa oder die westliche säkularisierte Welt bezogen.

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So konzentrierte sich Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 in seiner Ansprache vor brasilianischen Bischöfen auf die auf die Familie und die Ehe als „Ehebund, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen“ (Gaudium et spes, 48).

Das Evangelium vom Freitag der 10. Woche im Jahreskreis (Mt 5,27-32) bietet einen weiteren Anlass, um über Ehe und Familie nachzudenken:

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch“.

„Doch während die Kirche das menschliche Leben mit dem Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit – erste Lebenseinheit in der Vielzahl der Personen – vergleicht und nicht müde wird zu lehren“, so Benedikt XVI., „dass die Familie ihr Fundament in der Ehe und im Plan Gottes hat, befindet sich das in der säkularisierten Welt verbreitete Bewusstsein diesbezüglich in der tiefsten Unsicherheit, vor allem seitdem die westlichen Gesellschaften die Ehescheidung legalisiert haben. Die einzige anerkannte Grundlage scheint das Gefühl bzw. die individuelle Subjektivität zu sein, die im Willen zum Zusammenleben zum Ausdruck kommt. In dieser Situation geht die Zahl der Eheschließungen zurück, da sich viele in ihrem Leben nicht unter einer so zerbrechlichen und unbeständigen Voraussetzung binden wollen; die Zahl der De facto-Lebensgemeinschaften und der Scheidungen nimmt zu.

In dieser Zerbrechlichkeit vollzieht sich das Drama so vieler Kinder, die, der Unterstützung durch die Eltern beraubt, Opfer des Unbehagens und der Verlassenheit werden, wodurch sich soziale Unordnung ausbreitet.“.


Benedikt XVI. an die Bischöfe aus Brasilien (Regionen Nordost 1 und 4) anlässlich ihres „Ad-Limina“-Besuches, 25. September 2009:

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!

Seid willkommen! Mit großer Freude empfange ich euch in diesem Haus und wünsche aus ganzem Herzen, daß euch euer »Ad-limina«-Besuch den Trost und die Ermutigung geben möge, die ihr erwartet. Ich danke euch für das freundliche Grußwort, das ihr soeben durch den Erzbischof von Fortaleza, José Antônio Aparecido Tosi Marques, an mich gerichtet habt; ihr bekundet damit die Empfindungen der Liebe und Gemeinschaft, die eure Teilkirchen mit dem Römischen Stuhl verbinden, und die Entschlossenheit, mit der ihr die dringende Verpflichtung zur Mission angenommen habt, um auf den Lebenswegen eures Volkes das Licht und die Gnade Christi wieder zu entzünden.

Ich möchte heute zu euch über den ersten dieser Wege sprechen: die auf die Ehe gegründete Familie als »Ehebund, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen« (Gaudium et spes, 48). Als vom göttlichen Gesetz bestätigte natürliche Institution ist die Familie auf das Wohl der Eheleute und auf die Zeugung und Erziehung der Nachkommenschaft hingeordnet und findet darin ihre Krönung (vgl. ebd.). Indem sie dies alles in Frage stellen, scheinen in der heutigen Gesellschaft gewisse Kräfte und Stimmen darum bemüht zu sein, die natürliche Wiege des menschlichen Lebens zu zerstören.

Eure Berichte und unsere Einzelgespräche haben wiederholt diese schwierige Lage der Familie angesprochen, in der schließlich das Leben in unzähligen Kämpfen angegriffen wird. Es ist jedoch ermutigend festzustellen, das trotz all der negativen Einflüsse das Volk eurer Regionen Nordost 1 und 4, getragen von seiner charakteristischen Frömmigkeit und von einem tiefen Gefühl brüderlicher Solidarität, weiterhin offen ist für das Evangelium des Lebens.

Da wir wissen, daß nur von Gott jene Ebenbildlichkeit und Ähnlichkeit stammen kann, die dem Menschen wesenseigen ist (vgl. Gen 1,27), wie es bei der Schöpfung geschehen ist – die Zeugung ist die Fortführung der Schöpfung –, beuge ich mit euch und mit euren Gläubigen »meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, das ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt« (Eph 3,14–16).

Möge in jedem Heim der Vater und die Mutter, durch die Kraft des Heiligen Geistes innerlich gestärkt, weiterhin einträchtig Gottes Segen in ihrer Familie sein, indem sie die Ewigkeit ihrer Liebe in den Gnadenquellen suchen, die der Kirche anvertraut sind; diese ist »das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk« (Lumen gentium, 4)!

Doch während die Kirche das menschliche Leben mit dem Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit – erste Lebenseinheit in der Vielzahl der Personen – vergleicht und nicht müde wird zu lehren, daß die Familie ihr Fundament in der Ehe und im Plan Gottes hat, befindet sich das in der säkularisierten Welt verbreitete Bewußtsein diesbezüglich in der tiefsten Unsicherheit, vor allem seitdem die westlichen Gesellschaften die Ehescheidung legalisiert haben.

Die einzige anerkannte Grundlage scheint das Gefühl bzw. die individuelle Subjektivität zu sein, die im Willen zum Zusammenleben zum Ausdruck kommt. In dieser Situation geht die Zahl der Eheschließungen zurück, da sich viele in ihrem Leben nicht unter einer so zerbrechlichen und unbeständigen Voraussetzung binden wollen; die Zahl der De facto-Lebensgemeinschaften und der Scheidungen nimmt zu. In dieser Zerbrechlichkeit vollzieht sich das Drama so vieler Kinder, die, der Unterstützung durch die Eltern beraubt, Opfer des Unbehagens und der Verlassenheit werden, wodurch sich soziale Unordnung ausbreitet.

Angesichts der Trennung der Eheleute und der Scheidung, angesichts der Zerstörung der Familien und angesichts der Folgen, die die Scheidung für die Kinder mit sich bringt, kann die Kirche nicht gleichgültig bleiben. Um eine angemessene Ausbildung und Erziehung zu erfahren, brauchen die Kinder äußerst klare und konkrete Bezugspunkte, das heißt entschlossene und sichere Eltern, die auf unterschiedliche Weise an ihrer Erziehung mitwirken.

Nun wird es gleichsam zum Prinzip, daß die Praxis der Ehescheidung durch die sogenannte erweiterte und unbeständige Familie, die die Zahl der »Väter« und »Mütter« vervielfacht und dazu führt, daß heute der Großteil derjenigen, die sich »Waisen« nennen, nicht elternlose Kinder sind, sondern Kinder, die zu viele »Eltern« haben. Diese Situation mit Formen unvermeidlicher Einmischung und dem Sich-Überkreuzen von Beziehungen muß innere Konflikte und Verwirrungen hervorrufen und trägt dazu bei, in den Kindern zwangsläufig ein verfälschtes Familienbild entstehen zu lassen, das sich an das jeweilige Zusammenleben wegen seiner Vorläufigkeit gewissermaßen anpassen läßt.

Es ist feste Überzeugung der Kirche, daß die Probleme, vor denen die Eheleute heute stehen und die ihre Verbindung schwächen, eine echte Lösung nur in einer Rückkehr zur Festigkeit der christlichen Familie finden: Sie ist der Raum gegenseitigen Vertrauens, wechselseitiger Hingabe, der Achtung der Freiheit und der Erziehung zum sozialen Leben. Es ist wichtig, daran zu erinnern, daß »die Liebe der Gatten von Natur aus die Einheit und Unauflöslichkeit ihrer personalen Gemeinschaft, die ihr ganzes Leben umfaßt, erfordert« (Katechismus der Katholischen Kirche, 1644).

In der Tat hat Jesus mit aller Klarheit gesagt: »Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet« (Mk 10,11–12). Bei allem Verständnis, das die Kirche angesichts solcher Situationen an den Tag legen kann, muß festgehalten werden, daß es Eheleute aus einer zweiten Verbindung nicht gibt, sondern nur aus der ersten Verbindung; die andere ist eine irreguläre und gefährliche Situation, die in der Treue zu Christus dadurch gelöst werden muß, daß mit Hilfe eines Priesters ein möglicher Weg gefunden wird, um alle zu retten, die sich in dieser Lage befinden.

Um den Familien zu helfen, fordere ich euch auf, sie mit Überzeugung auf die Tugenden der Heiligen Familie hinzuweisen: das Gebet, Eckstein jeder Familie, die ihrer Identität und ihrer Sendung treu ist; die Arbeitsamkeit, Achse jeder reifen und verantwortungsvollen Ehe; das Schweigen, Grundlage jeder freien und wirksamen Aktivität. Ich ermutige eure Priester und die pastoralen Zentren eurer Diözesen, die Familien auf diese Weise zu begleiten, damit sie nicht von gewissen relativistischen Lebensstilen enttäuscht und verführt werden, wie sie die Filmund Fernsehproduktionen und andere Informationsmedien fördern.

Ich habe Vertrauen in das Zeugnis jener Familien, die ihre Kraft aus dem Sakrament der Ehe schöpfen; mit ihnen wird es möglich, die auftretende Versuchung zu überwinden, eine Beleidigung zu vergeben, ein krankes Kind anzunehmen, das Leben des anderen, auch wenn er schwach und behindert ist, durch die Schönheit der Liebe zu erhellen. Ausgehend von diesen Familien muß das Gefüge der Gesellschaft wiederhergestellt werden.

Das, liebe Brüder, sind einige Gedanken, die ich euch zum Abschluß eures »Ad-limina«-Besuchs mit auf den Weg gebe, der reich an tröstlichen Nachrichten, aber auch voller Befürchtungen war aufgrund des Erscheinungsbildes, das eure geliebte Nation in Zukunft annehmen könnte. Arbeitet mit Verstand und Eifer; spart nicht mit Anstrengungen bei der Vorbereitung tätiger und glaubensbewußter Gemeinden. In ihnen soll sich das Erscheinungsbild der Bevölkerung im Nordosten nach dem Vorbild der Heiligen Familie von Nazaret konsolidieren. Das sind meine Wünsche, die ich durch den Apostolischen Segen, den ich euch allen erteile, bekräftige und in den ich die christlichen Familien und die verschiedenen Kirchengemeinden mit ihren Hirten und alle Gläubige eurer geliebten Diözese einschließe.

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