09 Dezember 2019, 13:00
Maria – wahrer Ausdruck der Gnade, voll der Liebe
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: in Maria ist nicht der geringste Widerstand zwischen Gott und ihrem Sein. Es ist da ein gegenseitiges ‚Ja’, Gottes Ja zu ihr und Mariens Ja zu Gott, völlig ihrer selbst enteignet für ihn. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) 8. Dezember 2012 – noch wusste keiner, dass es das letzte Mal sein sollte, dass Benedikt XVI. am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria zum Gebet des Angelus sprechen wird. Die „appuntamenti mariani“ des Papstes waren stets von einer besonderen Innigkeit gekennzeichnet, dies sowohl jeden 15. August zu Mariä Aufnahme in den Himmel mit heiliger Messe und Predigt, denen dann der Angelus folgte, als auch jene acht Mal, da er zum schönsten Marienfest der Unbefleckten Empfängnis in das Geheimnis Mariens und immer auch des Offenbarungswillens Gottes einführte.

Ephräm der Syrer: „Wie die Leiber selbst gesündigt haben und sterben und die Erde, ihre Mutter, verflucht ist (vgl. Gen 3,17–19), so ist aufgrund dieses Leibes, der die unvergängliche Kirche ist, ihre Erde gesegnet von Anbeginn. Diese Erde ist der Leib Mariens, der Tempel, in dem ein Same niedergelegt worden ist“.

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„Das Licht, das von der Gestalt Mariens ausstrahlt, hilft uns auch, den wahren Sinn der Erbsünde zu begreifen. In Maria nämlich ist jene Beziehung zu Gott, die von der Sünde zerrissen wird, lebendig und in Fülle wirksam. In ihr ist nicht der geringste Widerstand zwischen Gott und ihrem Sein: es ist da volle Gemeinschaft, volles Einverständnis. Es ist da ein gegenseitiges »Ja«, Gottes Ja zu ihr und Mariens Ja zu Gott. Maria ist frei von der Sünde, da sie ganz Gott gehört, völlig ihrer selbst enteignet für ihn. Sie ist ganz erfüllt von seiner Gnade, seiner Liebe.“


Benedikt XVI. beim letzen Angelus des Pontifikats zum Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, 8. Dezember 2012:

Liebe Brüder und Schwestern!

Euch allen einen gesegneten Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens! In diesem Jahr des Glaubens möchte ich hervorheben, daß Maria durch ein unentgeltliches Geschenk der Gnade Gottes die unbefleckt Empfangene ist. Gott hat jedoch in ihr vollkommene Verfügbarkeit und Mitarbeit vorgefunden. In diesem Sinn ist sie »selig«, da sie »geglaubt hat« (Lk 1,45), da sie einen festen Glauben an Gott gehabt hat. Maria repräsentiert jenen »Rest Israels«, jene von den Propheten verkündete heilige Wurzel. In ihr finden die Verheißungen des Alten Bundes Aufnahme.

In Maria findet das Wort Gottes Gehör, Annahme, Antwort, es findet jenes »Ja«, das es ihm gestattet, Fleisch zu werden und mitten unter uns zu wohnen. In Maria öffnen sich die Menschheit, die Geschichte wahrhaft für Gott, sie empfangen seine Gnade, sie sind bereit, seinen Willen zu tun. Maria ist wahrer Ausdruck der Gnade. Sie steht für das neue Israel, das die Schriften des Alten Testaments mit dem Symbol der Braut beschreiben. Und der hl. Paulus nimmt diese Sprache im Brief an die Epheser wieder auf, wenn er von der Ehe spricht und sagt, daß »Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos« (Eph 5,25–27).

Die Kirchenväter haben dieses Bild entfaltet, und so ist die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis zuerst in bezug auf die Kirche als »Jungfrau und Mutter« und in der Folge in bezug auf Maria entstanden. So schreibt Ephräm der Syrer mit dichterischen Worten: »Wie die Leiber selbst gesündigt haben und sterben und die Erde, ihre Mutter, verflucht ist (vgl. Gen 3,17–19), so ist aufgrund dieses Leibes, der die unvergängliche Kirche ist, ihre Erde gesegnet von Anbeginn. Diese Erde ist der Leib Mariens, der Tempel, in dem ein Same niedergelegt worden ist« (Diatessaron 4,15: SC 121,102).

Das Licht, das von der Gestalt Mariens ausstrahlt, hilft uns auch, den wahren Sinn der Erbsünde zu begreifen. In Maria nämlich ist jene Beziehung zu Gott, die von der Sünde zerrissen wird, lebendig und in Fülle wirksam. In ihr ist nicht der geringste Widerstand zwischen Gott und ihrem Sein: es ist da volle Gemeinschaft, volles Einverständnis. Es ist da ein gegenseitiges »Ja«, Gottes Ja zu ihr und Mariens Ja zu Gott. Maria ist frei von der Sünde, da sie ganz Gott gehört, völlig ihrer selbst enteignet für ihn. Sie ist ganz erfüllt von seiner Gnade, seiner Liebe.

Schließlich bringt die Lehre der Unbefleckten Empfängnis Mariens die Gewißheit des Glaubens zum Ausdruck, daß sich die Verheißungen Gottes verwirklicht haben: daß sein Bund nicht scheitert, sondern eine heilige Wurzel hervorgebracht hat, aus der die gebenedeite Frucht des ganzen Universums aufgekeimt ist, Jesus, der Heiland. Die Unbefleckte Empfängnis zeigt, daß die Gnade fähig ist, eine Antwort hervorzurufen, daß die Treue Gottes einen wahren und guten Glauben zu erzeugen vermag.

Liebe Freunde, heute nachmittag werde ich mich, wie es Brauch ist, zum Spanischen Platz begeben, um die ohne Erbsünde empfangene Jungfrau Maria zu ehren. Wir wollen dem Beispiel der Gottesmutter folgen, damit auch in uns die Gnade des Herrn in einem echten und fruchtbaren Glauben Antwort finde.

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