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Konnte Christus schreiben? Das Leben Jesu – das Dogma in Aktion

13. November 2020 in Aktuelles, 28 Lesermeinungen
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Wie Kardinäle diesen Zweifel heute ‚lösen’ und wie das wirklich anzusprechen ist. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as/egt) Ein Interview mit einem Kardinal in einer der wichtigen italienischen Tageszeitung, das sich mit Folgen und Bedürfnissen in der Zeit der durch die „Pandemie“ bedingten Lockdowns auseinandersetzen will, ganz konzentriert auf den Begriff der Meditation: der Politiker Walter Veltroni, herausragender Exponent der demokratischen Linkspartei, sprach hierzu mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur, Kardinal Gianfranco Ravasi. Ettore Gotti Tedeschi, Ökonom, Bankier, Finanzethiker, emeritierter Präsident des IOR (Institut für religiöse Werke, 2009 bis 2012) und herausragender katholischer Intellektueller Italiens, Vertrauter Benedikts XVI., ist auf diesen langen Text gestoßen und setzte sich damit auf seine Weise auseinander. Dazu muss gesagt werden: wenn Gotti Tedeschi etwas „anfasst“, mit der ihm eigenen Eleganz, wird der, die oder das „Angefasste“ dies spüren, dies trotz aller „Abstandregeln“.

***

Konnte Jesus schreiben? (Über ein Interview mit Kardinal Gianfranco Ravasi). Von Ettore Gotti Tedeschi

Im „Corriere della sera“ vom 10. November 2020 gab es ein sehr langes und gelehrtes Interview (herausgegeben von Walter Veltroni) mit Kardinal Gianfranco Ravasi, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Kultur. Das Interview konzentrierte sich auf die Einsamkeit nach dem Lockdown und die Bedeutung der Meditation. Wenn aber die Schlussfolgerung aus den Meditationen, die Seine Eminenz während des Lockdowns gemacht hat, in dem Gedanken besteht, nämlich dass Jesus wahrscheinlich nicht schreiben konnte und dass er, wenn er heute etwas schreiben würde, dies lauten würde: liebe deinen Nächsten , aber auch die Erde wie dich selbst – dann bleiben wir ein wenig ratlos zurück.

Die Gelehrsamkeit des Kardinals und die Freude, die er dabei empfindet, sie zu zeigen, sind wohlbekannt. Um uns diesmal über die Entdeckung der Meditation zu berichten, macht er bis zu zehn Zitate, die alle – um Himmels willen – interessant und zutreffend sind. Aber zehn!


Es beginnt mit einem Zitat des atheistischen und anarchistischen französischen Schriftstellers Albert Camus aus „Die Pest“, er geht dann über zum neorationalistischen italienischen Philosophen Norberto Bobbio, er springt zum Soziologen und größten Experten für die Auswirkungen der Kommunikation auf die Gesellschaft Marshall McLuhan, er zitiert den Schriftsteller und Entomologen Vladimir Nabokov (Autor des Romans „Lolita“), er spricht dann von dem brasilianischen Komponisten Vinicius de Moraes (erwähnt von Papst Franziskus in „Fratelli tutti“), der die Familie so sehr liebte, dass er gleich neun Mal heiratete, er zitiert den unvermeidlichen Blaise Pascal und berichtet sogar über den amerikanischen Philosophen John Searle, der sowohl für seine Kritik an der künstlichen Intelligenz als auch dafür berühmt ist, dass ihm der Titel eines emeritierten Professors an der Universität Berkeley wegen sexueller Belästigung aberkannt wurde. Aber das reicht nicht aus. Seine Eminenz zitiert weiter Charles Peguy, einen zum Katholizismus konvertierten französischen Schriftsteller, der dem Autoritarismus der Kirche feindlich gegenübersteht, er zitiert die Lektüre des großen Philologen Giorgio Pasquali und spricht über seine Freundschaft mit dem italienschen Dichter Mario Luzi.

Wir kamen auf zehn Zitate und hatten es schwer, ihm zu folgen. Aber auf die letzte Frage, ob Jesus jemals etwas geschrieben habe (abgesehen von den berühmten Worten, die in der Episode der Ehebrecherin in den Sand gezeichnet wurden), antwortet der Kardinal: „Wir wissen nicht einmal, ob Jesus schreiben konnte, irgendein Exeget stellte sich vor, er habe nur Zeichen in den Sand gezeichnet... Aber wenn Jesus zurückkäme, würde er schreiben: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’. Liebe auch die Erde wie dich selbst, könnten wir heute hinzufügen“.

Wie? Ist das alles?

So wollen wir hören: was sagte dazu ein katholischer Intellektueller wie Nello Vian (Vicenza, 28. Mai 1907 – Rom, 18. Januar 2000), die Person, die Giovanni Battista Montini, dem zukünftigen Paul VI., sein ganzes Leben lang am nächsten stand? Vian, der achtundzwanzig Jahre lang eine verantwortliche Position in der vatikanischen Bibliothek einnahm und dann Generalsekretär des „Instituts Paul VI.“ war, tat dies in dem Buch „Der Kardinal, der zu lesen verstand. Geschichten von Büchern und Schriftstellern“. Vian schrieb (und beim Lesen ist auch der spirituelle Reichtum zu schätzen, der in diesen wenigen Sätzen zum Ausdruck kommt):

„Obwohl er predigte, tätig war und Wunder verbreitete, hätte Jesus dem Papyrus die wesentlichen Punkte seiner Lehre anvertrauen und eine schriftliche Sammlung seiner Gedanken hinterlassen können. Schreiben ist nichts anderes als eine Form der Handlung. Jesus hat es nicht getan: er schrieb nur einmal, aber auf den Sand (und die Bedeutung der Geste, unabhängig von ihrer Interpretation, bleibt im Kontext des Geschehens eindeutig symbolisch: die Übersetzung der vor ihm stehenden ehebrecherischen Frau). Man wäre fast versucht zu sagen, dass der Charakter seiner Sendung es ihm verbot, als Autor zu agieren, da er ausschließlich der war, der Vollmacht hatte.

Christus wollte nicht, dass die Menschen mehr durch sein schriftliches Werk als durch seine Person erobert werden, wie es bei dem literarischen Vermächtnis eines Schriftstellers der Fall ist. Platons Werk ist wichtiger als Platon, aber bei Sokrates, der nichts geschrieben hat, zieht nur seine Person an. Jesus wollte nicht, dass da eine undurchsichtige Leinwand des schriftlichen Werkes zwischen ihm und den Jüngern steht. Getreu der Methode der traditionellen mündlichen Lehre seines Volkes, von der Platon auch im Kapitel 61 des „Phädrus“ die Überlegenheit feststellte, säte er den Samen seiner Lehre nicht auf Papier, sondern in lebendige Geister und Herzen aus, wo seine Liebe ihn dann keimen und Früchte tragen ließ. Dieser erste Grund ist nicht der einzige, der es einem verständlich machen kann, warum Jesus nichts geschrieben hat. Er war kein Philosoph, der nach jahrelangem Nachdenken eine schöne Theorie vorschlug: er war die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die lebendige Kraft, „Weg, Wahrheit und Leben“.

Er war der Prophet, mächtig nicht nur in Worten, sondern auch, und mehr noch, in Werken: über Materie und Geist, über die Leiber, die er heilte, und die Seelen, die er bekehrte. Er beschränkte sich nicht auf das Unterrichten, denn mit den großen Lehren verband er großmächtige Handlungen. Sein Leben war das Dogma in Aktion. Jede seiner Verhaltensweisen, auch die kleinste seiner Gesten, war ein Zeichen, ein Symbol des Göttlichen. Es lag an den Jüngern, die Herrlichkeit des Meisters zu bezeugen, seine großen Werke zu erzählen und gleichzeitig den Eindruck zu vermitteln, den sie zuerst empfangen hatten. Mit anderen Worten: es waren die Jünger, die schreiben und diese Geschichte zu Papier bringen mussten“.

Nun, dieses Mal haben wir zitiert. Und das wäre eine Meditation für unsere Zeiten der Lockdowns gewesen!

 

Der Text wurde im italienischen Original von Aldo Maria Valli (* Rho, 3. Februar 1958) auf seiner Internetseite „Duc in altum“ veröffentlicht. Valli ist  Vatikanist, Schriftsteller und kritischer Begleiter des kirchlichen und vatikanischen Geschehens.

 


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