Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vom Elend der Fürbitten
  2. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  3. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  4. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  5. Peinlich - Deutsche Protestanten glauben mehrheitlich nicht an den dreieinigen Gott
  6. Der entschärfte Gott
  7. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  8. EuGH-Urteil: Deutscher Kirchenaustritt kein automatischer Kündigungsgrund
  9. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"
  10. Realitätsverlust im Bistum Chur
  11. Muslime wählen SPD und Linke, Christen wählten CDU
  12. Bischof Elbs ermutigt zur Beichte: "Herz ordnen und sich auf Ostern vorbereiten"
  13. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  14. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  15. „Gesellschaftliche Zeitbombe“: BKA-Studie warnt vor Radikalisierung junger Muslime in Deutschland

Gänswein skizziert in Heiligenkreuz theologisches Erbe Benedikts

25. März 2023 in Weltkirche, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Langjähriger Privatsekretär und jetziger "Testamentsvollstrecker" spricht bei Tagung an Hochschule Heiligenkreuz über "Das Pontifikat Papst Benedikts aus der Sicht eines Zeitzeugen" und leitet Gottesdienst in der Stiftskirche am 25. März


Wien  (kath.net/KAP) Im Stift Heiligenkreuz als einem Ort, wo sich Papst Benedikt XVI. wohlgefühlt habe, ja, der ihm auch in schwierigen Zeiten als "Lichtblick" und "Ankerpunkt" erschienen sei, hat dessen langjähriger Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein als "Zeitzeuge" das theologische Erbe Joseph Ratzingers skizziert. Er sprach am Freitagabend im Rahmen einer Fachtagung über einen "Dreiklang", der im Denken und Wirken des deutschen Papstes immer wieder durchgekommen sei: Es sei Benedikt um die Wahrheit gegangen, um die Freundschaft mit Christus und um die Freude aus dem Glauben. Diese "Melodie" habe das ganze Leben Ratzingers durchtönt. Und schon der junge Joseph Ratzinger habe die wissenschaftlich betriebene Theologie als seine spezielle Berufung empfunden, so Gänswein.

Die Grundlage dafür sei die Überzeugung des späteren Erzbischofs und Papstes: "Der Glaube selbst ist vernünftig. Denn die Offenbarung Gottes wendet sich an das Verstehen des Menschen, vor allem an seine Freiheit." Deshalb sei im Glaubensvollzug das Nachdenken und Nachfragen vorgesehen, ja "eingestiftet", wie Gänswein sagte. Es sei zwar ist es nicht allen Menschen gegeben, theologische Wissenschaft zu treiben. Aber der Zugang zu den großen Grunderkenntnissen des Glaubens stehe jedem offen. In diesem Sinn habe das kirchliche Lehramt "so etwas wie einen demokratischen Charakter", so der Erzbischof. Es werde Teil des gemeinsamen Glaubens, indem es keinen Rangunterschied gibt zwischen Gelehrten und Einfachen in der Kirche.

Ratzinger habe sich selbst die Frage gestellt, "ob es nicht eigentlich Anmaßung ist, zu sagen: Wir können die Wahrheit erkennen angesichts all unserer menschlichen Begrenzungen." Dabei sei er zur Erkenntnis gelangt, "dass der Verzicht auf Wahrheit überhaupt nichts löst. Im Gegenteil, er wird zur Diktatur der Beliebigkeit", wie Gänswein darlegte. Alles, was dann bleiben könne, sei "eigentlich nur von uns entschieden und letztlich auch austauschbar". Nicht die Fragen der Vernunft, sondern die sich verschließende Vernunft sei nach Überzeugung des großen Theologen auf dem Stuhl Petri ein großes Hindernis für den Glauben. Auch der spätere Papst Benedikt habe unerschütterlich daran festgehalten: "Die Vernunft des Menschen trägt selbst das Bedürfnis nach dem immer Gültigen und Bleibenden in sich."
"Liebe öffnet die Augen, macht nicht blind"


Ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt sei, gebe das Kriterium in die Hand, zwischen wahr und falsch, zwischen Trug und Wahrheit zu unterscheiden, erklärte Gänswein: "Liebe öffnet die Augen, macht nicht blind." Erst die Beziehung zu Jesus Christus lasse die Zeichen Gottes in der heutigen Zeit erkennen, mache den Menschen geistig frei von allen Denkmodellen oder auch von allen Zwängen. Und die Kirche sei nur dann das, was sie sein soll, wenn sie von ihrer Herkunft lebt; Christus und seine Ziele im Blick zu haben bedeute, "sich nicht allzu häuslich in dieser Welt einrichten" zu wollen.
Ratzinger, dessen Wahlspruch bei der Bischofsweihe "Mitarbeit an der Wahrheit" war, habe nie versucht, ein eigenes System der Theologie zu schaffen, wies Gänswein hin. Er habe einfach "mit dem Glauben der Kirche mitdenken" wollen.
Nach den Worten des ehemaligen Privatsekretärs und jetzigen "Testamentsvollstreckers" wird sich herausstellen, ob der Todestag Benedikts am 31. Dezember 2022 "eine Art Zeitenwende markieren" werde, "eine Wendung bestimmter Elemente in der Kirche hin zur Unterordnung unter säkulare Machenschaften". Er gab dem Auditorium abschließend das bereits 2006 verfasste geistliche Testament des damals seit gut einem Jahr amtierenden Papstes mit auf den Weg. Darin wies Benedikt darauf hin, es sehe oft so aus, als ob die Naturwissenschaften oder auch die Geschichtsforschung unwiderlegbare Einsichten vorzuweisen hätten, die dem katholischen Glauben entgegenstünden. Benedikt habe miterlebt, wie scheinbare Gewissheiten gegen den Glauben dahinschmelzen, sich nicht als Wissenschaft, sondern als nur scheinbar der Wissenschaft zugehörige philosophische Interpretationen erwiesen hätten. Freilich könne auch der Glaube im Dialog mit den Naturwissenschaften die Grenze der Reichweite seiner Aussagen besser verstehen. "Steht fest im Glauben, lasst euch nicht verwirren", zitierte Gänswein einen eindringlichen Papstappell aus dessen Testament.

Auch Gerl-Falkovitz und Tück referieren

Im Rahmen der Fachtagung am 24. und 25. März über "Das Prophetische in der Theologie von Papst Benedikt XVI." leitete Erzbischof Gänswein auch einen Gottesdienst am Samstag in der Stiftskirche von Heiligenkreuz. Redebeiträge bei der Tagung kamen u.a. auch von der Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ("Vernunft und Glaube. Zum Denkansatz Joseph Ratzingers") um vom Wiener Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück ("Das Gericht als Ort der Hoffnung. Anmerkungen zur Eschatologie von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI"). Beide hatten den deutschen Papst bereits in nach dessen Tod am Silvestertag 2022 gewürdigt.

Gerl-Falkovitz beklagte sich damals über "dümmste Zuschreibungen" wie "Panzerkardinal" oder "Rottweiler Gottes" für Benedikt und verwies auf die Früchte, die dem "unaufhörlichen geistigen Kampf" des Verstorbenen entstammen: "Wann zuletzt ist so unerbittlich und doch werbend der Anspruch der Vernunft von einem Papst verteidigt worden?" Das päpstliche "Hohelied des Logos" habe ein Gespräch angeregt, das aus der postmodernen Sinnleere herausführe und die Gegenwart "rettet aus ihrem selbstwidersprüchlichen Schulterzucken über Wahrheit", wie Gerl-Falkovitz formulierte.

Laut Tück hat Benedikt XVI. das Papstamt ganz anders ausgefüllt als sein Vorgänger Johannes Paul II. "Er hat weniger spektakuläre Gesten gesetzt als vielmehr versucht, durch seine Enzykliken die Grundbegriffe des Christentums in einer ansprechenden Diktion zu erläutern." Was von Benedikt bleibe, sei seine ansprechende Art und Weise, Grundgedanken des Christentums in Erinnerung zu rufen. Im Blick auf die Situation in Europa, habe er immer wieder gefragt: "Was geschieht, wenn Gott fehlt? Brechen dann nicht gewissermaßen auch Grundlagen des Gemeinwesens weg, die uns in eine Schieflage bringen könnten?". Das seien die Impulse, die bleibend für Nachdenken sorgen werden, so Tück.


Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
(www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net ISLAND REISE im JULI 2026 - ANMELDE-DEADLINE - 25. MÄRZ!!!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Krautwaschl zu Grünwidl: Bin nicht gezwungen worden!
  4. Realitätsverlust im Bistum Chur
  5. Vom Elend der Fürbitten
  6. Heimisch sein im Vatikan - Papst Leo XIV. wohnt wieder in der klassischen Papstwohnung
  7. Eine große BITTE an Ihre Großzügigkeit! - FASTENSPENDE für kath.net!
  8. Der deutsch-synodale Irrweg in Zahlen: Nur 25 Priesterweihen in ganz Deutschland im Jahr 2025!
  9. Einladung zur Novene zum Hl. Josef
  10. Vatikanische Theophantasien zur Frauenfrage
  11. Botschaft von Papst Leo zum 10. Jahrestag des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia
  12. Pater Dietrich von Stockhausen überreicht Papst Leo XIV. Hesemanns aktuelle Studie über Heroldsbach
  13. Der entschärfte Gott
  14. Papst bezieht diesen Samstag seine Wohnung im Apostolischen Palast
  15. "Die Zahl der Seminaristen ist im Bistum Chur leider sehr klein geworden"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz