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Kiewer Weihbischof: Jede Gelegenheit für "gerechten Frieden" nutzen

16. Februar 2025 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Caritas-Spes-Präsident Jaslowezkyj sieht Ukraine angesichts der Trump-Putin-Kontakte an "Wendepunkt" - Verhandlungen sollten nicht an Interessen der Bevölkerung vorbeigeführt werden und auch mit den europäischen Verbündeten geführt werden.


Kiew (kath.net/ KAP)
Einen eindringlichen Aufruf, keine Gelegenheit zu versäumen, um einen gerechten Frieden für die Ukraine zu erreichen, hat inmitten anhaltender russischer Angriffe der Kiewer Weihbischof Oleksandr Jaslowezkyj an die Welt gerichtet. Im Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur SIR sprach der Präsident von Caritas-Spes Ukraine am Donnerstag über die schwierige Lage der Bevölkerung, die Auswirkungen der jüngsten diplomatischen Entwicklungen und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges.
Mit hoher Aufmerksamkeit verfolge man in der Ukraine die diplomatischen Bemühungen der letzten Tage, sagte der Bischof, insbesondere die Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Man verbinde damit gleichzeitig Hoffnung auf baldigen Frieden wie auch Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen.
Die Ukrainer seien "diejenigen, die sich am meisten nach einem Ende dieses Krieges sehnen", betonte Jaslowezkyj. Er habe noch keinen Ukrainer getroffen - weder Zivilisten noch Soldaten - der einen Weitergang des Krieges befürworte. "Doch wir wollen einen gerechten Frieden. Ein Frieden, der uns nicht ungeschützt zurücklässt", unterstrich der Bischof.
Sorge äußerte der Präsident der Caritas-Spes darüber, dass Trump nach seiner langen Telefonkonversation mit Putin keine klaren Aussagen über die Rolle der Ukraine in den Verhandlungen gemacht habe. "Es ist unsere Heimat, unser Land, unser Volk, das leidet - aber sind wir tatsächlich Teil der Gespräche? Werden unsere Interessen berücksichtigt?", hinterfragte der Bischof.


Europa sollte mitverhandeln
Neben den USA setzt Yazlovetskyi große Hoffnungen auf die europäischen Verbündeten der Ukraine und forderte sie auf, sich weiterhin aktiv für einen Frieden einzusetzen, der Sicherheit und Stabilität garantiert. "Die Länder, die uns bisher unterstützt haben, dürfen nicht aus diesem Prozess ausgeschlossen werden. Sie sind nicht nur unsere Partner, sie sind unsere Freunde. Sie haben uns geholfen, als wir es am meisten brauchten - und sie müssen auch jetzt mit am Tisch sitzen, wenn es um unsere Zukunft geht."
Zugleich richtete der Bischof einen dringenden Appell an alle politisch Verantwortlichen weltweit: "Wer immer Einfluss auf diese Prozesse hat, darf diese Chance nicht ungenutzt lassen. Gott gibt uns eine Gelegenheit, diesen Krieg zu beenden. Doch Möglichkeiten sind nicht ewig verfügbar - sie können vergehen, bevor sie ergriffen werden." Die Ukraine stehe derzeit an einem "Wendepunkt, und es liegt an uns allen, das Feuer des Krieges zu löschen, bevor es noch mehr Menschenleben kostet", so Jaslowezkyj.

Angriffe dauern an
Dringend sei der Einsatz für den Frieden aufgrund der weiter extrem schwierigen Lage für die Bevölkerung in dem bald schon drei Jahre andauernden Krieg und die weitergehenden russischen Luftangriffe. "Jede Nacht hören wir die Sirenen, manchmal ein-, zwei-, dreimal. Es ist, als ob die Angriffe nicht nur unsere Städte zerstören, sondern auch unsere Hoffnung, dass diese schrecklichen Zeiten bald vorbei sein könnten", sagte Jaslowezkyj. Zwar höre man, dass es Verhandlungen gebe und diplomatische Kanäle sich öffnen würden - "doch warum fallen dann weiter Raketen? Warum sterben noch immer unschuldige Menschen?" Das sei aus ukrainischer Sicht unverständlich.
Erst am Dienstag hatte es einen schweren russischen Angriff auf den Kiewer Stadtteil Obolonskyy gegeben, bei dem Trümmerteile von abgeschossenen Raketen Wohnhäuser trafen. Eine Person kam ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Jaslowezkyj sprach von "unglaublich starken" Explosionen. "Alle waren erschrocken, besonders die Kinder, die weinend in den Kellern saßen", so der Bischof.
Dennoch sei die Bevölkerung mittlerweile an die Angriffe gewöhnt. "Die Menschen haben sich daran gewöhnt, nicht zu reagieren. Sie hören die Explosionen, sie sehen die zerstörten Autos, die brennenden Gebäude - und sie gehen weiter ihrem Alltag nach. Doch das heißt nicht, dass es uns nicht schmerzt. Jede Rakete, jeder Drohnenangriff frisst sich tiefer in unsere Seelen und raubt uns ein Stück Zuversicht."

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