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Mit zugehaltener Nase Bush gewählt

5. November 2004 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Warum viele Christen in den USA aufatmen - Der Beginn einer Umkehr? - Ein Kommentar von Uwe Siemon-Netto


Viele meiner amerikanischen Freunde haben bei der US-Präsidentschaftswahlmit zugehaltener Nase für George W. Bush gestimmt und am morgen danach beimBekanntwerden des republikanischen Sieges Dankesgebete gen Himmel geschickt.Letzteres tat auch ich. Das mag meinen deutschen Landsleuten, von denenviele im Gleichschritt Bush geradezu zu hassen scheinen, unverständlichvorkommen. Es läßt sich aber erklären.Es gibt viele triftige Gründe, über Bush und seine Regierung unglücklich zusein. Daß diese Leute zum Beispiel in den Irak gestolpert sind, ohne dieNachkriegszeit sorgfältig zu planen, zeugt von dümmlicher Überheblichkeit.Auch der Vorwurf, Bush und seine Leute seien zu konzernhörig, ist teilweisegerechtfertigt. Ein Beispiel: Für alte und kranke Amerikaner sindArzneimittel schier unerschwinglich. Trotzdem hat Bush unter dem Druck derpharmazeutischen Industrie ein Gesetz blockiert, das es den Bürgern erlaubthätte, ihre Medikamente zum halben Preis im benachbarten Kanada einzukaufen.

Konsequent gegen Terror

Trotz ihrer Enttäuschung über die Sozial- und Wirtschaftspolitik derRepublikaner hat eine große Mehrheit der Amerikaner jetzt dieser Parteiwieder ihr Vertrauen geschenkt. Warum wohl? Sind die Amis wirklichunterbelichtet, wie viele Europäer meinen? Bestimmt nicht. Zum einen istBush nun einmal der erste Präsident, der konsequent gegen den Terrorismusvorgeht, ein Krebsleiden, das seit Jahrzehnten infolge der Tatenlosigkeitwestlicher Politiker weltweit wuchert. Zum anderen aber ist den Amerikanernklargeworden, in welchem finsteren Strudel die westliche Zivilisation sichbefindet, in welchem Morast sie steckt. Seit der Oberste Gerichtshof inWashington beispielsweise 1973 die Abtreibung für verfassungskonformerklärte, sind in den USA 40 (jawohl: vierzig!) Millionen Kinder imMutterleib umgebracht worden, oft unmittelbar vor der Geburt. Nur derGerichtshof kann dieses Massenmorden wieder stoppen. Das setzt aber voraus,daß er "richtig" besetzt ist. Der Präsident ernennt die oberstenBundesrichter auf Lebenszeit, und der Senat muß diese Kandidaten bestätigen.In den nächsten vier Jahren werden mindestens vier der neun Richterzurücktreten, einschließlich ihres derzeitigen Präsidenten William H.Rehnquist, eines konservativen Lutheraners, der 80 Jahre alt ist und anSchilddrüsenkrebs leidet.

Trotz vieler Vorbehalte gegen Bush ...

Ein Wahlsieg der Demokraten hätte bedeutet, daß linksliberale Juristen indie vakant werdenden Stellen lanciert worden wären. Sie hätten dasBabymorden nie und nimmer beendet. Sie hätten Schwulen-Ehen zugelassen; siehätten die von den deutschen Medien weitgehend totgeschwiegenen VersucheBushs, die traditionelle Familie zu retten, sabotiert. Deshalb sind diesmalEvangelikale und Katholiken trotz vieler Vorbehalte gegen Bush in unerhörtgroßer Zahl zu den Urnen geströmt, vor allem auch die jungen. Deshalb habensie auf Bundesebene die Republikaner gewählt und in elf Einzelstaaten fürein Verbot der Homo-Ehe gestimmt. Es galt, den weiteren Abstieg ihres Landesin die Perversion aufzuhalten. Dies zeugt, bitte sehr, nicht von "typischeramerikanischer Naivität", wie viele Europäer arrogant behaupten. Es zeugtvielmehr von großer politischer Reife und auch Opferbereitschaft, denn dieseWähler haben eine gesunde Ethik über ihre wirtschaftlichen Interessengestellt. Das Wahlergebnis zeugt zumal von einem ausgeprägten christlichenWertebewußtsein gerade unter jungen Amerikanern. Mag an deutschenStammtischen auch noch so viel gehässiger Unfug geredet werden - untermStrich war dies eine gute Wahl. Sie beweist nämlich, daß Amerika immer nochin der Lage ist, sich wie ein moderner Herd selbst zu reinigen.
(Der Autor, Dr. Uwe Siemon-Netto (Washington), ist Journalist undlutherischer Theologe. Er ist zur Zeit Gastprofessor am Hillsdale College imUS-Bundesstaat Michigan) (idea)



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