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Georgien vor Patriarchenbegräbnis im Ausnahmezustand

20. März 2026 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Staatstrauer und Beileidsbekundungen aus aller Welt - Patriarch Ilia II. in Dreifaltigkeitskathedrale in Tiflis aufgebahrt - Begräbnis am 22. März - Der beliebte Patriarch hatte ca. 50.000 Patenkinder


Tiflis (kath.net/KAP) Patriarch Ilia II. von Georgien wird am Sonntag, dem 22. März, in der historischen Sioni-Kathedrale in Tiflis beigesetzt, wie die georgische Kirchenleitung am Mittwoch mitteilte. Dabei wurde festgehalten, dass der Beisetzungsort dem persönlichen Wunsch des Patriarchen entspreche. Die Sioni-Kathedrale ist eines der bekanntesten religiösen Wahrzeichen Georgiens.

Zu den Begräbnisfeierlichkeiten werden höchstrangige Vertreter der Kirchen und der Politik und hunderttausende Gläubige erwartet. Georgien befindet sich seit dem Tod des Patriarchen im Ausnahmezustand. Die Regierung hat eine nationale Staatstrauer ausgerufen. 

Auf einer außerordentlichen Sitzung der Heiligen Synode der Kirche von Georgien wurden am Mittwoch die Einzelheiten der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Patriarchen festgelegt. Im Anschluss an die Sitzung wurde der Leichnam des Patriarchen vom Patriarchat in die Dreifaltigkeitskathedrale (Sameba-Kathedrale) übertragen. Die Kathedrale ist rund um die Uhr geöffnet, damit die Menschen vom Patriarchen persönlich Abschied nehmen können. U. a. haben dies auch schon Präsident Mikheil Kavelashvili und Premierminister Irakli Kobakhidzehat getan.


Nicht nur die Georgische Kirche, sondern auch die Regierung hat eine Sonderkommission eingesetzt, die vonseiten des Staates die Begräbnisfeierlichkeiten planen bzw. koordinieren soll. Premierminister Kobakhidzehat hat den Vorsitz über die Kommission inne, der u. a. fast alle Minister seiner Regierung oder auch die Leiter des Staatssicherheitsdienstes und des Sonderstaatsschutzdienstes angehören.

In Tiflis und darüber hinaus wird der öffentliche Verkehr am 21. und 22. März kostenlos sein, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme am Begräbnis zu ermöglichen. Zudem werden zusätzliche Züge und Busse bereitgestellt, um den zu erwartenden Andrang bewältigen zu können.

Am Begräbnis wird auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., teilnehmen, wie er in einem Kondolenzschreiben an die interimistische georgische Kirchenleitung mitteilte. Bartholomaios stand am Mittwoch auch einem Gedenkgottesdienst für Ilia II. im Phanar in Istanbul vor. Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie würdigte dabei die "väterliche Liebe", die der verstorbene Patriarch dem georgischen Volk und seinem Heimatland entgegengebracht hatte. Bartholomaios merkte an, dass die Beziehungen zwischen der Kirche Georgiens und der Kirche von Konstantinopel während der Amtszeit von Patriarch Ilia II. deutlich gestärkt wurden. Der verstorbene Patriarch habe dem Ökumenischen Patriarchat stets tiefen Respekt und Dankbarkeit entgegengebracht.

Die Nachricht vom Tod des Patriarchen hat weltweit tiefe Bestürzung ausgelöst, sowohl innerhalb als auch außerhalb der orthodoxen Gemeinschaft. Würdigungen und Trauerbekundungen kamen etwa von den Patriarchen der Russisch-, Bulgarisch- und Rumänisch-orthodoxen Kirche, den Oberhäuptern der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Albaniens oder Zyperns; weiters etwa auch vom Assyrischen Patriarchen Mar Awa oder dem Armenisch-apostolischen Katholikos Karekin II.

In Belgrad stand der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije am Mittwoch einem Gedenkgottesdienst für Ilia II. vor. Dabei hob er das tiefgreifende spirituelle Erbe des verstorbenen Patriarchen hervor. Patriarch Ilia habe nicht nur Georgien, sondern die gesamte orthodoxe Welt nachhaltig geprägt. 

Patriarch Ilia II., Oberhaupt der Georgischen Orthodoxen Kirche, ist am Dienstag nach langer schwerer Krankheit mit 93 Jahren verstorben. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Ilia II. als Kirchenoberhaupt verbracht. Er übernahm die Leitung der Kirche noch zu Sowjetzeiten. Als der Patriarch sein Amt antrat, gab es in Georgien lediglich 15 Diözesen und aufgrund der kommunistischen Verfolgungen nur noch 30 aktive Kirchen. Heute gibt es 47 Diözesen und circa 2.000 Kirchengemeinden sowie etwa 3.000 Geistliche. Ilia II. war die mit Abstand populärste Persönlichkeit Georgiens und galt als Integrationsfigur des Landes. U. a. hatte er rund 50.000 Patenkinder. 

Copyright 2026 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
 (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto: Patriarch Ilia empfing Papst Franziskus 2016 bei dessen Apostolischer Reise nach Georgien (c) Vatican News


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