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| ![]() Wenn das künftige nominelle Kirchenoberhaupt mit dem eigenen Glauben fremdeltvor 3 Stunden in Kommentar, 5 Lesermeinungen Prinz William soll später als König Oberhaupt der Church of England werden. Nun wird im englischen Sprachraum über seinen „stillen Glauben“ diskutiert - Wieviel Glaube braucht sein „Job“? – Kirchenspaltung in Echtzeit verfolgen. Von Petra Lorleberg London (kath.net/pl) Irritation ist das Stichwort der Stunde und dies schlägt auch in den säkularen Medien durch. Denn die Frage ist: Inwieweit versteht sich das künftige nominelle Oberhaupt der Church of England, Prince William, überhaupt als Christ? Anlass zu dieser Irritation ist die Verlautbarung eines Sprechers des Königshauses. Dieser hatte erläutert, dass das Empfinden des Prinzen und Thronfolgers sei: „‚Ich gehe vielleicht nicht jeden Tag in die Kirche, aber ich glaube daran, ich möchte sie unterstützen, und das ist ein wichtiger Aspekt meiner jetzigen und meiner zukünftigen Rolle. Ich werde sie auf meine Weise sehr ernst nehmen.‘ … Diejenigen, die ihn gut kennen, wissen, dass seine Verbundenheit zur Kirche und das damit verbundene Pflichtgefühl tief verwurzelt und auf etwas Persönlichem und Aufrichtigem beruht. Glaube, Dienst und Verantwortung sind Themen, die die Rolle, die er eines Tages übernehmen wird, seit Langem prägen, und er geht ihnen auf seine eigene, besonnene Weise nach.“ Notabene: Was wie ein direktes Zitat des Prinzen wirkt („Ich gehe vielleicht nicht jeden Tag in die Kirche, aber …“), ist lediglich die geschickte Wortwahl seiner Pressestelle, ergo wohlwollende Interpretation. „Britische Monarchen sind Oberhäupter der Church of England und tragen den Titel ‚Verteidiger des Glaubens‘. Als Teil ihrer Rolle sind Monarchen für die Genehmigung der Ernennung von Erzbischöfen, Bischöfen und Dekanen auf Empfehlung des Premierministers verantwortlich“, erläutert die BBC den grundsätzlichen Hintergrund. Weiter berichtet die BBC, dass Prinz William König Charles bei der Amtseinführung von Sarah Mullally in das wichtige Amt des Erzbischofs von Canterbury vertreten wird [Die BBC erwähnt dabei allerdings nicht, wie umstritten die Person Mullallys innerhalb der Church of England und in allen anglikanischen Gemeinschaften weltweit ist, siehe Link]. Der Prince of Wales habe sich bereits vorab mit Mullally zu einem „herzlichen und tiefgründigen Gespräch“ getroffen, so ein Sprecher von Williams, dies spiegle „echtes Interesse nicht nur an der Arbeit der Kirche, sondern auch an ihrer Rolle als Bewahrerin einer unverwechselbaren und alten englischen spirituellen Tradition, die auch heute noch relevant ist“, wider. Die „Times“ erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass Mullally voraussichtlich auch Williams Krönung leiten und ihn auf die Rolle als supreme governor vorbereiten wird – und dass sich William dessen auch bewusst sei. Der konservative Geistliche Reverend Marcus Walker eilte dem Prinzen zu Hilfe und erläuterte gegenüber der „Daily Mail“ diplomatisch: „Gott wird William finden, wenn er auf dem Thron sitzt. Elizabeth I. sagte, wir sollten nicht in die Seelen der Menschen blicken, aber wo immer Prinz William sich auf seinem Weg befindet, ich bin sicher, Gott wird ihn finden. Wo sich ein Mensch auf seinem Glaubensweg befindet, ist eine sensible Angelegenheit.“ Der Prinz sei „ehrlich“ gewesen „und ich denke, das ist gut so. Er kennt seine Pflichten und seine Verantwortung.“ Die konservative Wochenzeitschrift „Spectator“ (London) gibt allerdings dem britischen anglikanischen Theologen Theo Hobson Raum für skeptische Gedanken. Hobson fragt, ob Williams angeblicher „quiet faith“ (stiller Glaube) wirklich ein echtes christliches Bekenntnis darstelle oder eher eine geschickte ambivalente Formulierung, die unterschiedliche Lesergruppen zufriedenstellen soll. Die offizielle Stellungnahme – über einen Hofsprecher an Medien weitergegeben – sei bewusst vage gehalten und erwecke letztlich den Eindruck, William sei kein überzeugter Christ, wolle dies aber aus Pflichtgefühl nicht offen zugeben. Auch von anderer Seite kommt massive Kritik. Kein Geringerer als der frühere anglikanische Bischof Gavin Ashenden, der von 2008 bis 2017 Hofkaplan der inzwischen verstorbenen Königin Elisabeth II. gewesen war (er konvertierte 2019 zur katholischen Kirche), wies auf Prinz Williams geringe Anzahl Kirchenbesuche hin und merkte an, dass der Prinz hauptsächlich für seine Teilnahme an Gottesdiensten bei Familienfeiern und formellen Anlässen wie Weihnachten und Ostern bekannt sei. „Ich fühle mich etwas irritiert. Es geht beim Christentum, dem Glauben eines Menschen, um tiefe Integrität. Mancherorts sterben Menschen dafür. Sie geben ihr Leben dafür. Die Ansprüche sind sehr hoch. … Man vergibt seinen Feinden, man liebt seine Feinde. Man befindet sich in einem Kreuzzug gegen das Böse“, erläuterte Ashenden in einer Diskussion im LBC Radio. Um abschließend die Frage zu vertiefen, wieviel Glaube der „Job“ des Königs von England als nominelles Oberhaupt der Kirche von England braucht: Jedenfalls mehr als nur ein verwehendes Bekenntnis zu Kirche und christlicher Kultur. Es könnte tatsächlich sein, dass der klare Glaube der verstorbenen Königin Elizabeth II. und der vielleicht schon vagere Glaube des jetzigen Königs Charles III. nicht ausreichen für Williams künftige Verantwortung als nominelles Oberhaupt der Kirche von England, sondern dass sein eigener, ganz persönlicher Glaube gefragt ist. Wer in der Krönungszeremonie symbolisch sogar mit priesterlichen Gewändern und Stola eingekleidet werden wird, der kann sich nicht darauf berufen, dass Rolle und Abstammung ja ein ausreichend vages Bekenntnis zum Christentum seien. Denn wie einmal ein gläubig-evangelischer Christ zu Recht zu mir sagte: „Gott hat Söhne und Töchter, aber keine Enkel“. Soll heißen: Wer in den Bund mit Gott eintreten will, muss dies in allen christlichen Konfessionen durch die Taufe und das persönliche Bekenntnis vollziehen. Und zwar durch das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus, nicht nur durch ein allgemein-vages Gutheißen von kirchlicher Gemeinschaft, Tradition und kirchlichen Werken der Nächstenliebe. Wer nur ein Kulturchristentum lebt, trägt aktiv bei zu den Auflösungserscheinungen seiner Kirche bzw. kirchlichen Gemeinschaft (egal welcher Konfession und welcher Tradition) - Auflösungserscheinungen, die man derzeit leider in erstaunlicher Geschwindigkeit in der anglikanischen Gemeinschaft „in Echtzeit“ mitverfolgen und mitbedauern kann. Doch dürfen wir Katholiken an dieser Stelle keineswegs besserwisserisch die Nase rümpfen. Haben wir eventuell nicht auch Personen in kirchlichen Ämtern (seien es Priester, Bischöfe, sogar Kardinäle – oder seien es führende Laienkatholiken und Theologen), bei denen uns die Frage kommen könnte: Wieviel Glaube braucht deren „Job“ eigentlich und bringen sie davon wenigstens ein Mindestmaß mit? Und gerade jetzt in der Fastenzeit sind wir alle aufgerufen, diese Frage auch an uns selbst zu stellen: Wieviel Mindestmaß an Glauben braucht eigentlich mein eigenes Leben, damit ich meine Aufgabe in Welt und Kirche vor Gottes Augen ausreichend würdig vollziehen kann? Archivfoto Prinz William (c) Wikipedia/CC BY 2.0/Buckingham Palace reception/Ian Jones Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() Lesermeinungen
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